Es ist wirklich herzergreifend zu sehen, mit welch tiefer, journalistischer Ehrfurcht die serbischen Regimemedien ein Stück Plastikplane im Abwasserkanal betrauern, als wäre es das schandhafte Ende eines heiligen Reliquars. Dass ein Transparent des rechtskräftig verurteilten Völkermörders Ratko Mladic, dem Schlächter von Bosnien, genau dort landet, wo es ideologisch und hygienisch hingehört, wird zum nationalen Notstand hochstilisiert, während der Präsident des Landes, Möchtegerngenozidler Aleksandar, dazu das ohrenbetäubendste Schweigen des Jahrhunderts zelebriert. Warum sollte er auch einschreiten oder gar den mörderischen Nationalismus verurteilen, wenn man die Mladic-Folklore im eigenen Wahlkampf so wunderbar gebrauchen kann, um die radikale Wählerschaft bei Laune zu halten und ja selber sich als Fan dieses Völkermörders geoutet hat?
Es ist die perfekte Arbeitsteilung der Macht, die Regimepresse vergießt mediale Krokodilstränen über den "Vandalismus“ in der Kanalisation, die Justiz ermittelt im Nachbarland Montenegro wegen Volksverhetzung, und Vucic, als Möchtegerngenozidler und Mladic-Fan, lächelt "staatsmännisch" in die Kameras, während im Hintergrund das nächste Kriegsverbrecher-Plakat hochgezogen wird. Da kann man vor Bewunderung über so viel moralische Flexibilität eigentlich nur noch, ganz im Sinne des Journalismus vor Ort, laut schluchzen.