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Gesperrt
Vom Enfant Terrible zum umjubelten Star
Wenn die dunklen Augen von Zlatan Ibrahimovic, dem schwedischen Nationalstürmer in Diensten von Ajax Amsterdam, zu funkeln beginnen und sich ein schelmisches Grinsen auf seinem Gesicht breit macht, wissen Eingeweihte schon, was sie erwartet. "Du hast ein paar Kratzer im Gesicht, Zlatan. Was ist passiert?", hatte ein Journalist den 22-Jährigen in der Pressekonferenz nach dem 1:0-Sieg Schwedens über England Ende März gerade gefragt. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: "Hm, ich weiß nicht genau, fragen Sie Ihre Frau."
Nur selten nimmt er ein Blatt vor den Mund. Vor zwei Jahren lästerte er über den Norweger John Carew in Anspielung auf dessen technische Fähigkeiten: "Was der mit dem Ball kann, schaffe ich mit einer Orange." Und im Rotlichtviertel von Malmö bekam der 21-fache Nationalspieler schon mal Ärger, weil er sich als Zivilstreife ausgab. Ganz zu schweigen vom Chaos am Flughafen, als er das Sicherheitspersonal fragte, ob sie denn seine Waffe noch nicht entdeckt hätten. "Ich bin nicht verrückt", erklärt Ibrahimovic, "ich möchte nur ein bisschen Spaß haben."
Doch nicht nur neben, sondern auch auf dem grünen Rasen sorgt der Heißsporn mit der schwedischen und bosnischen Staatsangehörigkeit für Schlagzeilen. Als es im EM-Qualifikationsspiel gegen San Marino in der Schlussphase des Spiels Elfmeter für sein Team gab, verweigerte Ibrahimovic dem planmäßigen Schützen Kim Källström die Herausgabe des Balls, trat selbst an und traf. Mit dem Ergebnis, dass die Teamkollegen aus Protest demonstrativ den Torjubel verweigerten. Doch gerade diese Unangepasstheit, die lange Zeit das Markenzeichen des athletischen Stürmers mit dem ausgeprägten Torriecher war, zog vor allem seine jungen Fans magisch in den Bann.
Erste Fussballschuhe mit Fünf
Im Alter von fünf Jahren bekam der kleine Zlatan, der am gleichen Tag wie Schwedens Torhüter Andreas Isaksson das Licht der Welt erblickte, seine ersten Fussballschuhe geschenkt. Und der Bursche war kaum von der Straße zu bekommen. "Ich weiß nicht, wie oft sich die Nachbarn beschwert haben, dass er den Ball in das Gebüsch befördert hat", erinnert sich seine kroatische Mutter Jurka. Aufgewachsen im für seinen hohen Ausländeranteil bekannten Malmöer Vorort Rosengard, wurde er im Alter von 13 Jahren von Malmö FF entdeckt, nachdem er zuvor für den FK Balkan gespielt hatte. Mit 15 hätte er seine Karriere fast frühzeitig an den Nagel gehängt, doch dank eines neuen Vertrags kratzte er die Kurve und blieb Schweden und dem Fussball erhalten. Im Alter von 18 Jahren, als er für Malmö noch in der Zweiten Liga spielte, blickte er in die Zukunft: "Ich werde bei der EURO 2004 spielen", eine Vorhersage, die in wenigen Wochen Realität werden wird.
Im Dezember 2000 liebäugelte Arsenals Trainer Arsène Wenger mit einer Verpflichtung des Nachwuchstalents, das Trikot mit der Nummer "9" war bereits mit Zlatans Namen bedruckt, doch Malmö wollte den ungeschliffenen Rohdiamanten nicht hergeben, war man doch gerade dank 12 Treffern von Ibrahimovic in die Erste Liga aufgestiegen. Doch nur wenige Monate später hatte Ajax Amsterdam beim Buhlen um den Jungstar mehr Erfolg. Ajax-Sportdirektor Leo Beenhakker hatte, beeindruckt von einem Traumtor Ibrahimovics gegen den FK Moss in Malmös Trainingslager im spanischen La Manga im März 2001, die Verpflichtung hartnäckig vorangetrieben und letztlich die Konkurrenz ausgestochen.
