Schiptar schrieb:
Philippos schrieb:
Schiptar schrieb:
Ich will nur wissen, wie ihr das seht. Genauer: Ob ihr glaubt, daß überall, wo heute Griechen leben, über die Jahrtausende hindurch immer Griechen gelebt haben, die in der Zeit auch immer Griechisch gesprochen haben.
Zum Großteil mit Sicherheit Ja.
Und was bedeutet das dann für dich?
Daß du national verblendet bist, weil ich da in der Fachliteratur z.T. ganz andere Sachen gelesen hab.
Aber wenn es dir wichtig ist, zu glauben, daß alle deine Vorfahren im Mittelalter Griechisch gesprochen haben, dann meinetwegen.
Mir ist es egal, was meine gesprochen haben. Für mich zählt, wer ICH bin.
Mir ist es auch egal, zu wieviel Prozent meine deutschen bzw. englischen Vorfahren auf alte Germanen oder Briten zurückgehen. Für mich zählt, was die deutsche und englische Kultur HEUTE ausmacht.
Du sagst, du hast Fachliteratur gelesen und unterstellst, das nicht alle meine Vorfahren, bzw. nicht alle Vorfahren der Griechen, griechische gesprochen haben im Mittelalter; mit anderen Worten, keine Griechen waren.
Ich habe auch Fachliteratur gelesen und nicht nur griechische.
Was meine Vorfahren angeht, so kann ich nicht beweisen, ob sie alle ausnahmslos Mazedonier waren, bzw. Griechen. Keiner kann so einen Beweis führen, selbst wenn er wollte. Aber man kann es annehmen. Selbst wenn es einige mal nicht gewesen sein sollten, so waren es sicher wenige in der langen Kette von Vorfahren. Aber vergesst nicht, daß es sogar in unserer heutigen modernen Zeit wenige multinationale Verbindungen gibt. Im Mittelalter war das ganze noch sehr viel weniger ausgeprägt als heute (damals gab es noch keine Leute mit deiner modernen, lockeren Ideologie). Ich erinnere mich an meine Ur-Großmutter, als ein Verwanter von mir heiraten wollte, da sagte sie mir, daß er eine Fremde heiraten wolle. Dabei kam sie aus einer Stadt ca. 60 km entfernt und war auch Mazedonierin (Griechin). Damals waren das eben andere, strengere, Zeiten.
Aber sag mir Schiptar, wenn für dich die Abstammung von einer bestimmten Gruppe keine Rolle spielt, wieso spielst du auf dieses Thema überhaupt an und führst es gegen uns ins Feld? Das widerspricht doch bereits deiner Ideologie. Nehmen wir mal an, die die Mazedonier in Griechenland würden nichts mit den Mazedoniern der Antike zu tun haben. Haben die Fyromer mehr mit ihnen zu tun, daß du ihren Standpunkt so wehement zu verteidigen versuchst? Da du dich nicht an ethnischen Kriterien orientierst, müßten doch kulturelle Kriterien bereits ausreichen. Und welches ist das stärkste kulturelle Kriterium? Natürlich die Sprache. Wir sprechen eine griechische Sprache, wie die Mazedonier vor Jahrtausenden, daß müßte für dich doch bereits als Gemeinsamkeit, und zwar als die Entscheidenste aller Gemeinsamkeiten, zu den antiken Mazedoniern ausreichen (und wenn für dich nur das HEUTE zählt wie du schreibst, dann kann es noch nicht einmal eine Rolle spielen, was meine Vorfahren früher für eine Sprache möglicherweise gesprochen haben).
Aber nein, für dich haben trotz allem die Fyromer Recht.
Wenn du sagst, für dich zählt wer du bist, dann sage ich, für uns zählt das auch. Wir wollen unser ich, unsere Identität, die nie einfach nur individuell ist, sondern bezogen auf Kultur, Tradition usw. auch immer etwas kollektives ist, nicht verlieren. Was aber bei der Monopolisierung bzw. Usurpation der Fall ist. Ohne eine solche Identität, kann es nur eine unsichere, unstabile und chaotische Zukunft geben. Daß wissen diese Fyromer, darum auch diese Erfindung einer Identität. Und noch was, eine Kultur kann man nie nur auf das HEUTE festlegen, weil eine Kultur einen Ursprung hat und eine Zukunft, und dabei stehts miteinander verbunden ist.