In Kroatien ist eine völlig neue Generation von Politikern an der Macht, die nicht in den Ereignissen der 90-er involviert war. Die SDP ist kein kommunistischer Altkaderverein, in der Opposition (HDZ) findet eine Abnabelung und damit Säuberung von den alten Geistern statt. Irgendwann landen da auch Typen wie Seks, Vukojevic & Co. auf der Mülldeponie. Rechtsextreme oder radikale politische Parteien oder Gruppierungen spielen kaum eine Rolle im Jahr 2012 in Kroatien.
In Serbien sieht das anders aus: Knapp 13 Jahre nach dem letzten Balkankrieg kommen dort Leute an die Macht, die sich im wesentlichen an die Denke der 90-er anlehnen und teilweise selbst daran beteiligt waren. Kennzeichnend: Serbien hat einen Präsidenten der als Freischärler unterwegs war. Einstige Gefolgsleute Milosevics, organisatorisch mitverantwortlich für die Ereignisse der 90-er, sitzen nun wieder an den Schaltstellen der Macht. Wenn man mal den groben Vergleich zieht, dann ist das ungefähr so als ob in Deutschland des Jahres 1958 die NPD die Macht im Lande übernommen hätte und der Deutsche Kanzler sich als von Nationalsozialismus geläuterter Mensch darstellt. Tatsächlich begann in Deutschland aber zu dieser Zeit das sog. "Wirtschaftswunder" an Fahrt aufzunehmen, während man sich in Serbien einem Dunstkreis zuwendet, der für die Kriege hauptverantwortlich war.
Man macht es sich in Serbien zu einfach, die Politiker für alles verantwortlich zu machen. Das Problem ist doch vielmehr, dass populistische Töne in Serbien auf einen guten Nährboden stoßen und sich ein Politiker mit Ambitionen doch genau daran ausrichtet. Wer also in Serbien gewählt werden will darf nicht die unbequemen Dinge aussprechen und unbequeme Wege beschreiten, sondern er setzt auf einem Mix aus Nationalismus, Diffamierung politischer Gegner und populistischen Marktgeschreie.
Da scheint die demokratische Entwicklung der Kroaten am weitesten und -vorbildhaft zu sein.