Ali Agca: Die Waffe kam aus Österreich
"Auftrag aus dem Vatikan erhalten".
Papstattentäter Mehmet Ali Agca hat die bei den Schüssen auf Johannes Paul II. verwendete Schusswaffe nach eigenen Worten aus Österreich beschafft. "Mit eigenen Mitteln" habe er sich diese aus Österreich besorgt, sagte Agca am Dienstagabend.
In dem Gespräch im staatlichen türkischen Fernsehsender TRT, dem ersten ausführlichen Interview seit seiner Haftentlassung im Jänner, machte Agca den Vatikan für das Attentat auf Johannes Paul im Jahr 1981 verantwortlich.
Agca sagte, er habe sich die Tatwaffe zunächst in Italien beschaffen wollen. "Aber sie haben gesagt, nein, kauf sie irgendwo anders, in Belgien oder wo du willst. Ich bin also gegangen und habe mir aus Österreich die Waffe besorgt." Einzelheiten nannte der Papstattentäter nicht.
Nicht auf Kopf, sondern Bauch
Er habe den Auftrag für die Schüsse auf den Papst vom Vatikan erhalten, Drahtzieher sei der damalige Kardinal-Staatssekretär Agostino Caseroli gewesen, sagte Agca weiter. Ziel des Vatikan sei es gewesen, die Tat osteuropäischen Geheimdiensten in die Schuhe zu schieben, um so den Kommunismus zu schwächen. Deshalb habe sein Auftrag gelautet, nicht auf Kopf oder Herz des Papstes zu zielen, sondern auf den Bauch. Johannes Paul war durch das Attentat schwer verletzt worden, überlebte aber. Agca sagte, er habe 40.000 bis 50.000 Dollar für die Tat erhalten.
Agca saß nach den Schüssen 19 Jahre lang in Italien in Haft und wurde im Jahr 2000 in die Türkei abgeschoben, wo er bis Anfang des Jahres eine Strafe wegen der Ermordung des Journalisten Abdi Ipekci absaß. In den vergangenen Jahren hatte er immer wieder mit teils abenteuerlichen Aussagen zum Papstattentat von sich reden gemacht.
Ali Agca: Die Waffe kam aus Österreich