Wagners neues Geschäft: Tramadol statt Front, Gold und Drogen statt Söldnerromantik
Die Wagner-Gruppe ist nach dem Tod ihres Gründers Jewgeni Prigoschin keineswegs verschwunden. Während viele ihrer Auslandseinsätze vom russischen Staat übernommen wurden, sollen die verbliebenen Strukturen in der Zentralafrikanischen Republik ein neues Geschäftsmodell aufgebaut haben. Nach Recherchen und diversen Informationen kontrollieren sie heute weite Teile des Schmuggels mit Tramadol, einem starken Schmerzmittel, das in hohen Dosen abhängig macht und wie ein stimulierendes Rauschmittel wirkt. Die Einnahmen sollen nicht nur den eigenen Einfluss sichern, sondern auch den Kauf von Waffen und die Finanzierung verbündeter Milizen ermöglichen.
Entlang des Oberlaufs des Ubangi-Flusses befinden sich aktuell noch rund 500 Wagner-Kämpfer. Die wirtschaftlichen Netzwerke der Gruppe seien weitgehend erhalten geblieben und würden inzwischen von Pawel Prigoschin, dem Sohn des früheren Wagner-Chefs, geführt. Goldminen, Schmuggelrouten und enge Verbindungen zu Sicherheitskräften bilden weiterhin das Fundament dieser Macht. Moskau soll die bestehenden Strukturen bislang unangetastet gelassen haben, um einen offenen Konflikt mit den verbliebenen Wagner-Einheiten zu vermeiden. Das Tramadol stammt den Recherchen zufolge überwiegend aus Indien. Offiziell werden Lieferungen mit Tabletten zu 50 Milligramm deklariert und in die Demokratische Republik Kongo exportiert. Nach Angaben von Forschern und Händlern befinden sich darunter jedoch auch Tabletten mit 200 Milligramm oder mehr. In Kinshasa werden die Lieferungen umverpackt und anschließend über den Grenzort Zongo und den Ubangi-Fluss in die Zentralafrikanische Republik geschmuggelt. Von dort gelangt das Medikament weiter nach Kamerun und in andere Nachbarstaaten.
Die Tabletten werden in Goldminen konsumiert, um länger arbeiten zu können, bei prorussischen Kundgebungen gegen Hunger und Erschöpfung verteilt und nach Aussagen von Forschern sogar an Kämpfer vor Gefechten ausgegeben. Tramadol unterdrückt Schmerzen, dämpft Angst und steigert die Erregung. Ehemalige Angehörige der Wagner-Strukturen berichten zudem, dass das Mittel an Mitglieder der Präsidentengarde sowie an die regierungsnahe Jugendgruppe „Haie“ verteilt werde, die in der Hauptstadt Bangui patrouilliert und gegen Anhänger der Opposition vorgeht. Für Wagner entwickelt sich der Handel zu einem zweiten lukrativen Geschäft neben dem Gold. Nach Schätzungen erzielt das Netzwerk bereits rund 180 Millionen Dollar jährlich durch den illegalen Goldexport aus der Zentralafrikanischen Republik. Auch der Tramadolhandel wirft hohe Gewinne ab. Eine Lieferung im Wert von etwa 7.000 Dollar kann nach dem Schmuggel nach Kamerun für rund 21.000 Dollar verkauft werden. Allein für Bestechungsgelder an Wagner-nahe Gruppen und bewaffnete Formationen fallen dabei nach Angaben von Händlern rund 4.000 Dollar an.
Parallel wächst die Gewalt im Land weiter. Im Februar 2025 sollen mit Wagner verbundene Anti-Balaka-Milizen nahe der Grenze zu Kamerun rund 130 Angehörige der Volksgruppe der Fulbe getötet haben. Beobachter sprechen vom schwersten Angriff auf Zivilisten seit März 2022. Gleichzeitig stieg die Zahl der Todesopfer bei Kämpfen um rohstoffreiche Gebiete innerhalb eines Jahres um fast zwanzig Prozent auf rund 500 Menschen. Während offiziell von Sicherheitspartnerschaften die Rede ist, finanzieren sich bewaffnete Strukturen offenbar längst über Gold, Schmuggel und den Handel mit einem Medikament, das für viele Menschen in der Region zur Droge geworden ist.
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