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Nachrichten Russland

Das älteste Spiel läuft wieder: Ein Atomkreuzer erwacht, und der Staat greift nach dem Eigentum seiner Bürger
Ein Staat, der nach außen aufrüstet und zugleich nach innen greift, bewegt sich in eine einzige Richtung, auch wenn die Nachrichten aus verschiedenen Ecken kommen. Nach außen wachsen die Waffen, nach innen der Zugriff, getragen wird beides vom selben Bürger. Russland holt einen schweren atomgetriebenen Raketenkreuzer aus fast 3 Jahrzehnten Werftruhe zurück, und um dieses Schiff herum fügt sich ein Bild von Aufrüstung und einem langen Krieg, der zur Gewohnheit wird. Die „Admiral Nachimow“ soll nach Angaben der russischen Marine noch vor Ende 2026 wieder in den Flottenbestand kommen. Ein Koloss von gestern kehrt in eine Gegenwart zurück, die sich das Kämpfen längst neu beigebracht hat.

Der Kreuzer gehört zu den 4 schweren Atomraketenkreuzern des Projekts 1144 „Orlan“ aus sowjetischer Fertigung. 1988 lief er als „Kalinin“ vom Stapel, doch seine Dienstzeit blieb kurz. Der letzte Einsatz auf See fand im Juli 1997 statt, nach nur 9 Jahren, und der auffälligste Moment seiner Laufbahn war eine sechsmonatige Fahrt ins Mittelmeer im Jahr 1991. Schon 1997 verschwand er faktisch zur Reparatur, offiziell dockte er 1999 bei der Werft Sewmasch an, die umfangreiche Modernisierung begann jedoch erst 2013. Im Juni 2026 lief er erstmals seit 28 Jahren wieder zu Erprobungen aus, deren staatliche Abnahme nun bevorsteht. Ein Schiff, das 9 Jahre fuhr und 3 Jahrzehnte lag, soll die Meere wieder ernst nehmen.

 
Kaizen Investigativ: Russlands 5G und die verbotenen NATO-Basisstationen mit Spur nach Düsseldorf – Teil 1
Das Land, das die Abhängigkeit vom Westen seit Jahren zum Feindbild erklärt, schaltet sein modernes Mobilfunknetz mit finnischen und schwedischen Altanlagen an, dazu mit chinesischer Technik und einer staatlichen Ausnahme. 7 Jahre nachdem andere mit dem kommerziellen Ausbau von 5G begannen, räumt Russland die Hindernisse weg, die es sich zu einem guten Teil selbst gestellt hat. Die politische Losung hieß Unabhängigkeit vom Ausland. Am Funkmast hängt die Wirklichkeit.

Die Mechanik der Entscheidung klingt großzügig. Beeline und MegaFon erhalten je 90 Megahertz neuer Frequenzen, gratis und ohne Auktion; MTS und T2 bekommen dieselbe Zuteilung. Zusätzlich dürfen die Betreiber ihre vorhandenen LTE-Bänder für 5G nutzen. Der schärfere Teil steht jedoch in einem Datum: Ausländische Basisstationen, die bis zum 1. September 2026 installiert wurden, bleiben ausdrücklich erlaubt.

Bei dem Wort ausländisch wird die russische Vorgeschichte plötzlich konkret. Ein großer Teil des Netzes läuft mit Anlagen von Nokia aus Finnland und Ericsson aus Schweden. Hinzu kommen Huawei und ZTE aus China. Vor dem Krieg kamen Nokia und Ericsson zusammen auf etwa die Hälfte der russischen Basisstationen, Huawei allein auf einen großen Teil des Rests. Finnland und Schweden gehören heute beide der NATO an, und genau deren Anlagen sollen Russlands Netz nun am Leben halten.

Die Verspätung ist hausgemacht. Moskau wollte 5G schon 2020 in seinen Millionenstädten haben, der breite Ausbau kommt rund 7 Jahre später. Nach dem Angriff auf die Ukraine stellten Nokia und Ericsson ihr reguläres Russlandgeschäft ein, auch Huawei stoppte offizielle Lieferungen von Basisstationen, und die Zahl neu installierter Anlagen brach 2022 um mehr als 60 Prozent ein. Die vorgeschriebene heimische Technik war nicht rechtzeitig da; im Frühjahr 2026 lag der Anteil russischer Basisstationen nach Branchenschätzungen unter 1 Prozent, und der Staatsbetrieb Rostech verschob die Serienfertigung eigener Anlagen auf 2026/27. Erst ab 2027 sollen die Betreiber schrittweise wechseln, fertig sein soll das Ende 2031. Russland gibt sich damit weitere 5 Jahre für eine Unabhängigkeit, die längst hätte bestehen sollen. In den Millionenstädten soll 5G nun in allernächster Zeit erscheinen, stark besuchte Orte bis Ende 2028, danach sind weitere 3 Jahre Ausbau vorgesehen. Jahrelang war die Abhängigkeit vom Ausland das Feindbild der Staatspropaganda und die technologische Souveränität ihr Versprechen. Der Skandal liegt weniger darin, dass Russland vorhandene Technik weiternutzt, das wäre pragmatisch, als in dem Abgrund zwischen der Parole und dem, was am Mast hängt.

