Geschichte
→ Hauptartikel: Geschichte des Kosovo
Das Gebiet des späteren Kosovo war in der Antike von den Illyrern besiedelt (das an einem Seitenzweig der Via Egnatia gelegene römische Theranda, das heutige Prizren, war ursprünglich eine illyrische Siedlung). Die Illyrer im Kosovo standen auch in direkter Nachbarschaft mit den Thrakern. Nach der Zerschlagung des von Königin Teuta regierten Illyrischen Reichs der Labeaten im ersten Illyrischen Krieg 229/228 v. Chr. kam die Region unter römische Herrschaft. Erst nach weiteren Jahrzehnten militärischer Auseinandersetzungen zwischen Römern und Illyrern wurde das Gebiet 168 v. Chr. ein Protektorat des Römischen Reiches. Seit 59 v. Chr als Illyrische Provinz bezeichnet, wird diese erst nach den Kriegen Octavians in Illyrien 35 bis 33 v. Chr. offiziell zur Römischen Provinz. Nach weiteren Eroberungen der Römer und der Einrichtung der Provinz Moesia verblieb das spätere Metochien bei Illyricum, während das Amselfeld Moesia superior zugeschlagen wurde. Neben Theranda war das bei Priština gelegene Ulpiana die wichtigste römische Siedlung im Gebiet des Kosovo. Nach der Reichsteilung unter Theodosius I. geriet die Region schließlich unter byzantinische Herrschaft.
Mauern von Ulpiana
Mit der Völkerwanderung der Awaren und der Plünderung und Einnahme der wichtigsten byzantinischen Städte in Mösien und Illyrien (Balkanfeldzüge des Maurikios) siedeln sich in deren Gefolge im 6. Jahrhundert Slawen an. Der nachfolgenden Zugehörigkeit zum Großbulgarischem Reich wird die Region erst wieder unter Basileios II. 1018 von den Byzantinern zurückerobert. Die byzantinische Herrschaft dauert danach 200 Jahre an und wird mit der Schlacht bei Sirmium unter Manuel I. Komnenos auch gegenüber Ungarn gefestigt. Die Einbindung des serbischen Großžupans Stefan Nemanja als byzantinischem Vasall und der von Ostrom erfolgten Missionierung und kulturellen Prägung des serbischen Hofes folgt die Bildung des ersten serbischen Reichs auch auf ehemals byzantinischen Gebieten im Kosovo und Mazedonien. Mit Anerkennung der Autonomie durch das Byzantinische Reich nach den katastrophalen Ereignissen des Vierten Kreuzzuges und der resultierenden Vormachtstellung der Nemanjiden im Hochmittelalter auf dem Balkan, dehnen die Serben ihr Imperium (Raszien) zeitweilig bis nach Griechenland und Albanien aus. Mit der Niederlage des serbischen Königreichs in der Schlacht an der Maritza 1371 dringen die Türken endgültig in den Balkanraum ein. Das serbische Herrschaftszentrum im 14. Jahrhundert im Kosovo gelegen, ist 1389 Schauplatz der Schlacht auf dem Amselfeld. Die serbisch-bosnische-albanische Allianz unter Lazar Hrebeljanović wird von den Osmanen geschlagen und die Gegen Ende des 14. Jahrhunderts begonnene Eroberung des heutigen Serbiens sowie Bosnien und Herzegowinas kann im Jahr 1459/1461 unter Mehmet II. vollendet werden. Serbien und Bosnien werden für die folgenden vier Jahrhunderte zu Provinzen des Osmanischen Reiches. Der Mythos der Kosovo-Schlacht begründete die emotionale Bindung der Serben an die heute mehrheitlich von Albanern bewohnte Region. Die unter türkischer Herrschaft islamisierten Albaner rückten in das nach dem Großen Exodus von 1690 verlassene fruchtbare Kosovo-Gebiet nach.
