472 Youtuber, 531 Millionen Abonnenten und eine Drohnenfabrik, die sich Bildung nennt
Das Bildungszentrum Alabuga Polytechnikum liegt in der Sonderwirtschaftszone Alabuga in Tatarstan, Russland. Was nach Zukunft klingt, ist seit 2024 dokumentiert als Produktionsstätte für Schahed-Kampfdrohnen, zusammengebaut unter anderem von minderjährigen Studenten und ausländischen Praktikanten aus Kasachstan. In einem der Werbevideos, die das Polytechnikum selbst produziert hat, erklärt eine 16-jährige Erstsemesterstudentin, dass sie im nächsten Jahr mit der Drohnenmontage Geld verdienen werde – und dass ihre Eltern stolz auf sie seien. Ein anderer Student berichtet, bereits 150.000 Rubel monatlich zu verdienen. Sein Vater habe ihn daraufhin einen richtigen Mann genannt. Das Archiv dieser Werbevideos umfasst fast 6,5 Gigabyte. Es trägt intern den Namen „Boote“ – so wird die Drohnenproduktion in Alabuga seit Jahren intern bezeichnet.
Parallel dazu haben antikriegsaktive Nutzer auf Youtube eine Liste mit 472 Bloggern zusammengestellt, die Alabuga oder das Polytechnikum beworben haben, ohne die bekannten Fakten zur Drohnenproduktion zu erwähnen. Die Gesamtreichweite dieser Kanäle beträgt 531,6 Millionen Abonnenten. Eine 25-sekündige Werbeeinbindung kostete je nach Reichweite zwischen 250.000 und 1,5 Millionen Rubel. Reklameagenturen verschickten entsprechende Angebote regelmäßig, etwa einmal pro Quartal. Der Blogger HiMan mit 19,5 Millionen Abonnenten veröffentlichte seinen Beitrag über das Polytechnikum vor drei Jahren – das Video steht bis heute unverändert online.
Twitch hat bereits reagiert und mehr als ein Dutzend russische Konten gesperrt, die Alabuga-Turniere übertragen oder beworben hatten – formal wegen Sanktionsverstößen der EU. Der Blogger Alexei Gubanov, in Russland als ausländischer Agent eingestuft, hat die Youtube-Liste mitverbreitet und argumentiert, dass Youtube denselben rechtlichen Rahmen wie Twitch anwenden müsse, da Alabuga auf Sanktionslisten der EU und der USA steht. Ob Youtube folgt, ist offen. Dass 531 Millionen Menschen von Kanälen erreicht wurden, die eine Drohnenfabrik als Bildungsprojekt beworben haben, ist es nicht.
Das Bildungszentrum Alabuga Polytechnikum liegt in der Sonderwirtschaftszone Alabuga in Tatarstan, Russland. Was nach Zukunft klingt, ist seit 2024 dokumentiert als Produktionsstätte für Schahed-Kampfdrohnen, zusammengebaut unter anderem von minderjährigen Studenten und ausländischen Praktikanten aus Kasachstan. In einem der Werbevideos, die das Polytechnikum selbst produziert hat, erklärt eine 16-jährige Erstsemesterstudentin, dass sie im nächsten Jahr mit der Drohnenmontage Geld verdienen werde – und dass ihre Eltern stolz auf sie seien. Ein anderer Student berichtet, bereits 150.000 Rubel monatlich zu verdienen. Sein Vater habe ihn daraufhin einen richtigen Mann genannt. Das Archiv dieser Werbevideos umfasst fast 6,5 Gigabyte. Es trägt intern den Namen „Boote“ – so wird die Drohnenproduktion in Alabuga seit Jahren intern bezeichnet.
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Twitch hat mehr als ein Dutzend russische Partner auf unbestimmte Zeit gesperrt, die ein CS2-E-Sport-Turnier aus dem russischen Alabuga Politech gestreamt haben. Alabuga Politech wird vielfach als Produktionsstätte für Shahed-Drohnen beschrieben und wirbt aktiv junge Menschen an.
Parallel dazu haben antikriegsaktive Nutzer auf Youtube eine Liste mit 472 Bloggern zusammengestellt, die Alabuga oder das Polytechnikum beworben haben, ohne die bekannten Fakten zur Drohnenproduktion zu erwähnen. Die Gesamtreichweite dieser Kanäle beträgt 531,6 Millionen Abonnenten. Eine 25-sekündige Werbeeinbindung kostete je nach Reichweite zwischen 250.000 und 1,5 Millionen Rubel. Reklameagenturen verschickten entsprechende Angebote regelmäßig, etwa einmal pro Quartal. Der Blogger HiMan mit 19,5 Millionen Abonnenten veröffentlichte seinen Beitrag über das Polytechnikum vor drei Jahren – das Video steht bis heute unverändert online.
Twitch hat bereits reagiert und mehr als ein Dutzend russische Konten gesperrt, die Alabuga-Turniere übertragen oder beworben hatten – formal wegen Sanktionsverstößen der EU. Der Blogger Alexei Gubanov, in Russland als ausländischer Agent eingestuft, hat die Youtube-Liste mitverbreitet und argumentiert, dass Youtube denselben rechtlichen Rahmen wie Twitch anwenden müsse, da Alabuga auf Sanktionslisten der EU und der USA steht. Ob Youtube folgt, ist offen. Dass 531 Millionen Menschen von Kanälen erreicht wurden, die eine Drohnenfabrik als Bildungsprojekt beworben haben, ist es nicht.
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