Wieder mal mein Senf
1) These von Schoschanah: Die Armenier haben angefangen.
Na ja, zum einen rechtfertigt nichts derartiges Vorgehen gegen Alte, Kranke, Frauen und Kinder. Die Situation insbesondere nach den beginnenden nationalen Befreiungsbewegungen und dem verlorenen russisch-türkischen Krieg wurde ein Teufelskreis. Die Osmanen hatten aus ihrer Sicht verständlich immer mehr Angst vor einem Zerfall. Diese Angst vor inneren Feinden richtete sich v.a. gegen nichtmuslimische Minderheiten, in denen man zuerst potenzielle Verräter sah. Je schärfer jedoch die Restriktionen, desto mehr jedoch auch tatsächlicher Nährboden für entsprechende Bewegungen und umso mehr wieder dann entsprechende Repressionen. Sagt dir Sassun 1894 etwas, die Progrome an den Armeniern 1895/96? Dann wiederum Guerrillabewegung der Dashnaks, Van 1915.... Eine fatale Lage großer Spannungen. Mächte wie Russland verfolgten in dieser Situation ihre Interessen, das kann man nicht abstreiten, auch wenn auch die Russen durchaus auch wie 1913 verschiedene Reformvorschläge und nicht unbedingt zum Nachteil der Osmanen machten.
2) Genozid:
Leider leider wurde diese Frage viel zu sehr politisiert. Auf allen Seiten. Es braucht keine internationale Historikerkommission, die meisten Sachen sind hervorragend aufgearbeitet und armenische Archive offener als viele türkische. Viele Dokumente, die zu einer Planung eines ethnisch von Armeniern gesäuberten Gebietes zeugen sollen, sind mehr als fragwürdig. Etwa das angebliche Treffen der Jungtürken im Februar 1915, die Erinnerungen Naim Beys... Und auch die Heranziehung und Auslegung Gökalps und seiner Ideen in eine entsprechende Richtung ist wahrscheinlich ungerecht, auf jeden Fall fragwürdig.
ABER: Was nicht bestritten werden kann ist, dass die Überlebenden aus v.a. Frauen und Kindern bestanden. Kaum ein männlicher Heranwachsender oder Mann. Dabei sind es jene, die die Deportationen physisch hätten am ehesten überleben müssen. Das deshalb weil diese gezielten Tötungen unterlagen. Und das erfüllt nach der späteren Konvention zur Verhütung und Bestrafung von Völkermord sehr wohl den Tatbestand desselben.
Eine Entpolitisierung des Ganzen wäre so wünschenswert und notwendig.
3) Armenier/Azeri: Xocali war ein schlimmes Verbrechen. Aber in der tragischen Geschichte auch zwischen Azeris und Armeniern nicht das erste und einzige. Beiderseitig. Umgekehrt Schuschi-Blutbäder etwa... Die Familie armenischer Freunde meiner Eltern ist nicht umsonst 1988 aus Sumqayit geflüchtet...
Der Grat zwischen dem daran zu erinnern, dass man sich aller Verbrechen, dann auch der eigenen und nicht nur jenen an dem eigenen Volk begangenen bewusst sein sollte und unwürdiges Aufrechnen ist schmal und schwierig. Konkret Berg Karabach ist einfach traurig, dass es Heimat zweier Völker ist, die aber beide es unbedingt für sich allein beanspruchen und man offenbar nicht in der Lage ist, wenigstens nebeneiander zu leben. tragisch und traurig.
4) Frankreich
Sie haben selbstverständlich das Recht auf eine entsprechende Resolution. Andererseits gibt es durchaus ein etwas merkwürdiges Gefühl, wenn man selbst nicht tut was man von anderen erwartet. Würden sie im gewissen Sinne "voran gehen", würde das auch glaubwürdiger sein.
Guten Abend