„Wir sind politische Demonstranten“ (wg) Oslo. Nach den Zwischenfällen im Spiel zwischen Norwegen und Bosnien letzten Samstag meldeten sich nun in der norwegischen Zeitung „Aftenposten“ vier an den Aktionen beteiligte Mitglieder der „BH Fanaticos“ zu Wort und betonten keine Randalierer zu sein, sondern „politische Demonstranten“ und dass ihr einziges Ziel wäre, den bosnischen Fußball vor der korrupten „Mafia“ im eigenen Verband zu retten..
Qualifikation zur Europameisterschaft in Österreich und der Schweiz: Das Spiel zwischen Norwegen und Bosnien steht kurz vor dem Abbruch, weil bosnische Anhänger Feuerwerkskörper auf das Feld schmeißen und das Spiel so für eine halbe Stunden unterbrochen werden muss. Es hieß aus Protest gegen den eigenen Verband (Goal.com berichtete). Nun meldeten sich in einer norwegischen Zeitung vier Beteiligte zu Wort und baten um Verständnis für ihre Aktion.
„Tut uns Leid für Norwegen“
„Es tut uns leid, wenn unsere Aktion Probleme für Norwegen oder den norwegischen Fußball brachte. Wir sind keine Randalierer oder Fußballrowdys. Hätten wir Randale gewünscht, hätten wir das leicht geschafft. Aber wir haben keine Randale gemacht, weder in noch vor dem Ullevaal-Stadion, und wir haben keine Form von Gewalt oder Vandalismus verwendet. Niemand wurde verletzt und nichts wurde zerstört.“, bekräftigt Adnan Selimotic, der Mitglied in der Gruppe „BH Fanaticos“ ist, welcher der bosnische Verband auch die Schuld an den Szenen vom Samstag zugeschoben hatte.
„Kein ethnischer Konflikt“
Bosnien ist ein Land in dem drei Volksgruppen leben – muslimische Bosniaken, Kroaten und Serben. Trotzdem betonten die vier Mitglieder der „BH Fanaticos“, dass des hierbei nicht um einen ethnischen Konflikt gehe. „Es handelt ganz einfach um korrupte Politiker, die den Fußball übernommen haben. Diese fixieren die Ergebnisse, bestechen Schiedsrichter und verkaufen die Plätze im Nationalteam. Sie tragen den bosnischen Fußball zu Grabe und machen aber die Fans dafür verantwortlich. Sie verkauften keine Karten für dieses Spiel in Bosnien. Von so etwas distanzieren wir uns, deshalb haben wir die Aktion im Ullevaal gesetzt. Und wir sind nicht alleine, 13 Spieler weigern sich zurzeit für das Nationalteam zu spielen, das ist ein klares Signal, dass nicht alles so ist wie es sein sollte im bosnischen Fußball“, meint einer der Männer.
„Wie ein gewöhnliches Spiel in Italien“
Die Männer sind auch der Meinung, dass die ganze Aktion zu sehr dramatisiert wird. „50 Bengalen wurden aufs Feld geschmissen, das ist nichts Schlimmeres als bei jedem Match in Italien geschieht. Dort haben sie Feuerwehrmänner die die Fackeln sofort in Wasserkübel geben und schon ist das Problem gelöst. Der norwegische Fußball sollte lieber die UEFA dazu bringen, für Ordnung im bosnischen Fußball zu sorgen, als sich um ein paar bengalische Fackeln zu kümmern.“ Auf den Einwurf, dass sie ein Fußballspiel zerstört hätten, meint einer der Bosnier: „Nein, was wir machten ist etwas das ganz normal ist in Süd-Europa. Nach unserer Demonstration haben wir die Tribüne verlassen. Wir haben das gemacht, weil uns die Polizei darum gebeten hat. Wir haben es auch gemacht um zu demonstrieren, dass wir den bosnischen Fußball boykottieren solange die zuständigen Personen noch im Sessel sitzen.“
Korrupte Sicherheitskräfte
50 Bengalen sollen es gewesen sein, die den Weg ins Stadion fanden und dass obwohl bereits vor dem Spiel verlautbart wurde, dass aufgrund der angespannten Situation verstärkt Kontrollen durchgeführt werden würden. Einer der Männer gibt Auskunft: „Die Kontrollen waren sehr streng, ich wurde drei Mal durchsucht. Ich habe aber gehört, dass einige die Sicherheitskräfte bezahlt haben um die Feuerwerkskörper ins Stadion zu bringen. So streng wie die Kontrollen waren, ist das für mich auch die einzige Erklärung wie so viele Gegenstände ins Stadion kommen konnten.“
Werden weitermachen
Ein weiteres Mal betonen die Männer, dass sie dem norwegischen Fußball nicht schaden wollten, sondern, dass sie auf ihre Situation aufmerksamen machen wollten. Und meinen, dass ihn dies auch gelungen ist. Auf Eurosport wäre ein Transparent von ihnen mehrere Minuten lang lesbar gewesen – und das in ganz Europa. In jedem Fall bekräftigen sie, dass ihr „Kampf“ noch nicht zu Ende sei und sie so lange weitermachen werden, bis im bosnischen Fußball wieder normale Zustände herrschen. „In welcher Form wir weitermachen kann ich nicht sagen, aber der Kampf wird fortgesetzt“, sagt einer der Männer.
Unterdessen wurde auf einer Interseite ein 10-minütiges Video der Vorfälle vom Samstag veröffentlicht in dem das „gute norwegische Volk“ um Entschuldigung gebeten wurde und um Verständnis für die Aktion gesucht wurde. Gleichzeitig rief man die UEFA auf endlich zu handeln und den bosnischen Fußball zu retten und von der „Mafia“(= Bosnischer Fußballverband) zu befreien.