Anlaufschwierigkeiten in Amsterdam
Als Ibrahimovic im Juli 2001 von Malmö FF für gut acht Millionen Euro zu Ajax Amsterdam wechselte und damit nach Inge Danielsson, Peter Larsson und Stefan Petterson der vierte Schwede wurde, der das Ajax-Trikot überstreifen durfte, hatte er Anlaufschwierigkeiten, musste sich zunächst oft mit einem Platz auf der Ersatzbank begnügen. "Mir fehlte auch die Familie", meint Ibrahimovic. Nur zwölfmal stand er in seiner Debütsaison von Beginn an auf dem Rasen, sechs Treffer standen am Ende der Spielzeit zu Buche. Die schwedische Zeitung "Aftonbladet" bezeichnete ihn als überschätztesten Spieler des Landes.
Doch der Wind hat sich gedreht. In der AmsterdamArena wird er auf Plakaten und Transparanten inzwischen verehrt, unter anderem als "Zlatan - Sohn Gottes" gefeiert. Auch Ajax-Trainer Ronald Koeman weiß, was er an seinem Spieler hat. "Zlatan ist ein Stürmer von internationaler Klasse. Verglichen mit dem Menschen, der hierher kam, hat er eine positive Entwicklung genommen. Heute konzentriert er sich völlig auf den Fussball." Das Lob gibt Ibrahimovic umgehend zurück: "Ronald Koeman ist ein fantastischer Trainer. Er hat Vertrauen in mich und ich in ihn."
Ibrahimovic hat erkannt, dass etwas mehr Zurückhaltung in der Öffentlichkeit seinem sportlichen Werdegang zuträglich ist. In Sachen Interviews hält er sich derzeit eher bedeckt, im vergangenen Jahr ließ er den Namen auf seinem Trikot von "Zlatan" in "Ibrahimovic" ändern, ein Zeichen des Respekts für seinen bosnischen Vater Sefik, der zu allen Heimspielen seines Sohnes von Malmö mit dem Auto nach Amsterdam reist.
Welch Potenzial in ihm schlummert, zeigte die abgelaufene Saison: Als Ajax zum 29. Mal niederländischer Meister wurde, war Ibrahimovic trotz einer Verletzung, die ihn Anfang 2004 zu einer dreimonatigen Pause zwang, mit zwölf Treffern der Toptorjäger in seinem Team.
Lob von Lagerbäck
In Portugal werden in der Nationalmannschaft er, der dribbel- und kopfballstarke Mann mit der Schuhgröße 47, und Rückkehrer Hendrik Larsson das Sturmduo bilden. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit hat Ibrahimovic die Chance mit Nachdruck zu bestätigen, dass er vom Enfant terrible zum Weltklassestürmer gereift ist. Schwedens Nationaltrainer Lars Lagerbäck, der ihn langsam an die schwedische Elf heranführte, ist von den Qualitäten des 1,92 Meter langen Schlakses überzeugt. "Er ist physisch stark, schnell und technisch versiert." Nach dem Sieg gegen England und Ibrahimovics Traumtor lobte Lagerbäck: "Das war sein bestes Länderspiel".
Auch wenn Ibrahimovic beharrlich betont, dass er sich bei Ajax wohl fühlt und noch einen Vertrag bis 2006 hat - eine erfolgreiche EURO 2004 würde die Begehrlichkeiten bei den europäischen Topclubs weiter anheizen. Denn vor allem Juventus Turin, das von einem Sturmduo Ibrahimovic/Trezeguet träumt, aber auch weitere hochkarätige Vereine aus Italien und Spanien locken bereits jetzt mit lukrativen Verträgen - das nächste Grinsen auf Ibrahimovics Gesicht wäre garantiert.
