Die Zeit, 11/2001, Titel: "Frühling der Desperados"
"... Die UÇK erweist sich als mörderische Hydra: Trotz ihrer offiziellen Entwaffnung und Auflösung nach Ende des Krieges im Juni 1999 wachsen ihr immer neue Köpfe nach: Bandenköpfe, Sprengköpfe, Brückenköpfe. Ihre Todesschwadronen massakrieren im Kosovo wehrlose Serben und Roma, jagen aus dem Hinterhalt Busse mit Frauen und Kindern in die Luft. Ihre Terroristen, die sich als Freiheitskämpfer aufplustern, fallen in Südserbien und Westmazedonien ein.
... Schon Ende 1997 überfiel die UÇK zunächst serbische Polizeistationen und deklarierte dann "befreite Territorien". Diese Strategie hatte damals drei Ziele: Erstens wollten die Freischärler den gewaltfreien Widerstand Ibrahim Rugovas ausschalten, dessen Demokratische Liga für Kosova (LDK) seit 1989 einen Schattenstaat gegen die serbischen Unterdrücker ausgebaut hatte. Zweitens legte die UÇK ihre Aktionen darauf an, serbische Milizen und Militärs zu immer brutaleren Repressionen zu provozieren. In Milocevic hatte sie einen Verbündeten, auf den sie sich verlassen konnte. Die Reaktionen der serbischen Soldateska sollten drittens die Weltöffentlichkeit auf den Plan rufen und den Westen zum militärischen Eingreifen und zur "Befreiung" des Kosovo an der Seite der UÇK zwingen.
Für diese Ziele setzte die UÇK die eigene Bevölkerung in den "befreiten Zonen" den serbischen Vertreibungen, Brandschatzungen und Racheakten aus.
Der Leipziger Historiker Stefan Troebst hat diese Strategie als propagandistische "Vermarktung einer humanitären Katastrophe" bezeichnet. Aber die Rechnung ging auf. ... Die albanischen Desperados in Südserbien und Westmazedonien folgen jetzt dem alten Muster der Thaçi-Leute. In beiden Aufmarschzonen streben die Terrorkommandos den Anschluss der dort mehrheitlich von Albanern besiedelten Gebiete an das Kosovo an. ..."
http://www.zeit.de/2001/11/Politik/200111_kosovo.html