Wenn die Flüsse die Kühlung verweigern und die AfD die Realität verweigert
In Waddinxveen, 20 km nordöstlich von Rotterdam, gehen in diesem Sommer 140 Freiwillige über Deiche, die kein Wasser mehr kennen. Sie stoßen Metallstäbe in einen Boden, der hart geworden ist, und suchen nach grünen Flecken im Gras, hinter denen sich ein Leck verbergen könnte. Rund 100 Kilometer Deichstrecke laufen sie so ab, in einem Land, dessen Ruf seit Jahrhunderten darauf beruht, dem Meer Grenzen zu setzen. Was früher das Hochwasser ankündigte, meldet sich jetzt in der Dürre. Viele Deiche im Landesinneren bestehen aus Torf, der feucht bleiben muss, um fest zu bleiben. Trocknet er aus, schrumpft er und wird durchlässig. Heikel ist das dort, wo der Boden 5 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Größere Schäden fanden sich bislang nicht, doch die Kontrollen sollen bis in den Herbst laufen, weil Risse sich oft erst spät zeigen.
Das Land kämpft damit gegen die eigene Geschichte. Im Winter muss es das Wasser so schnell wie möglich loswerden, damit nichts überschwemmt wird, im Sommer fehlt genau dieses Wasser in den Feldern und Kanälen. Forscher überlegen, wie sich Regen langsamer ableiten und Böden so behandeln lassen, dass sie mehr Feuchtigkeit halten. Schon Hecken an den Ufern könnten das Wasser bremsen und ihm Zeit geben, tiefer einzusickern. Während an den Deichen nach feinen Rissen gesucht wird, wartet auf dem Rhein das größere Problem.
In Köln fiel der Pegel am Samstag unter den Tiefstand vom Oktober 2018. Menschen spazieren inzwischen über Teile des trockenen Flussbetts, während die Frachter nur noch einen Bruchteil ihrer Ladung tragen dürfen. Ein Schiff, das sonst 2.000 bis 2.500 Tonnen bewegt, kommt je nach Bauart nur noch mit 400 bis 600 Tonnen über Grund. Für dieselbe Menge braucht es mehrere Schiffe, umgeplante Lieferungen und zusätzliche Fahrten auf Straße und Schiene. Hafenbetreiber sprechen von verheerenden Folgen für die Lieferkette, und der Rhein zählt zu den wichtigsten Adern für Rohstoffe, Chemikalien, Treibstoffe und Industriegüter des Kontinents. Wenn die Ladung so weit schrumpft, steigen die Kosten sofort. In Nijmegen liegen ein verrostetes Fahrrad und ein Einkaufswagen offen auf dem Grund der Waal, des wichtigsten niederländischen Rheinarms. Hausboote, die früher frei schwammen, sitzen auf Sand. Anwohner erzählen, das Niedrigwasser habe früher vielleicht einen Monat gedauert, heute überstehe es ganze Sommer.
Für die Landwirtschaft kommt ein weiteres Problem dazu. In den trockenen westlichen Landesteilen drückt salzhaltiges Wasser tiefer in Böden und Kanäle. Obst- und Gemüsebauern dürfen in manchen Regionen kein Wasser mehr aus den Kanälen pumpen, weil die Behörden die letzten Süßwasservorräte sichern müssen. Kleinere Ernten und höhere Preise sind damit keine Sorge für später mehr, sie werden wahrscheinlicher, je länger der Regen ausbleibt. So trifft die Dürre zur selben Zeit die Deiche, die Schifffahrt, die Landwirtschaft und die bewohnten Gebiete.
kaizen-blog.org
In Waddinxveen, 20 km nordöstlich von Rotterdam, gehen in diesem Sommer 140 Freiwillige über Deiche, die kein Wasser mehr kennen. Sie stoßen Metallstäbe in einen Boden, der hart geworden ist, und suchen nach grünen Flecken im Gras, hinter denen sich ein Leck verbergen könnte. Rund 100 Kilometer Deichstrecke laufen sie so ab, in einem Land, dessen Ruf seit Jahrhunderten darauf beruht, dem Meer Grenzen zu setzen. Was früher das Hochwasser ankündigte, meldet sich jetzt in der Dürre. Viele Deiche im Landesinneren bestehen aus Torf, der feucht bleiben muss, um fest zu bleiben. Trocknet er aus, schrumpft er und wird durchlässig. Heikel ist das dort, wo der Boden 5 Meter unter dem Meeresspiegel liegt. Größere Schäden fanden sich bislang nicht, doch die Kontrollen sollen bis in den Herbst laufen, weil Risse sich oft erst spät zeigen.
Das Land kämpft damit gegen die eigene Geschichte. Im Winter muss es das Wasser so schnell wie möglich loswerden, damit nichts überschwemmt wird, im Sommer fehlt genau dieses Wasser in den Feldern und Kanälen. Forscher überlegen, wie sich Regen langsamer ableiten und Böden so behandeln lassen, dass sie mehr Feuchtigkeit halten. Schon Hecken an den Ufern könnten das Wasser bremsen und ihm Zeit geben, tiefer einzusickern. Während an den Deichen nach feinen Rissen gesucht wird, wartet auf dem Rhein das größere Problem.
In Köln fiel der Pegel am Samstag unter den Tiefstand vom Oktober 2018. Menschen spazieren inzwischen über Teile des trockenen Flussbetts, während die Frachter nur noch einen Bruchteil ihrer Ladung tragen dürfen. Ein Schiff, das sonst 2.000 bis 2.500 Tonnen bewegt, kommt je nach Bauart nur noch mit 400 bis 600 Tonnen über Grund. Für dieselbe Menge braucht es mehrere Schiffe, umgeplante Lieferungen und zusätzliche Fahrten auf Straße und Schiene. Hafenbetreiber sprechen von verheerenden Folgen für die Lieferkette, und der Rhein zählt zu den wichtigsten Adern für Rohstoffe, Chemikalien, Treibstoffe und Industriegüter des Kontinents. Wenn die Ladung so weit schrumpft, steigen die Kosten sofort. In Nijmegen liegen ein verrostetes Fahrrad und ein Einkaufswagen offen auf dem Grund der Waal, des wichtigsten niederländischen Rheinarms. Hausboote, die früher frei schwammen, sitzen auf Sand. Anwohner erzählen, das Niedrigwasser habe früher vielleicht einen Monat gedauert, heute überstehe es ganze Sommer.
Für die Landwirtschaft kommt ein weiteres Problem dazu. In den trockenen westlichen Landesteilen drückt salzhaltiges Wasser tiefer in Böden und Kanäle. Obst- und Gemüsebauern dürfen in manchen Regionen kein Wasser mehr aus den Kanälen pumpen, weil die Behörden die letzten Süßwasservorräte sichern müssen. Kleinere Ernten und höhere Preise sind damit keine Sorge für später mehr, sie werden wahrscheinlicher, je länger der Regen ausbleibt. So trifft die Dürre zur selben Zeit die Deiche, die Schifffahrt, die Landwirtschaft und die bewohnten Gebiete.
Wenn die Flüsse die Kühlung verweigern und die AfD die Realität verweigert
In Waddinxveen, 20 km nordöstlich von Rotterdam, gehen in diesem Sommer 140 Freiwillige über Deiche, die kein Wasser mehr kennen. Sie stoßen Metallstäbe in einen Boden, der hart geworden ist, und suchen nach grünen Flecken im Gras, hinter denen sich ein Leck verbergen könnte. Rund 100 Kilometer...