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Maghrebinische Teekultur

Zmaj

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"Das erste Glas ist bitter wie das Leben, das zweite stark wie die Liebe und das dritte sanft wie der Tod".
 
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"Teezeremonie"

Eine sehr große Bedeutung kommt der Zubereitung des stark gesüßten, grünen Tees zu, einem Gemisch aus importiertem grünem chinesischem Tee und einheimischer grüner, möglichst frischer Minze.


Jedem Gast, der in einem Zelt begrüßt wird, reicht man frisch aufgegossenen Tee, von dem normalerweise drei Gläser pro Runde getrunken werden - weniger dem Gast anzubieten, wäre unhöflich.
Bei einer größeren Gesellschaft in einem Lager oder einer Ansiedlung kommt es aber auch vor, daß ein zufällig Vorbeikommender ein Gläschen mittrinkt und dann weitergeht. In abgelegenen Gegenden wird das Zere- moniell im allgemeinen streng beachtet: So konnte ich z.B.in Bir Gandus 1975 meine Verhaftung und Abführung durch Angehörige der Befreiungsbewegung rund eine Stunde hinauszögern, weil ich das dritte Glas noch nicht getrunken hatte und auch der Zeltfriede und das Gast- bzw. Gastgeberrecht gewahrt werden mußten .


Üblicherweise wird zur Teezeremonie" - ihr kommt in der Tat eine schon fast rituelle Bedeutung zu - folgendes Zube- hör verwendet:

a) Eine Teekanne, bei den Mauren zu-
Tee und Zucker noch in getrennten, meistverziertenDosen aufbewahrt.
Die Rolle der Teezubereitung fällt ent- weder dem Zeltherrn oder, ehrenhalber, seinem angekommenen Gast zu. Dieser stellt die Gläschen auf dem Tablett im Kreise auf, füllt eines davon mit den ge- rollten grünen Teeblättern, schüttet den Inhalt in die Teekanne und übergießt das Ganze mit ein wenig sprudelnd kochen- dem Wasser.Nach einigen Sekunden wird dieses Wasser weggegossen, der zumeist staubige Tee ist gewaschen, die Blätter
sind angequollen.
Anschließend schenkt der Teekoch die Kanne voll, läßt den Tee etwa eine Minute ziehen, gießt ein Glas voll, das beiseitege- stellt wird und gibt ein etwa halbfaustgro- ßes Stück Zucker in die Teekanne sowie einige Zweige grüner Minze. Dann wird der Tee in ein oder zwei Gläschen einge- gossen, in die Kanne zurückgeleert, aber so, daß der beim Eingießen aus großer Höhe entstandene Schaum im Glas zu- rückbleibt;je mehr Schaum auf dem Tee schwimmt, desto besser" ist er. Nach mehrfachem Umschenken, Überprüfen der Farbe, des Geschmacks, Nachsüßen, wei- terer Zugabe von Minze, wird das Pro- dukt endlich für gut befunden und reihum in die Gläschen etwa halbhoch verteilt, die dann den einzelnen Personen gemäß ihrer Bedeutung gereicht werden, Gästen zuerst.
Unter lautem Schlürfen werden die Gläschen geleert, eine Trinkmethode, die den Halsraum viel besser befeuchtet als das einfache Hinunterkippen. Sind die
meist eine aus Marokko importierte Zinnkanne, bei den Twareg vielfach
eine mehr runde, emaillierte Kanne;

b) ein Satz Gläser, meist dickwandige, in
Frankreich hergestellte;

c) ein Wasserkessel, evtl.mit dazugehöri-
gem Herd ;

