Psychologin Wölfl: "Kinderschutz bedeutet, nicht wegzuschauen"
Kinderschutzexpertin Hedwig Wölfl über den Fall Gunkl, Warnsignale bei Kindern und den richtigen Umgang mit einem Missbrauchsverdacht
Seit am Mittwoch bekannt wurde, dass gegen einen der prominentesten Kabarettisten des Landes, Günther Paal alias Gunkl, Anklage wegen einer sexuellen Handlung an einem Kind und des Besitzes von Kindesmissbrauchsmaterial erhoben wurde, sind in der Öffentlichkeit Aufregung, Abscheu und Entsetzen groß. Verstärkt auch durch die Tatsache, dass der Mutter und Großmutter des betroffenen Kindes vorgeworfen wird, das heute fünfjährige Mädchen nicht geschützt, sondern benutzt zu haben, um vom Künstler insgesamt fast 200.000 Euro zu erpressen. Anlass, um mit der klinischen Psychologin Hedwig Wölfl, Geschäftsführerin der Kinderschutzorganisation Möwe, darüber zu sprechen, wie Kinder in solchen Fällen geschützt werden können – und was Medien, Behörden und das Umfeld dazu beitragen können.
STANDARD: Frau Wölfl, wie sollte mit einem Fall wie diesem in den Medien, aber auch durch Behörden und das Umfeld umgegangen werden, damit das betroffene Kind nicht ein weiteres Mal traumatisiert wird?
Wölfl: Man muss sich bewusst sein, dass mediale Spuren heute dauerhaft verfügbar sind. Zeitungsartikel sind digital auffindbar und können ein Kind auch Jahre später noch erreichen. Wenn Kinder mit bestimmten Etiketten versehen werden, können diese Stigmatisierungen sehr lange an ihnen haften. Auch im konkreten Fall sollte daher vermieden werden, dass das Kind später immer mit dem prominenten Beschuldigten in Verbindung gebracht wird.
Wichtig ist, die Situation der Betroffenen in den Mittelpunkt zu stellen: Was hilft ihnen, was ist zu tun, wie kann man Kinder schützen? Es geht nicht darum, Täterbilder zu malen oder einen True-Crime-Hype zu bedienen. Ich plädiere für einen sachlichen Umgang – weder Verharmlosung noch Katastrophisierung und Sensationalisierung.
Kinderschutzexpertin Hedwig Wölfl über den Fall Gunkl, Warnsignale bei Kindern und den richtigen Umgang mit einem Missbrauchsverdacht
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