Wenn die dunklen Augen von Zlatan Ibrahimovic, dem schwedischen Nationalstürmer in Diensten von Ajax Amsterdam, zu funkeln beginnen und sich ein schelmisches Grinsen auf seinem Gesicht breit macht, wissen Eingeweihte schon, was sie erwartet. "Du hast ein paar Kratzer im Gesicht, Zlatan. Was ist passiert?", hatte ein Journalist den 22-Jährigen in der Pressekonferenz nach dem 1:0-Sieg Schwedens über England Ende März gerade gefragt. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: "Hm, ich weiß nicht genau, fragen Sie Ihre Frau."
Nur selten nimmt er ein Blatt vor den Mund. Vor zwei Jahren lästerte er über den Norweger John Carew in Anspielung auf dessen technische Fähigkeiten: "Was der mit dem Ball kann, schaffe ich mit einer Orange." Und im Rotlichtviertel von Malmö bekam der 21-fache Nationalspieler schon mal Ärger, weil er sich als Zivilstreife ausgab. Ganz zu schweigen vom Chaos am Flughafen, als er das Sicherheitspersonal fragte, ob sie denn seine Waffe noch nicht entdeckt hätten. "Ich bin nicht verrückt", erklärt Ibrahimovic, "ich möchte nur ein bisschen Spaß haben."
Doch nicht nur neben, sondern auch auf dem grünen Rasen sorgt der Heißsporn mit der schwedischen und bosnischen Staatsangehörigkeit für Schlagzeilen. Als es im EM-Qualifikationsspiel gegen San Marino in der Schlussphase des Spiels Elfmeter für sein Team gab, verweigerte Ibrahimovic dem planmäßigen Schützen Kim Källström die Herausgabe des Balls, trat selbst an und traf. Mit dem Ergebnis, dass die Teamkollegen aus Protest demonstrativ den Torjubel verweigerten. Doch gerade diese Unangepasstheit, die lange Zeit das Markenzeichen des athletischen Stürmers mit dem ausgeprägten Torriecher war, zog vor allem seine jungen Fans magisch in den Bann.
Erste Fussballschuhe mit Fünf
Im Alter von fünf Jahren bekam der kleine Zlatan, der am gleichen Tag wie Schwedens Torhüter Andreas Isaksson das Licht der Welt erblickte, seine ersten Fussballschuhe geschenkt. Und der Bursche war kaum von der Straße zu bekommen. "Ich weiß nicht, wie oft sich die Nachbarn beschwert haben, dass er den Ball in das Gebüsch befördert hat", erinnert sich seine kroatische Mutter Jurka. Aufgewachsen im für seinen hohen Ausländeranteil bekannten Malmöer Vorort Rosengard, wurde er im Alter von 13 Jahren von Malmö FF entdeckt, nachdem er zuvor für den FK Balkan gespielt hatte. Mit 15 hätte er seine Karriere fast frühzeitig an den Nagel gehängt, doch dank eines neuen Vertrags kratzte er die Kurve und blieb Schweden und dem Fussball erhalten. Im Alter von 18 Jahren, als er für Malmö noch in der Zweiten Liga spielte, blickte er in die Zukunft: "Ich werde bei der EURO 2004 spielen", eine Vorhersage, die in wenigen Wochen Realität werden wird.
Im Dezember 2000 liebäugelte Arsenals Trainer Arsène Wenger mit einer Verpflichtung des Nachwuchstalents, das Trikot mit der Nummer "9" war bereits mit Zlatans Namen bedruckt, doch Malmö wollte den ungeschliffenen Rohdiamanten nicht hergeben, war man doch gerade dank 12 Treffern von Ibrahimovic in die Erste Liga aufgestiegen. Doch nur wenige Monate später hatte Ajax Amsterdam beim Buhlen um den Jungstar mehr Erfolg. Ajax-Sportdirektor Leo Beenhakker hatte, beeindruckt von einem Traumtor Ibrahimovics gegen den FK Moss in Malmös Trainingslager im spanischen La Manga im März 2001, die Verpflichtung hartnäckig vorangetrieben und letztlich die Konkurrenz ausgestochen.