 
IWM-Chef David-Fox:"Putin kann mit dem Krieg nicht einfach aufhören"
Der US-Historiker und Russland-Experte, der nun in Wien arbeitet, sieht im STANDARD-Interview wenig Chancen auf eine Waffenruhe in der Ukraine und Risiken für Europa

Am 1. August ist der amerikanische Historiker Michael David-Fox seine Stelle als Rektor des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) in Wien angetreten, wo er seine jahrzehntelange Forschung in russischer Geschichte mit der Analyse aktueller Ereignisse in Verbindungen bringen will.

STANDARD: Sie sind Experte für russische Geschichte. Ist der Krieg gegen die Ukraine eine Fortsetzung von dem, was Russland seit Ivan dem Schrecklichen schon immer gemacht hat?

David-Fox: Es gab in der russischen Geschichte verschiedene Staatsformen, vom Großfürstentum Moskau über das Zarenreich zur Sowjetunion und dem postsowjetischen Russland. Die Kontinuitäten zwischen ihnen ist frappierend. Dennoch ist die Vorstellung vom ewigen Russland, das sich nie ändert, eine grobe Vereinfachung. Es herrschte immer Diktatur, aber die war manchmal härter und manchmal weniger hart. Es gibt gute Gründe, warum Wladimir Putin auf frühere Perioden der Geschichte zurückgreift. Eine ist Bildung: Er ist in der späten Sowjetzeit aufgewachsen. Das unterscheidet ihn von der ukrainischen Führung, die einer jüngeren Generation angehört. Und es gibt einen konservativen politischen Kanon, der bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht und den Putin bewusst wiederbelebt. Mit dem Krieg in der Ukraine werden Praktiken wiederbelebt, die der Stalin-Zeit ähneln. Aber es gab in Russland auch eine Reihe politischer Innovationen, die dem Rest der Welt voraus waren.

STANDARD: Zum Beispiel?

David-Fox: Russland hatte in den 1990er Jahren kein konventionelles politisches Parteiensystem. Politische Parteien waren durch die kommunistische Einheitspartei diskreditiert ebenso wie Ideologien. Man musste also neue Wege finden, um eine Regierung zu legitimieren, die dann autoritär wurde. Die zweite Innovation ist die Desinformation. Das ist das größte Exportgut des postsowjetischen Russlands. Damit wird eine Art fragmentierte Postmoderne geschaffen, die jetzt in den Vereinigten Staaten und unter autoritären Parteien anderswo ihren Widerhall findet.

 
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Wie das lokale Medienunternehmen RTCG berichtet, hat der russische Staatsbürger Michail Schabunin in Montenegro auf einem Schießstand drei Menschen erschossen und sich während des Zugriffs durch die Polizei selbst das Leben genommen.
Nach Angaben der Polizei hatte Schabunin zuvor den Schießclub „Česká Zbrojovka“ bei Danilovgrad besucht und war mit dessen Personal bekannt. Am 31. August kehrte er zu dem Schießstand zurück, wo er zunächst den erfahrensten Ausbilder und anschließend zwei weitere Mitarbeiter erschoss. Danach nahm er Munition an sich und floh vom Tatort. Bei den Opfern handelte es sich um Männer im Alter von 20, 24 und 67 Jahren. Das Motiv für die Taten ist bislang unbekannt. Schabunin fuhr später mit einem Taxi nach Herceg Novi. In der Nacht spürte die Polizei ihn in einem Waldgebiet auf und umstellte ihn. Als die Beamten versuchten, ihn festzunehmen, eröffnete er das Feuer auf sie, bevor er sich selbst erschoss.
 
