Das Meer bleibt offen – nur nicht für alle
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Recherchen zeigten, dass die Unternehmen der Rotenberg-Brüder die historischen Anwesen der Schauspielerin Sokolowa übernommen haben, in denen Lesja Ukrajinka zur Erholung verweilte, außerdem das Haus des Bürgermeisters Michaili, die Datscha des Arztes Pedkow, das Jagdhaus von Fürst Jussupow sowie mehr als ein Dutzend Grundstücke entlang der Uferpromenade von Balaklawa. Auf Flächen mit archäologischen Denkmälern, zerstörten Datschen und historischen Anwesen entstehen dort nun zwei große Hotelkomplexe, die sich bis unmittelbar an die Wasserkante ausdehnen
In Balaklawa auf der annektierten Krim könnte sich gerade ein Konflikt entwickeln, der weit über Tourismus hinausgeht. Die Besatzungsverwaltung in Sewastopol bereitet neue Regeln für das Schutzgebiet Kap Aja vor. Offiziell geht es um Naturschutz. Für viele Menschen vor Ort geht es um ihre Existenz. Der Entwurf sieht vor, dass Boote und andere Wasserfahrzeuge sich künftig praktisch nicht mehr im geschützten Küstenbereich aufhalten dürfen. Erlaubt bleiben soll im Wesentlichen nur die direkte Durchfahrt ohne Zwischenstopps. Auch das Anlanden von Menschen würde eingeschränkt. Für die Besitzer kleiner Ausflugsboote, traditioneller Jalik-Boote und lokaler Anbieter könnte das gravierende Folgen haben. Seit Jahrzehnten gehören Fahrten von Balaklawa zu Orten wie Inschir, zum Goldstrand oder nach Batiliman zu den bekanntesten Sommerangeboten der Region. Nach Angaben lokaler Betreiber leben hunderte Familien zumindest teilweise von diesen wenigen Monaten im Jahr.
Die Begründung der Behörden lautet Umweltbelastung. In Berichten wird auf Schäden durch Ankerplätze, Wasserverkehr und Auswirkungen auf Fischbestände verwiesen. Gleichzeitig enthält derselbe Regelentwurf bemerkenswerte Ausnahmen. Denn an Land soll touristische Infrastruktur weiter ausgebaut werden dürfen. Genannt werden neue Aufenthaltsflächen, touristische Anlagen, Versorgungssysteme, Wege und weitere Erschließung in mehreren Küstenabschnitten. Diese Debatte fällt nicht zufällig in eine Zeit, in der Balaklawa grundlegend umgebaut wird. Seit Jahren entsteht dort ein großes Projekt mit Marina, Hotels, Gastronomie und neuer Ferienbebauung. Geplant sind bis 2030 rund 600 Liegeplätze für Yachten. Mit dem Vorhaben werden Strukturen in Verbindung gebracht, die den Brüdern Arkadi und Boris Rotenberg zugerechnet werden. Bereits zuvor wurden für das Projekt Schutzgrenzen verändert, Flächen umgewidmet und Grundstücke übernommen. Die Brüder Arkady Rotenberg und Boris Rotenberg sind zwei russischen Milliardären aus Putins engstem Umfeld, die seit den 1990er Jahren als langjährige Weggefährten des russischen Präsidenten gelten und durch milliardenschwere Infrastruktur-, Energie- und Staatsaufträge bekannt wurden.
Für viele Bootsbesitzer bleibt deshalb nicht die Frage, ob sich Balaklawa verändert. Sondern für wen diese Veränderung am Ende gebaut wird.