Anlaufschwierigkeiten in Amsterdam
Als Ibrahimovic im Juli 2001 von Malmö FF für gut acht Millionen Euro zu Ajax Amsterdam wechselte und damit nach Inge Danielsson, Peter Larsson und Stefan Petterson der vierte Schwede wurde, der das Ajax-Trikot überstreifen durfte, hatte er Anlaufschwierigkeiten, musste sich zunächst oft mit einem Platz auf der Ersatzbank begnügen. "Mir fehlte auch die Familie", meint Ibrahimovic. Nur zwölfmal stand er in seiner Debütsaison von Beginn an auf dem Rasen, sechs Treffer standen am Ende der Spielzeit zu Buche. Die schwedische Zeitung "Aftonbladet" bezeichnete ihn als überschätztesten Spieler des Landes.
Doch der Wind hat sich gedreht. In der AmsterdamArena wird er auf Plakaten und Transparanten inzwischen verehrt, unter anderem als "Zlatan - Sohn Gottes" gefeiert. Auch Ajax-Trainer Ronald Koeman weiß, was er an seinem Spieler hat. "Zlatan ist ein Stürmer von internationaler Klasse. Verglichen mit dem Menschen, der hierher kam, hat er eine positive Entwicklung genommen. Heute konzentriert er sich völlig auf den Fussball." Das Lob gibt Ibrahimovic umgehend zurück: "Ronald Koeman ist ein fantastischer Trainer. Er hat Vertrauen in mich und ich in ihn."
Ibrahimovic hat erkannt, dass etwas mehr Zurückhaltung in der Öffentlichkeit seinem sportlichen Werdegang zuträglich ist. In Sachen Interviews hält er sich derzeit eher bedeckt, im vergangenen Jahr ließ er den Namen auf seinem Trikot von "Zlatan" in "Ibrahimovic" ändern, ein Zeichen des Respekts für seinen bosnischen Vater Sefik, der zu allen Heimspielen seines Sohnes von Malmö mit dem Auto nach Amsterdam reist.
Welch Potenzial in ihm schlummert, zeigte die abgelaufene Saison: Als Ajax zum 29. Mal niederländischer Meister wurde, war Ibrahimovic trotz einer Verletzung, die ihn Anfang 2004 zu einer dreimonatigen Pause zwang, mit zwölf Treffern der Toptorjäger in seinem Team.
Lob von Lagerbäck
In Portugal werden in der Nationalmannschaft er, der dribbel- und kopfballstarke Mann mit der Schuhgröße 47, und Rückkehrer Hendrik Larsson das Sturmduo bilden. Vor den Augen der Weltöffentlichkeit hat Ibrahimovic die Chance mit Nachdruck zu bestätigen, dass er vom Enfant terrible zum Weltklassestürmer gereift ist. Schwedens Nationaltrainer Lars Lagerbäck, der ihn langsam an die schwedische Elf heranführte, ist von den Qualitäten des 1,92 Meter langen Schlakses überzeugt. "Er ist physisch stark, schnell und technisch versiert." Nach dem Sieg gegen England und Ibrahimovics Traumtor lobte Lagerbäck: "Das war sein bestes Länderspiel".
Auch wenn Ibrahimovic beharrlich betont, dass er sich bei Ajax wohl fühlt und noch einen Vertrag bis 2006 hat - eine erfolgreiche EURO 2004 würde die Begehrlichkeiten bei den europäischen Topclubs weiter anheizen. Denn vor allem Juventus Turin, das von einem Sturmduo Ibrahimovic/Trezeguet träumt, aber auch weitere hochkarätige Vereine aus Italien und Spanien locken bereits jetzt mit lukrativen Verträgen - das nächste Grinsen auf Ibrahimovics Gesicht wäre garantiert.
