@Fitness Trainer
deine Theorien vom Westen , Verschörung usw ist typisch für Serben, die sich nicht mit Fakten beschäftigen ,sondern vom Hörensagen und
sogar die eigene Verwandtschaft herhalten muss
Vorab: Erläuterung für jene die ggf. nicht die fundierten Kentnisse über die damalige Sachlage haben:
Ab 1974 bestand Jugoslawien -im Rahmen einer Verfassungsreform- aus 6 Teilrepubliken und 2 Autonomen Gebieten. Dies waren jeweils (Immer mit dem Kürzel SR / Sozialistische Republik davor): Slowenien, Kroatien, Bosnien & Hercegovina, Serbien, Makedonien und Montenegro. Die autonomen Gebiete waren die Vojvodina und das Kosovo, welche formell als Serbien zugehörig galten, praktisch aber einen Republiksstatus hatten. Dies drückte sich in den Stimmrechtsanteilen im Rahmen des jugoslawischen Staatspräsidiums aus, dort hatte jeder das Stimmrecht mit der Gewichtung von 1 Stimme. Dieser Sachverhalt ist wichtig um die späteren Ereignise und die offensichtlichen Vorhaben Milosevics besser zu verstehen.
Vereinigung serbischer Länder:
Mitte der 80-er fordern serbische Intellektuelle der serbischen Akademie der Wissenschaften die Vereinigung aller Serben in einem (serbischen) Staat. Ob nun als Folge daraus oder nicht (spekulativ), folgen 1987 definitiv Beschlüsse des serbischen ZK als Grundlage die man als Beginn einer Antibürokratisierungs-Revolution bezeichnet. Vornehmliches Ziel war hier aber weniger eine „Debürokratisierung“, sondern das Streben die Autonomien des Kosovo und der Vojvodina abzuschaffen, praktisch eine Forderung des oben erwähnten SANU-Memorandums.
Die ganze Stimmung wurde zunehmend nationalistisch, was u.a. auch durch mediale Präsenz von Ultranationalisten wie Vojislav Seselj keinem entgehen konnte. Das ganze ist insofern erstaunlich wenn man bedenkt, das noch 1-2 Jahre zuvor jede Form von Nationalismus massiv verfolgt wurde. Folgender Satz drückt diese Stimmung 1987 daher ganz gut aus:
Oj, Srbijo iz tri dela, ponovo ćeš biti cela. / Oh Serbien aus drei Teilen, wieder wirst Du Einig sein.
In Verlauf dieser Diskussion wurde ein Satz des bosnisch-hercegovinischen Präsidenten Izetbegovic als Beweis für sezessionistische Absichten herangezogen. Es handelt sich hier um folgendes Zitat, gefallen auf einer Wahlkampfveranstaltung irgendwann zwischen März 1990 und den ersten freien Wahlen in BiH. Izetbegovic sagt:
„Bosnien wird nicht in Rumpfjugoslawien oder in einem Großserbien bleiben“
Eine klare Ansage und eine wichtige Positionierung zu einem Zeitpunkt als klar war, dass die SFRJ grosse Umwälzungen erwarten. Kommen wir aber nun zu den Ereignissen die diesem Satz vorausgegangen sind: Erinnern wir uns an die jugoslawische Konstitution. Diese sorgte mit 6+2 für eine erforderliche Machtbalance in einem schwierigen multiethnischen Staat. Rückwirkend betrachtet eine wichtige Voraussetzung, wenn nicht die wichtigste, für die Existenzfähigkeit Jugoslawiens. Er bot:
- Ein Zusammenleben aller Serben unter einem Dach
- Eine Gleichmäßigkeit der politischen Gewichtung unter relativem Ausschluß von Bevölkerungsmehrheiten
- Als Konsequenz daraus: Die Sicherheit der Republiken und Nichtserben das ihnen nichts aufoktroyiert wird.
- Keine Republik eine Vormachtstellung im Rahmen des gemeinsamen Staats erlangen kann.
Rekapitulieren wir:
1974 wird eine verfassungsreform verabschiedet, welche beschriebene Funktionalität des Staates nach dem Prinzip 6+2 sicher stellt. Dem vorausgegangen ist der sog. "kroatische Frühling" dessen Hauptforderungen Bürgerrechte, der Gebrauch nationaler Symbole und ein höherer Grad an Autonomie für Kroatien waren. Die Auslegung dieser Proteste ist unklar. Für Serben war es ein nationalistischer Ausfall, die Kroaten strebten eine grössere Unabhängigkeit von Belgrad an, was grundsätzlich die Dinge eher zentralistisch verwalten wollte.
1980 Tito, der wichtigste Integrator, stirbt. Es beginnen die ersten nat. Bestrebungen auf serbischer Seite, verknüpft mit der Forderung nach Reintegration der beiden Autonomen Republiken.
1985 Serbische Intelektuelle fordern die Vereinigung aller Serben. Dieses Memorandum gilt heute als der Sprengstoff für den Jugoslawien-Konflikt
1987 beschliesst das serbische ZK die "antibürokratische Revolution" die nicht anderes vorsieht als die Schaffung eines starken Serbiens im jugoslawischen Republiksverband in dem die Autonomien aufgehoben werden. Das stabilisierende 6+2 Konzept wird von Milosevic ausgehebelt.
Schauen wir uns nun an, wie Slobodan Milosevic als neuer starker Mann der serbischen Kommunisten dieses Ziel umsetzte:
Am
6.10.1988 tritt die Führung der Vojvodina Autonomie zurück. Ihre Plätze werden von Milosevic Getreuen eingenommen. Dem vorausgegangen sind massive, organisierte Proteste, u.a. das Bewerfen des lokalen Regierungsgebäudes mit Joghurt (Daher: „Jogurt Revolucija“)
Am
7.10.1988 beginnen nun von Milosevic initiierte Massenproteste in der jugoslawischen Teilrepublik Montenegro die am 11.1.1989 mit dem Rücktritt der kompletten Republikführung enden. Auch hier finden sich Milosevic-Getreue an den Machtschaltstellen wieder
Am
23.3.1989 knickt das kosovarische Autonomieparlament ein und beschließt praktisch die Vorlage von Milosevic die zur drastischen Autonomieeinschränkung führt. Vorausgegangen sind albanische Proteste gegen die Autonomiereduktion, die von jugoslawischen Armee- und Polizeikräften gewaltsam unterbunden wurden.
1990 versuchte Milosevic sogar diese Massen in Slowenien auf die Strasse zu bringen, was aber an der Reaktion der slow. Polizei eben so scheiterte wie an der banalen Tatsache das es in Slowenien zu wenig Serben gibt.
Das wichtige Signal aber war:
Slobodan Milosevic kann aus Serbien jede Republiksregierung zu Fall bringen, mit dem Druck der Strasse.Mit politischem Druck, Drohungen und Nutzung üblicher kommunistischer Drangsalierungsmechanismen integrierte Milosevic also diese Autonomen Gebiete wieder in Serbien ein. Offiziell setzte er die Verfassung auf den Stand von 1963 zurück, behielt aber die 1974 eingeführte Stimmoption im jugsl. Staatspräsidium. Slobodan Milosevic nahm sich hier als quasi das beste aus beiden Welten, soll bedeuten: Statt einer Stimme im Staatspräsidum, hatte Milosevic nun 4 Stimmen und konnte das jugos. Präsidium zumindest blokieren. Dies hatte er mit zweifelhaften Methoden erreicht und nur ein völliger Ignorant wird meinen, dass dies von den Nachbarrepubliken, insbesondere Slowenien & Kroatien nicht argwöhnisch beäugt wurde.