Wenn der mutmaßliche Kriegsverbrecher und Massenmörder Putin über Fälschung blubbbert
„Beweisfälschung“: Kreml wütend über deutsche Sanktionen nach Drohnen-Vorfall
Putin spricht von einem „schweren Fehler“. Am Mittwoch befassen sich NATO und EU mit der Attacke.
Die schweren Spannungen zwischen Berlin und Moskau haben sich infolge des gescheiterten Angriffs mit einer Sprengstoff-Drohne am Flughafen Leipzig/Halle nochmals deutlich verschärft. Russlands Präsident Wladimir Putin bezeichnete die deutschen Strafmaßnahmen gegen sein Land als „schweren Fehler“ und sprach von Beweisfälschung. Das Außenministerium in Moskau kündigte Gegenmaßnahmen an. Am Mittwoch befassen sich auch NATO und EU mit dem Drohnen-Vorfall.

Deutschland macht für die Attacke den Kreml verantwortlich. Beim EU-Außenministertreffen in Irland werden erste Beratungen zu einer möglichen europäischen Reaktion erwartet.

Berlin hatte am Dienstag ein ganzes Bündel von Vergeltungsmaßnahmen gegen Russland angekündigt. Dazu zählen die Schließung des Russischen Hauses in Berlin - das Kulturinstitut steht im Verdacht, als Tarnung für Spionagezwecke zu dienen - und des Generalkonsulats in Bonn sowie die damit verbundene Ausweisung zahlreicher Diplomaten. Zudem soll es verschärfte Einreisekontrollen für Russen sowie ein härteres Vorgehen gegen die russische Schattenflotte geben.

 
Diplomat Ischinger: "Putin versteht, dass Deutschland das verwundbare Glied in der Kette sein könnte"
Der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz warnt vor einem unangenehmen Herbst mit Eskalationspotenzial. Auch Österreich sollte sich an mehr konventioneller Abschreckung beteiligen

Wolfgang Ischingers Leben gestaltete die schwierige Diplomatie mit der Sowjetunion selbst mit. Man solle sich still und heimlich miteinander treffen und verkünden, wenn es Erfolge zu vermelden gibt, so sein Rat. Für Europa fordert er im STANDARD-Gespräch am Rande des Europäischen Forum Alpbach mehr konventionelle Aufrüstung und auch Verhandlungen über die Ausweitung des französischen und britischen Atomschirms auf ganz Europa.

STANDARD: Wie ernst ist die Lage, Herr Ischinger? Wie schnell kann die russische Bedrohung Ernstfall werden?

Ischinger: Die Lage in Europa ist insgesamt sehr herausfordernd, das Risiko einer Eskalation im Ukrainekrieg ist offenkundig. Manche wollten das lange nicht sehen, mittlerweile ist es offensichtlich. Für mich ist es nicht mehr angemessen, von einem hybriden Krieg zu sprechen, das ist zu unverständlich. Wird Sprengstoff verwendet – wie etwa beim Vorfall am Leipziger Flughafen – dann sind das Kriegshandlungen. Es gibt daneben Sabotageakte und es gibt russischen Staatsterrorismus. Die Russen werden Europa nie offiziell den Krieg erklären, aber er findet in einer gewissen Weise längst statt. Es ist ein grandioser Erfolg der Ukraine, die russischen Fortschritte am Boden aufgehalten zu haben, aber für die Kriegsdynamik ist das keine beruhigende Nachricht. Da droht Eskalationsgefahr, und dann kommen wieder nukleare Drohungen aus Russland.

STANDARD: Aber vor einem Nuklearwaffeneinsatz haben die Ukrainer keine Angst, zeigen Umfragen, nur der Rest Europas.

Ischinger: Genau, die Ukrainer würden weiterkämpfen. Wladimir Putin aber versteht, dass Deutschland, das sich traditionell auch vor atomaren Risiken besonders fürchtet, das verwundbare Glied in der Kette sein könnte. Deswegen sind diese indirekten und manchmal direkten Drohungen vor allem auch an Deutschland als Hauptwaffenlieferant der Ukraine gerichtet. Wladimir Putin weiß, dass der Nutzen von Atomwaffen aufhört, sobald er sie einsetzt. Und dennoch hielt die russische Drohung die USA und uns Europäer einschließlich Deutschland bisher immer wieder davon ab, bestimmte weiterreichende Waffensysteme an die Ukraine zu liefern, weil letzten Endes niemand garantieren kann, dass Putin es nicht doch tut. Das ist die Wirkmächtigkeit von Atomwaffen, ohne dass sie tatsächlich eingesetzt werden.

