FloKrass
Dvoglavi orao
An dieser Stelle möchte ich den serbischen Albanerdiskurs darstellen, der dazu geführt hat, dass die serbische Bevölkerung bis heute mehrheitlich so über den Albaner denkt und sich ihm nie nähern konnte.
Die serbische Bevölkerungspolitik und die Repressionen gegenüber der albanischen Bevölkerung im Kosovo sind aus dem strategischen Denken der der Belgrader Eliten abzuleiten, das sich nahtlos an das serbische Albanerild aus der Zeit vor 1918 anschloss. Diese Vorstellungen wurden nicht nur am extremistischen Rand der serbischen Führungszirkel geäußert, sondern es finden sich darunter bekannte Namen wie der spätere Literaturneoblepreisträger Ivo Andriç. Die entwickelste Ausprägung erreichte das nationalistische Programm aber in Denkschriften von Vasa Çubriloviç aus den Jahren von 1937 und 1944, Çubriloviç, einer der Mitattentäter von Sarajevo 1914, ist einer der Vordenker radikaler ethnischer Säuberungen auf dem Balkan, ein Mann, der auch nach 1945 eine glänzende politische und wisschenschaftliche Karriere durchlief. In seiner Denkschrift von 1937 kam er zu folgendem Schluss: die albanischen Siedlungsgeiete in Jugoslawien bildeten ein Dreieck (von Westmakedonien in SW-NO Richtung bis in den nördlichsten Kosovo und von dort nach Westen in Richtung Montenegro verlaufend), das die serbische Südexpansion in den südslawisch besiedelten makedonischen Raum blokierte. Die etnische Homogenisierung und die dauerhafte Sicherung Vardarmakedoniens könnten nur dann erfolgen, wenn das albanische Dreieck beseitigt würde. Die Kolonisierung sei gescheitert, ihre Wirkung aufgehoben durch die hohe albanische Geburtenrate; zudem seien Korruption und Unfähigkeit der Verwaltung der Verwaltung mitverantwortlich. Als Grundfehler der serbischen Politik hebt er hervor, dass 1918 nicht alle aufständischen Albaner enteignet und aus dem Kosovo vertrieben worden seien. Das beste Land befinde sich noch in den Händen der Albaner. Nur "brutale Gewalt" könne angesichts des albanischen Bevölkerungswachstums die serbische Kontrolle über den Kosovo bewahren. Handele Serbien nicht sofort, würde in zwanzig bis dreißg Jahren ein gefährlicher albanischer Irredentismus entstehen. "Wenn Deutschland zehtausende Juden vertreibt und Russland Millionen von Menschen von einem Teil des Kontinents in einen anderen verschiebt, wird die Evakuierung von ein paar hundertausend Albanern keinen Weltkrief auslösen" (Robert Elsie, In the Heart of the Powder Keg. New York 1997, 408, lautet der Schlüsselsatz in Çubriloviçs Denkschrift. Er fühlte sich vom Zeitgeist bestärkt, wenn er eine Massenaussiedlung der Albaner nach Anatolien und nach Albanien empfahl. Um die Albaner zu Massenabwanderung zu bewegen, schlug er eine ganze Reihe von Maßnahmen vor: Gewinnung der muslimischen Geistlichkeit durch Geld und Drohungen; den Einsatz türkischer Werber, die die Vorteile von Emigration anpreisen sollten; dann aber vor allem massive Polizeigewalt, Steuer- und Bußendruck, Entlassung aus dem Staatsdienst, Aufhebung von Berufsbewilligungen, Niederreißen der traditionellen Mauern um die albanischen Häuser; Durchsetzung von veterinärmedizischen Maßnahmen, die den Viehhandel zum Erliegen bringen sollten; gezielte Verletzung der religiösen Gefühle durchdie Zerstörung von Friedhöfen, Misshandlung von muslmischen Geistlichen. Ein eigentlicher Kulturkampf sollte gegen die muslimischen Albaner geführt werden; die systematische Demütigung und Entwürdigung wurde der Regierung angeraten. Çubriloviç ging aber noch weiter: er wollte die Kolonisten bewaffnen, Çetnikbanden in großem Stile einsetzen, eine Masseneinwanderung aus dem