Nach dem Ersten Balkankrieg wurde Kosovo 1912 größtenteils Serbien, die Gegend um Peć Montenegro zugeschlagen. In der Zeit zwischen den Weltkriegen gehörte er zum ersten jugoslawischen Staat, nach dem Zweiten Weltkrieg zum kommunistischen Jugoslawien als Teil Serbiens. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebiet Albanien zugeschlagen, das zu dieser Zeit ein italienischer Vasallenstaat war. 1963 wurde aus dem zuvor autonomen Gebiet eine autonome Provinz innerhalb Serbiens. Mit der Änderung der jugoslawischen Verfassung 1974 wurden die zuvor schon bestehenden Autonomierechte erheblich erweitert.
Die Autonomie wurde 1989 im Rahmen der sogenannten Antibürokratischen Revolution auf Betreiben von Slobodan Milošević durch einen Beschluss des serbischen Parlaments aufgehoben. Schon während der Jugoslawienkriege flohen auch viele Kosovaren, obwohl es im Kosovo selbst nicht zu Kriegshandlungen gekommen war. Die Kosovo-Albaner baten in verschiedenen europäischen Ländern um Asyl, weil ihre Menschen- und Bürgerrechte missachtet wurden. Es gab seit 1989 kein albanischsprachiges Schulwesen mehr, Albaner wurden willkürlich enteignet, ihre Vereine und politischen Parteien waren verboten. Die meisten im Staatsdienst beschäftigten Albaner wurden nach 1989 aufgrund ihrer Volkszugehörigkeit entlassen.
Ibrahim Rugova, Gründer der LDK
Nachdem die internationale Gemeinschaft die Rückerlangung der Autonomie des Kosovo aus der Friedenskonferenz von Dayton im Jahr 1995 ausgeklammert hatte, verschärften sich die Konflikte zwischen den Volksgruppen weiter und mündeten schließlich in der Forderung nach staatlicher Souveränität. Sezessionistische Gruppen, darunter die Kosovarische Befreiungsliga LDK, errichteten mit der „Republik Kosova“ einen Schattenstaat, dessen Parallelinstitutionen unter anderem Schulbildung und medikamentöse Versorgung der Albaner sicherstellen sollten. Der anfangs gewaltfreie Widerstand ging ab etwa 1996 unter Führung der UÇK in kämpferische Auseinandersetzungen zwischen albanischen Freischärlern und den serbischen Streitkräften über. Bis zum Jahr 1999 vervielfachten sich die Zahlen albanischer Flüchtlinge aus dem jugoslawischen Staatsgebiet [12], besonders in Richtung der Nachbarländer Albanien und Mazedonien sowie in die Europäische Union und die Schweiz [13].
Mit der Begründung, eine humanitäre Katastrophe abwenden zu wollen, begann die NATO nach dem Scheitern der Verhandlungen von Rambouillet am 24. März 1999 mit der Bombardierung strategischer Ziele in Jugoslawien. Als Ergebnis des Kosovokrieges wurde das Land von den internationalen Truppen besetzt und ein UN-Protektorat errichtet. Während des Krieges waren die Flüchtlingszahlen noch einmal sprunghaft angestiegen, anschließend aber abgeebbt und viele Kosovaren kehrten in ihre Heimat zurück. Die Region wurde militärisch befriedet.
Jedoch kam es im März 2004 zu konzertierten Gewalttätigkeiten überwiegend gegen Serben und ihre religiösen Stätten, aber auch gegen Roma und Aschkali; etwa 5.000 Personen nahmen an diesen Gewalttätigkeiten teil, bei denen 19 Menschen getötet, knapp 1.000 verletzt und rund 4.100 vertrieben wurden.[14] Die NATO verstärkte daraufhin ihre Präsenz.
Weitere Ausschreitungen ereigneten sich in den Wochen nach der Ausrufung der Republik – diesmal allerdings im mehrheitlich von Serben bewohnten Norden des Landes Die Gewalt konnte erst durch ein Eingreifen der KFOR-Truppen beendet werden. [15]
Seit Beginn der UNMIK stand der zukünftige politische Status des Kosovo regelmäßig auf der internationalen Tagesordnung. Auch nach dem Scheitern des Versuchs, mit Serbien zu einer einvernehmlichen Lösung zu gelangen, und der darauf folgenden einseitigen Unabhängigkeitserklärung des kosovarischen Parlaments, ist das Thema noch immer nicht vollständig geklärt.