 
Schneider: „Moskau stilisiert sich zum Opfer“ (Videobericht im Link)
ORF-Korrespondentin Carola Schneider und ORF-Korrespondent Tim Cupal haben über die hybride Kriegsführung Russlands gegen europäische NATO-Staaten berichtet. Cupal betonte die Geschlossenheit der EU-Außenminister gegen Russland. Schneider ordnete die russische Reaktion als Täter-Opfer-Umkehr ein.

 
Warum tut Putin das?
Der "hybride" Krieg mit Sprengstoffanschlägen ist eine verzweifelte Maßnahme

Die deutsche Bundesregierung hat den Drohnen- bzw. Sprengstoffangriff am Leipziger Flughafen eindeutig Russland zugeordnet. Es war nur ein Zufall, dass es nicht zu einer großen Explosion im Umfeld eines ukrainischen Frachtflugzeugs gekommen ist. Gleichzeitig Meldungen über Sprengstoff bei deutschen Umspannwerken (Hintergründe unklar). Das fügt sich in die x Vorfälle um Drohnenüberflüge, Mordanschläge, gekappte Unterseekabel in europäischen Ländern usw. in der letzten Zeit.

Warum tut Putin das? Experten der russischen Exil-Plattform "Meduza" erklären das so: Die Angriffe seien keine Vorstufe zu einem vollen Angriff auf Nato-Staaten (und neutrale Staaten in Schlüsselposition wie Österreich), sondern Warnschüsse. Damit sollen die Europäer von weiterer Unterstützung der Ukraine abgebracht werden. Russlandfreundliche rechte Parteien wie die FPÖ oder die AfD sollen Auftrieb bekommen. Nun sind Sprengstoffanschläge auf Flughäfen – und das war Leipzig – schon mehr als Warnschüsse, aber andererseits ist Putin mehr und mehr in einer unangenehmen Lage. Sein Krieg zeitigt null Erfolge, und die ukrainischen Schläge in Russland scheinen auch die apathische russische Bevölkerung aufzuwecken.

Angeblich hat Putin in kleinem Kreis gesagt, man werde ihn "hängen", wenn er den Donbass nicht erobern könne. Das ist eher unglaubwürdig. Aber der Mann greift zu verzweifelten Mitteln. (Hans Rauscher, 2.9.2026)

 
Bericht: Russische Sabotagepläne in Dänemark aufgedeckt
Dänische Behörden haben laut einem Bericht der Zeitung „Berlingske“ Pläne und Vorbereitungen für russische Sabotage in Dänemark aufgedeckt. Unter den Zielen seien besonders Unternehmen in der Verteidigungsindustrie, die eine Verbindung zur militärischen Hilfe in der Ukraine hätten, sagte der Chef für Spionageabwehr beim dänischen Inlandsnachrichten- und Sicherheitsdienst PET, Emil Græsholm, gestern der Zeitung.

„Das Hauptziel ist, konkrete Lieferungen für die ukrainische Verteidigung zu stoppen“, sagte Græsholm den Angaben zufolge. „Gleichzeitig soll uns Angst gemacht werden, damit wir die Ukrainer nicht mehr unterstützen und unsere eigene Verteidigungsfähigkeit nicht ausbauen.“

In der Regel hält sich der Nachrichtendienst bedeckt – nicht in diesem Fall: „Die Auswahl der Ziele und die Vorbereitungen sind so konkret, dass wir es für notwendig halten, mit der Nachricht an die Öffentlichkeit zu gehen, dass es sich um eine Bedrohung handelt, die ernst genommen werden muss“, sagte Græsholm.

 
Norwegen beschlagnahmt russisches Schiff
Norwegen hat auf Betreiben des staatlichen ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz ein russisches Kreuzfahrtschiff in der Arktis beschlagnahmt. Wie Naftogaz am Mittwoch mitteilte, beschlagnahmten die norwegischen Behörden die „Professor Moltschanow“ in der Inselgruppe Spitzbergen auf der Basis eines Gerichtsbeschlusses, der Russland zu Entschädigungszahlungen an Naftogaz verpflichtet. Der Schritt erfolgte demnach auf Anordnung eines norwegischen Gerichts.

Die norwegische Zeitung „Aftenposten“ zitierte einen Polizeivertreter aus Spitzbergen, der den Vorgang bestätigte. Mit der Beschlagnahme soll die Entscheidung eines Schiedsgerichts durchgesetzt werden, das Russland zur Zahlung von rund 4,2 Milliarden US-Dollar (rund 3,6 Millionen Euro) an Naftogaz für beschlagnahmte Vermögenswerte auf der annektierten ukrainischen Schwarzmeer-Halbinsel Krim verpflichtete. Moskau ist dem Schiedsspruch nicht nachgekommen.

 
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