überbevölkerten Montenegro in Gang setzen, durch Provokationen Konflikte schüren, die nach außen hin als albanische Stammesfähden und Landstreitigkeiten darstestellt werden sollten; örtliche Unruhen sollten hervorgerufen werden, die dann mit aller Härte niedergeschlagen werden sollten, und zwar nicht von den Behörden, sondern von den als ausgesrpochen brutal geltenden Montenigrinern und Çetnikkämpfern. Schließlich sollten - unter Ausschluss der Medien - nach dem Vorbild des Jahres 1878 ganze dörfer zerstört werden. Als Zielgebiete dieser umfassenden ethnischen Säuberungen definierte er die Dukagjinebene/Metohija und das Sharrgebirge - damit wären die die Ränder des albanischen Dreiecks und das kaum zugängliche Hochgebirge im Süden gewonnen und die Albaner im Innern des Kosovo vom albanischen Staat isoliert. In den Dörfern sei besonders gegen die Gebildeten und Wohlhabenden vorzugehen; sei die Elite einmal ausgeschaltet, würde die ungebildete und arme Bevölkerungsschicht leicht deportiert werden können. Der plan erinnert an Methoden der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik in Osteruopa. Er blieb aber nich nur auf dem Papier, sondern zahlreiche seiner Elemnte wurden - in unterscheidlicher Intensität - kurz vor dem zweiten Weltkrieg und dann zwischen 1945 und 1966 sowie zwischen 1989 und 1999 in die Tat umgesetzt. Gegen Ende des zweiten Weltkriegs legte Çubriloviç eine erweiterte und radikalisierte Version seines Memorandums vor. Die schweren Auseinandersetzungen auf dem Boden Jugoslawiens rechtfertigten nun seiner Meinung nach die ethnische Säuberung Jugoslawiens von allen feindlichen ethnischen Gruppen. Der Reihe nach auszuschalten seien Deutsche, Ungarn, Albaner, Italiener und Rumänen. Insbesondere die Unruheregion von Drenica und die Dukagjineben/Metohija seien durch umfassende Vertreibung der albanischen Bevölkerung für den jugoslwischen Staat zu sichern, die albanische Intelligenz systematisch auszuschalten.
Obwohl sich die Belgrader Eliten intensiv mit dem Kosovo auseinandersetzten, fehlte ihnen jedes tiefere Interesse an der Gemeinschaft, die als gefährlicher Gegner wahrgenommen wurde. Bis in die Gegenwart fallen Ignoranz und mangelnde Kompetenz der wissenschaftlichen und kulturellen Führungsschicht Serbiens in Fragen der albanischen Kultur auf. Dies ist mit der überheblichen bis rassischtischen Haltung der serbischen Gesellschaft gegenüber den Albanern zu erklären. Typisch ist das Schicksal des kurzlebigen "Seminars für albanische Philologie (Seminar za arbansku filologiju)", das Ende der Zwanzigerjahre geschlossen wurde. Wer sich mit albanischer Kultur außerhalb staatlicher Strukturen beschfätigte, riskierte sein Leben: der Franziskanerpater Shtjefen Gjeçovi, der den Kanun kodifizierte, wurde 1929 ermordert, der international bekannte kroatische Albanienhistoriker Milan von Sufflay 1931 in Zagreb von serbischen Agenten erschlagen, was Albert Einstein und Heinrich Mann in einem vielbeachteten Protestaufruf anprangerten. Nicht nur die Albaner in Jugoslawien sollten in Unwissenheit gehalten werden, auch die europäische Öffentlichkeit sollte möglichst wenig über die Albaner erfahren. Je geringer die Aufmerksamkeit war, die die Albaner auf sich zogen, desto aussichtsreicher waren Pläne eines V. Çubriloviç.
Quelle: Oliver Jens Schmitt, Kosovo - kurze Geschichte einer zentralbalkanischen Landschaft, S. 207-209.
Und nun soll jeder abwägen, ob die Albaner ein Recht hatten, sich von Serbien abzuschpalten und ob es die Serben gegenwärtig im Kosovo haben. Viel Spaß beim nachdenken und argumentieren aber bitte nicht aus dem Bauch heraus argumentieren.
