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Nachrichten aus Indien

Indien baut strategische Inselfestung gegen China aus und bedroht dabei eines der letzten unkontaktierten Völker
An einer der weltweit wichtigsten Schifffahrtsrouten will Indien einen modernen Hafen, Militäranlagen und eine ganze neue Stadt schaffen. Das ehrgeizige Projekt auf Groß Nikobar soll Pekings Macht im Indischen Ozean eindämmen – doch für indigene Gemeinschaften und die Natur könnte dies erhebliche Folgen haben.

Geografisch gesehen liegt Groß Nikobar näher am indonesischen Archipel als an Indien selbst. Der größte Teil der 910 Quadratkilometer großen Insel – etwa 95 Prozent – ist mit dichtem Regenwald bewachsen. Nach Einschätzung der Unesco leben hier zahlreiche Arten, die es nur dort gibt. Außerdem dient sie der Lederschildkröte, der größten Meeresschildkröte weltweit, als bedeutender Nistplatz.

 
Gewaltwelle in Indien nach Mord an Elfjähriger
Nach der Vergewaltigung und Ermordung eines elfjährigen Mädchens im Osten Indiens hat die Polizei nach gewaltsamen Protesten Dutzende Menschen festgenommen. Bei den Ausschreitungen sei eine unschuldige Person von einer aufgebrachten Menge gelyncht worden, teilte die Polizei gestern mit.

Bisher seien 35 Personen wegen Gewalt und Vandalismus festgenommen worden, sagte ein hochrangiger Polizeibeamter. Zuvor hatte die Polizei vier Männer wegen der Tat festgenommen.

Einer der Verdächtigen wurde nach Polizeiangaben am Mittwoch bei einem Fluchtversuch erschossen. Die Mutter des Getöteten weigerte sich, die Leiche anzunehmen. „Für die Sünde, die mein Sohn begangen hat, hat er seine Strafe erhalten“, sagte sie in einem Fernsehinterview.

 
Tote bei Massenpanik in Hindu-Tempel in Indien
Bei einer Massenpanik in einem hinduistischen Tempel in Indien sind mindestens sieben Menschen ums Leben gekommen. 19 weitere Personen wurden nach Behördenangaben von heute mit Verletzungen ins Krankenhaus gebracht.

Der Vorfall ereignete sich im Ashok-Dham-Tempel im Bezirk Lakhisarai des ostindischen Bundesstaats Biha, wo sich eine große Menschenmenge versammelt hatte, um der Hindu-Gottheit Shiva zu huldigen. Die Massenpanik wurde laut den Angaben durch Gerüchte ausgelöst, wonach ein Strommast auf Gläubige gestürzt sei.

2024 waren 120 Menschen in Uttar Pradesh bei einer Massenpanik während einer Predigt mit Tausenden Teilnehmenden ums Leben gekommen. Im November starben neun Menschen bei einer Massenpanik in einem Tempel im südlichen Bundesstaat Andhra Pradesh.

 
Warum Modi bei Xis Icebreaker-Besuch in Delhi misstrauisch bleibt
Sieben lange Jahre reiste Chinas Staatschef nicht nach Indien. Die Beziehungen zwischen den zwei Ländern waren schwer angeschlagen. Doch Delhi muss pragmatisch bleiben

Der Ärger in Indien sitzt bis heute tief. Im Sommer 2020 kam es entlang der umstrittenen Grenze mit China im Nordwesten zu tödlichen Zusammenstößen, mindestens 20 indische Soldaten starben dabei in den luftigen Höhen des Himalaja. Wie viele Opfer es auf chinesischer Seite gibt, ist bis heute unbekannt. Klar ist, dass damals ein offener Kriegsausbruch nur noch knapp abgewendet werden konnte. Panzer beider Länder sind sich im Grenzgebiet in Ladakh bereits gegenübergestanden.

Indien war von den Ereignissen überrumpelt. Jahrzehntelang war es an der Grenze ruhig gewesen. Vereinzelt kam es vielleicht zu kleineren Zwischenfällen, aber insgesamt vertraute man in Delhi auf ein stillschweigendes Einverständnis darüber, dass die Grenze kein großes Thema sei. Nur wenige Monate zuvor war schließlich Staatschef Xi Jinping höchstpersönlich zu Gast in Indien. Im Süden, in Tamil Nadu, hat er gemeinsam mit dem indischen Gastgeber, Premierminister Narendra Modi, Kokoswasser getrunken. Gemeinsam beschwor man eine neue "Ära der Zusammenarbeit".

 
Indien: Wenn Kinder künftig per Gesetz für Eltern zahlen müssen
Im südindischen Bundesstaat Telangana können Eltern ihre Kinder auf Unterhalt verklagen - wenn sie vernachlässigt werden. Die stark sinkende Geburtenrate spielt da hinein.
Die Tochter und der Sohn sind schon vor Jahren zuhause ausgezogen. Sie in die nächste Stadt, er sogar in ein anderes Land. Dort gibt es für sie bessere Jobaussichten. Mama, Papa und Großeltern bleiben zurück. Was nach einer gewöhnlichen Familiengeschichte klingt, verweist in Indien auf einen größeren gesellschaftlichen Wandel. „Die Versorgung der Älteren liegt in Südasien viel näher an der Familie als hier in Europa, aber das verändert sich aktuell“, sagt Borayin Larios, Forscher am Südasien-Institut der Universität Wien. Das traditionelle System sieht sich gefährdet.