Teegläser ausgetrunken, rollen sie die Teilnehmer dieser Trinkrunde über den BodenaufsTablettzu,wo sieinEmpfang genommen und wieder im Kreis aufgestellt werden zum erneuten Ausschank. Die zweite Runde läuft im Prinzip genauso abwiedieerste,nurwirddasvorherre- servierte Glas Tee-Extrakt zuerst in die Kan- ne gegossen und diese dann mit kochen- dem Wasser aufgefüllt.Zur dritten Runde kocht der Tee", jetzt nur noch leicht gefärbtes Zuckerwasser mit bitterem Bei- geschmack, lange in der Teekanne direkt aufderglühenden Holzkohle.
mer in Gazellenform gebräuchlich, bei den Twareg auch Hämmer, die axtähnlich ge- formt sind.
Neben diesen traditionellen Hämmern, dievon denLokalhandwerkern angefertigt werden, fanden aber auch alle möglichen hammerähnlichenObjekteihrenWegin dieZelte:Ein immer wiedervielbestaunter Gegenstand war das über 20 cm lange und
Selten sind die Menschen so wohlha- bend, für jede Teerunde einen frischen Aufguß zu machen, und ebenso selten sind die Kannen so groß oder ist die Zahl der Teilnehmer so klein, daß man aus einer vollen Kanne drei Runden Gläschen voll- schenken könnte. - Teeduft und Essens- duft reichen weit und gelangen fast immer in einige Nasen, selbst in der Abgeschie- denheit" der Wüste, so daß sich fast im- mer weitere Gäste einfinden.
Zuckerzangen, mit denen die Zucker- hüte ebenfalls zerkleinert werden können, kommen zwar bei beiden Volksgruppen, Mauren und Twareg, vor, sind aber wenig gebräuchlich .
Der grüne Tee wurde erst zur Mitte des letzten Jahrhunderts in der' Sahara einge- führt, ist aber schon kurz darauf bei den Mauren und bei den Twareg ein unver- zichtbares Genußmittel geworden .
gelangten(MONOD, 1955, S.71f.). Heute werden Teekannen dieses Typs immer noch aus Marokko importiert:Die
am Kopf 4 cm durchmessende Ventil aus dem Motor eines 1io-t-Lkw aus den Erz- minen von Zouerate, der Zuckerhammer meines Freundes Mohammed, den er auf jede Reise mitnahm .
gemusterten hochglänzenden Kannen, oft mit Füßchen, werden mehr im Norden der Westsahara bevorzugt, die Zinnkannen im Süden. Letztere werden von den Lokal- handwerkern meistens modifiziert - Dek- kelknopf und Griff werden entfernt und in Sandwichtechnik" neu gestaltet,dieGriff- ansätze werden aus mehreren Kupfer- und Messingblechen in Röhrenform gefertigt, der Ausguß erhält eine aufgelötete Pla- kette, Wände und Deckel der Kanne oft eingeschmolzene Ornamente, seit den UmdieseZuckerhüteinkleine,kannen- 7oer-JahrenmeistdasStaatswappenvon
Tee und Zucker sind Handelsobjekte und fast die einzigen Verbrauchsgüter, für die ein Nomadenhaushalt Bargeld benö- tigt und ausgeben muß;Zucker wird in jedem noch so kleinen magasin", dem Universalladen der Ansiedlungen, in 2 kg schweren Hüten, eingepackt in Papier und verschnürt, verkauft, Tee in Päckchen oder Papiersäckchen.
gerechte Stücke zu zerlegen, fehlt in kei- nem Haushalt der Zuckerhammer, oft in prachtvoll ornamentierter Ausfertigung. Die übliche Form hat einen rechteckigen Kopf;bei den Regibat sind daneben Häm-
Mauretanien, Halbmond und Stern. Der andere Kannentyp, gedrungene bau- chige Emailkannen, war früher meist Im- port aus der Tschechoslowakei, wird heute
Die Form der traditionellen maurischen Teekanne geht auf englische Vorbilder des 17.-18.Jhs.zurück, die wohl zuerst nach
Marokko und dann über die Handelswege nach Timbuktu auch in die Westsahara
aber auch im Maghreb hergestellt und findet sich mehr bei den Twareg als bei den Mauren verbreitet.
Teetabletts werden immer aus dem Norden in die Sahara verhandelt, herge- stellt in den gut ausgerüsteten Werkstätten der großen Städte. Dasselbe gilt prinzi- piell auch für Tee- und Zuckerdosen, ob- wohl diese in den letzten Jahrzehnten auch vielfach durch bemalte und verzierte Keksbüchsen u.ä.europäischer Fertigung ersetzt wurden .
 
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Zuckerhammer einer reichen Familie. Mauretanien (Ittv.Nr :A 33 9571- 1= 27,5cm).DerHammerwurdeam Stiel mit einer Inschrift versehen .
 
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Teeservice einer wohlhabenden Regibat- Familie: (hinten) gehäkelte Abdeckhaube, Herd mit kupfernem Wasserkessel; (vorne) Teetablett mit Gläsern, Parfüm- spritzflaschen, Zuckerhämmer, Teetisch mit Kannen und Zuckerdose;Sahara Espanol (Slg.Notvak)

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Einfaches Teeservice:Kupfertablett, Zuckerhammer, Glas, marokkanische Teekanne und maurische Variante (rechts), lederüberzogener Korb für Gläser;Südmauretanien (Slg.Massar)

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Teetablett der Truareg mit Kannen, Gläsern, Minze, Zuckerstücken.In einer Kanne (wie links) werden etwa 2 Zucker- brocken (unten Mitte) aufgelöst.Algerien
 
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