Die serbische Bevölkerungspolitik und die Repressionen gegenüber der albanischen Bevölkerung im Kosovo sind aus dem strategischen Denken der der Belgrader Eliten abzuleiten, das sich nahtlos an das serbische Albanerild aus der Zeit vor 1918 anschloss. Diese Vorstellungen wurden nicht nur am extremistischen Rand der serbischen Führungszirkel geäußert, sondern es finden sich darunter bekannte Namen wie der spätere Literaturneoblepreisträger Ivo Andriç. Die entwickelste Ausprägung erreichte das nationalistische Programm aber in Denkschriften von Vasa Çubriloviç aus den Jahren von 1937 und 1944, Çubriloviç, einer der Mitattentäter von Sarajevo 1914, ist einer der Vordenker radikaler ethnischer Säuberungen auf dem Balkan, ein Mann, der auch nach 1945 eine glänzende politische und wisschenschaftliche Karriere durchlief. In seiner Denkschrift von 1937 kam er zu folgendem Schluss: die albanischen Siedlungsgeiete in Jugoslawien bildeten ein Dreieck (von Westmakedonien in SW-NO Richtung bis in den nördlichsten Kosovo und von dort nach Westen in Richtung Montenegro verlaufend), das die serbische Südexpansion in den südslawisch besiedelten makedonischen Raum blokierte. Die etnische Homogenisierung und die dauerhafte Sicherung Vardarmakedoniens könnten nur dann erfolgen, wenn das albanische Dreieck beseitigt würde. Die Kolonisierung sei gescheitert, ihre Wirkung aufgehoben durch die hohe albanische Geburtenrate; zudem seien Korruption und Unfähigkeit der Verwaltung der Verwaltung mitverantwortlich. Als Grundfehler der serbischen Politik hebt er hervor, dass 1918 nicht alle aufständischen Albaner enteignet und aus dem Kosovo vertrieben worden seien. Das beste Land befinde sich noch in den Händen der Albaner. Nur "brutale Gewalt" könne angesichts des albanischen Bevölkerungswachstums die serbische Kontrolle über den Kosovo bewahren. Handele Serbien nicht sofort, würde in zwanzig bis dreißg Jahren ein gefährlicher albanischer Irredentismus entstehen. "Wenn Deutschland zehtausende Juden vertreibt und Russland Millionen von Menschen von einem Teil des Kontinents in einen anderen verschiebt, wird die Evakuierung von ein paar hundertausend Albanern keinen Weltkrief auslösen" (Robert Elsie, In the Heart of the Powder Keg. New York 1997, 408, lautet der Schlüsselsatz in Çubriloviçs Denkschrift. Er fühlte sich vom Zeitgeist bestärkt, wenn er eine Massenaussiedlung der Albaner nach Anatolien und nach Albanien empfahl. Um die Albaner zu Massenabwanderung zu bewegen, schlug er eine ganze Reihe von Maßnahmen vor: Gewinnung der muslimischen Geistlichkeit durch Geld und Drohungen; den Einsatz türkischer Werber, die die Vorteile von Emigration anpreisen sollten; dann aber vor allem massive Polizeigewalt, Steuer- und Bußendruck, Entlassung aus dem Staatsdienst, Aufhebung von Berufsbewilligungen, Niederreißen der traditionellen Mauern um die albanischen Häuser; Durchsetzung von veterinärmedizischen Maßnahmen, die den Viehhandel zum Erliegen bringen sollten; gezielte Verletzung der religiösen Gefühle durchdie Zerstörung von Friedhöfen, Misshandlung von muslmischen Geistlichen. Ein eigentlicher Kulturkampf sollte gegen die muslimischen Albaner geführt werden; die systematische Demütigung und Entwürdigung wurde der Regierung angeraten. Çubriloviç ging aber noch weiter: er wollte die Kolonisten bewaffnen, Çetnikbanden in großem Stile einsetzen, eine Masseneinwanderung aus dem überbevölkerten Montenegro in Gang setzen, durch Provokationen Konflikte schüren, die nach außen hin als albanische Stammesfähden und Landstreitigkeiten darstestellt