Erzwungene Unterstützung
„Indiens Familiensystem ist ein integraler Bestandteil unserer Tradition und wird weltweit mit großer Neugier betrachtet und respektiert“, sagt Indiens Premierminister Narendra Modi bei einer Rede im Radio Ende Jänner. Lange konnte sich für die Verpflegung älterer Menschen auf das besagte Familiensystem verlassen werden. Doch das Modell gerät zunehmend unter Druck, weswegen in dem südindischen Bundesstaat Telangana zu Rechtsmitteln gegriffen wird.

Im März beschloss das Parlament des Bundesstaates den „Telangana Employees Accountability and Monitoring of Parental Support Act“ - kurz: „TEAMS-Bill“. Der Gesetzesentwurf sieht im Kern vor, dass 15 Prozent des Gehalts oder 10.000 Rupie (ca. 92 Euro), je nachdem, welcher Wert weniger ist, von erwerbstätigen Kindern direkt auf das Bankkonto der Eltern überwiesen werden soll - und zwar dann, wenn sie sich nicht ausreichend um die Eltern kümmern.

 
„Kakerlaken“-Bewegung
Indische Polizei nahm Gründer fest
Im Vorfeld einer Großkundgebung in Neu-Delhi hat die indische Polizei den Gründer der als „Kakerlaken“ bekannten Protestbewegung festgenommen. Abhijeet Dipke sowie zwei weitere Anführer der Bewegung seien nach ihrer Landung am Samstag in Gewahrsam genommen worden, teilte die Gruppierung mit. Die Demonstration richtet sich gegen mutmaßliche Wahlmanipulation.

TV-Berichten zufolge hatte die Polizei Dipke zuvor auf dem Flughafen aufgefordert, die geplante Demonstration abzusagen. Als Grund wurde angeführt, dass die Behörden diese verboten hätten. Parallel ging die Polizei in der Hauptstadt mit einem Großaufgebot gegen potenzielle Protestteilnehmerinnen und -teilnehmer vor.

Um Versammlungen zu unterbinden, wurden U-Bahn-Stationen gesperrt, wichtige Straßen blockiert und das mobile Internet gekappt. Im Stadtzentrum seien rund 200 Demonstrierende festgenommen worden, hieß es in Polizeikreisen. Medienberichten zufolge wurde auch die in Indien bekannte Studierendenaktivistin Neha Bora von der Polizei in Gewahrsam genommen.

 
Indische Polizei nahm mehrere Anführer fest
In Indien hat die Polizei am Dienstag mehrere führende Vertreter der „Kakerlaken“-Partei (CJP) festgenommen. Sie hatten zuvor Absperrungen am historischen Observatorium Jantar Mantar in der Hauptstadt Neu-Delhi überwunden. Zu den etwa 20 Festgenommenen gehörten drei führende Mitstreiter, erklärte der Gründer der Bewegung, der jüngst selbst zwischenzeitlich festgenommene Abhijeet Dipke.

Der Ort, an dem sich Demonstrierende seit Jahrzehnten versammeln, war am Montag von der Polizei von der Liste der offiziell ausgewiesenen Protestorte gestrichen worden. Ein von CJP-Anführer Dipke in Onlinediensten veröffentlichtes Video zeigt Demonstrierende, die über Barrikaden am Jantar Mantar klettern und die Nationalflagge schwenken. Dann werden sie von der Polizei verfolgt und festgenommen.

„Die CJP schleicht sich hinein, um Jantar Mantar zurückzuerobern“, sagte die Protestbewegung dazu. Der Widerstand lasse sich nicht ignorieren, schrieb Dipke, der selbst erst am Wochenende vorübergehend festgenommen worden war, im Onlinedienst X. Die Polizei von Neu-Delhi reagierte nicht auf eine Anfrage nach einer Stellungnahme.

 
Babynahrung unter Verdacht: Indien verlangt Beweise von Nestlé, Abbott und Zydus
Indiens Lebensmittelaufsicht geht gegen Nestlé, Abbott und Zydus Wellness wegen fragwürdiger Werbeversprechen für Säuglingsnahrung und Kinderprodukte vor. Nestlé soll wissenschaftlich belegen, dass seine Produkte Lactogen Pro 1 und NAN Excella Pro Stage 1 tatsächlich die Verdauung und das Immunsystem fördern. Zydus muss erklären, weshalb das Kindergetränk Complan angeblich ein doppelt so schnelles Wachstum bewirke. Auch Abbott geriet wegen eines Werbevideos für Säuglingsmilchersatz ins Visier, bestreitet jedoch jede Beteiligung an dessen Inhalt. Nestlé erklärt, bereits ausführlich auf frühere Beanstandungen reagiert zu haben. Gleichzeitig plant Indien ein Verbot zugesetzter Zuckerarten in Nahrung für Säuglinge bis zu 6 Monaten. Die Behörden erhöhen damit den Druck auf eine Lebensmittelindustrie mit einem Marktvolumen von mehr als 100 Milliarden Dollar, deren Gesundheitsversprechen zunehmend auf ihren wissenschaftlichen Wahrheitsgehalt geprüft werden.
 
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