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Nachrichten aus Montenegro

Bizarre Rechnung für Entschädigungszahlungen

In seiner Rede brachte er zudem einen bizarren Vorschlag ein, wie die 2,7 Milliarden Euro aufgetrieben werden könnten, die Kroatien von Montenegro als Entschädigung für Militäreigentum aus der Erbmasse des ehemaligen Jugoslawiens (SFRJ) fordert. Diesen Betrag hatte der kroatische Außenminister Gordan Grlić-Radman in der vergangenen Woche genannt.
„Ich habe ausgerechnet, wie wir das zurückzahlen können. In Montenegro leben 520.000 Menschen. Eine Niere bringt auf dem Schwarzmarkt 50.000 Euro. Wenn 520.000 Menschen jeweils eine Niere verkaufen, sind das 2,6 Milliarden Euro, und uns bleiben noch 100 Millionen übrig. Wenn uns die Mafia-Clans der Kavčani und Škaljarci dann noch jeweils 50 Millionen leihen, können wir mit den Kroaten abrechnen. Und dann treten wir als Ein-Nieren-Besitzer der Europäischen Union bei, die gesamte Bevölkerung. Da wir schon vor langer Zeit einige Körperteile verloren haben, für die wir bekannt waren, und ohnehin ohne sie nach Brüssel gehen, ist jetzt eben noch geblieben, dass wir unsere Nieren verkaufen, um die Kroaten zu bezahlen. Es gibt keine andere Möglichkeit“, spottete Knežević.

„Das ist die Kapitulation Montenegros“

Knežević setzte seine Vorwürfe gegen die montenegrinische Regierung und die kroatische Politik fort.
„Wir haben ihnen die ‚Jadran‘ gegeben, wir zahlen 17 Millionen für etwas, das nicht passiert ist, wir akzeptieren eine Entschädigung von 2,7 Milliarden Euro, wir ändern den Namen des Schwimmbads, wir geben ihnen Prevlaka, wir geben Eigentum in der Bucht von Kotor zurück – und all das im Geiste gutnachbarschaftlicher Beziehungen. Was ist das für ein Geist gutnachbarschaftlicher Beziehungen, in dem sie uns ständig mit der Hippe schlagen und wir nur die eine und die andere Wange hinhalten? Sie haben uns das Ohr abgeschnitten, die Nase, die Beine. Und was am schlimmsten ist: Sie haben uns kastriert. Wir gehen nach Brüssel, in die Europäische Union. Wo sind jetzt die Helden, die Krsto Zrnov Popović und all die Helden der Vergangenheit verherrlichen, um ihre Stimme gegen das zu erheben, was wir tun, und gegen die Kapitulation, die wir gegenüber Kroatien akzeptieren? Sind das die Brüsseler Bedingungen? Sind das europäische Bedingungen?“, fragte Knežević.
Er bezog sich im Folgenden auf den historischen Kontext der Jugoslawienkriege:
„Kroatien hat diese acht Bedingungen an alle EU-Mitgliedstaaten geschickt. Sie machen sich auch noch lustig über uns: Wir lieben euch, aber wir lassen euch nicht in die EU, bis ihr euch nicht von Großserbien und der großserbischen Hegemonie lossagt und akzeptiert, dass ihr an allem schuld seid, was auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens passiert ist. Wer hat die Leute aus Nikšić und ganz Montenegro damals an die Front nach Dubrovnik gerufen? Habe ich sie gerufen, oder hat das Milo Đukanović und die damalige jugoslawische Führung getan? Wer hat die Menschen im Militärgefängnis Lora umgebracht? Wer hat die Soldaten in Vukovar und in Slowenien getötet? Und jetzt soll Montenegro als einziges für alles bezahlen, nur weil Grlić-Radman und Andrej Plenković sich geeinigt haben, aus unserem Staat eine rote Filiale zu machen, die alles abnickt.“

„Möge Gott geben, dass man euch auf die ‚Jadran‘ bringt und in die Luft sprengt“

Besonders scharf kritisierte er die Entscheidung der lokalen Behörden, den Namen des Hallenbads in Kotor (benannt nach dem ehemaligen Wasserballspieler Zoran „Džimi“ Gopčević, dem Kroatien Kriegsverbrechen im Lager Morinj vorwirft) zu ändern.

 
Man muss Knetevic einfach für seinen unerschöpflichen Erfindergeist bewundern. Die gesamte montenegrinische Bevölkerung im Namen des EU-Beitritts zu einer Nation von "Ein-Nieren-Besitzern“ machen zu wollen, ist zweifellos der absurdeste wirtschaftspolitische Rettungsplan des Jahrhunderts.
Während Kroatien auf höchstem diplomatischem Niveau (sarkastisch gemeint) die Kunst der politischen Erpressung im Endspurt der Verhandlungen zelebriert, antwortet Knezevic darauf im gewohnt charmanten Vorkriegston und wünscht den eigenen Kollegen mal eben den plötzlichen Explosionstod auf dem umstrittenen Schulschiff, Diego ist doch öfters in Montenegro :mrgreen: .
Es ist ein faszinierendes Schauspiel, bei dem man sich kaum entscheiden kann, was unerträglicher ist, die kroatische Masche, uralte Rechnungen als europäische Prinzipien zu verkaufen, oder ein populistischer, wenn nicht gar faschistischer Hitzkopf, der beim Gedanken an Zagreb sofort den totalen Aufstand probt und Schaum vor dem Mund bekommt.
Am Ende beweisen beide Seiten nur eines, auf dem Balkan wird die Nachbarschaftshilfe eben immer noch am liebsten mit der verbalen Brechstange erledigt.
Vielleicht sollte man auch wissen, Knezevic ist ein absoluter Fan vom Völkermörder Mladic. Auf der einen Seite wirft er der kroatischen Regierung vor, eine "pro-ustascha rechtsgerichtete Gruppierung“ zu sein, während er auf der anderen Seite zeitgleich im montenegrinischen Parlament den Schlächter von Bosnien als Nationalhelden feiert. Ein klassisches Beispiel für den toxischen Nationalismus in der Region, welchen sich auch Diego geholt hat, bei dem die eigenen Kriegsverbrecher und Massenmörder zu Heiligen verklärt werden, während man auf die Verbrechen der Nachbarn zeigt.
 
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