werden sollten; örtliche Unruhen sollten hervorgerufen werden, die dann mit aller Härte niedergeschlagen werden sollten, und zwar nicht von den Behörden, sondern von den als ausgesrpochen brutal geltenden Montenigrinern und Çetnikkämpfern. Schließlich sollten - unter Ausschluss der Medien - nach dem Vorbild des Jahres 1878 ganze dörfer zerstört werden. Als Zielgebiete dieser umfassenden ethnischen Säuberungen definierte er die Dukagjinebene/Metohija und das Sharrgebirge - damit wären die die Ränder des albanischen Dreiecks und das kaum zugängliche Hochgebirge im Süden gewonnen und die Albaner im Innern des Kosovo vom albanischen Staat isoliert. In den Dörfern sei besonders gegen die Gebildeten und Wohlhabenden vorzugehen; sei die Elite einmal ausgeschaltet, würde die ungebildete und arme Bevölkerungsschicht leicht deportiert werden können. Der plan erinnert an Methoden der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik in Osteruopa. Er blieb aber nich nur auf dem Papier, sondern zahlreiche seiner Elemnte wurden - in unterscheidlicher Intensität - kurz vor dem zweiten Weltkrieg und dann zwischen 1945 und 1966 sowie zwischen 1989 und 1999 in die Tat umgesetzt. Gegen Ende des zweiten Weltkriegs legte Çubriloviç eine erweiterte und radikalisierte Version seines Memorandums vor. Die schweren Auseinandersetzungen auf dem Boden Jugoslawiens rechtfertigten nun seiner Meinung nach die ethnische Säuberung Jugoslawiens von allen feindlichen ethnischen Gruppen. Der Reihe nach auszuschalten seien Deutsche, Ungarn, Albaner, Italiener und Rumänen. Insbesondere die Unruheregion von Drenica und die Dukagjineben/Metohija seien durch umfassende Vertreibung der albanischen Bevölkerung für den jugoslwischen Staat zu sichern, die albanische Intelligenz systematisch auszuschalten.
Obwohl sich die Belgrader Eliten intensiv mit dem Kosovo auseinandersetzten, fehlte ihnen jedes tiefere Interesse an der Gemeinschaft, die als gefährlicher Gegner wahrgenommen wurde. Bis in die Gegenwart fallen Ignoranz und mangelnde Kompetenz der wissenschaftlichen und kulturellen Führungsschicht Serbiens in Fragen der albanischen Kultur auf. Dies ist mit der überheblichen bis rassischtischen Haltung der serbischen Gesellschaft gegenüber den Albanern zu erklären. Typisch ist das Schicksal des kurzlebigen "Seminars für albanische Philologie (Seminar za arbansku filologiju)", das Ende der Zwanzigerjahre geschlossen wurde. Wer sich mit albanischer Kultur außerhalb staatlicher Strukturen beschfätigte, riskierte sein Leben: der Franziskanerpater Shtjefen Gjeçovi, der den Kanun kodifizierte, wurde 1929 ermordert, der international bekannte kroatische Albanienhistoriker Milan von Sufflay 1931 in Zagreb von serbischen Agenten erschlagen, was Albert Einstein und Heinrich Mann in einem vielbeachteten Protestaufruf anprangerten. Nicht nur die Albaner in Jugoslawien sollten in Unwissenheit gehalten werden, auch die europäische Öffentlichkeit sollte möglichst wenig über die Albaner erfahren. Je geringer die Aufmerksamkeit war, die die Albaner auf sich zogen, desto aussichtsreicher waren Pläne eines V. Çubriloviç.
Quelle: Oliver Jens Schmitt, Kosovo - kurze Geschichte einer zentralbalkanischen Landschaft, S. 207-209.
Und nun soll jeder abwägen, ob die Albaner ein Recht hatten, sich von Serbien abzuschpalten und ob es die Serben gegenwärtig im Kosovo haben. Viel Spaß beim nachdenken und argumentieren aber bitte nicht aus dem Bauch heraus argumentieren.
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ähnlich den Ostfriesenwitzen in Deutschland.