Just wait a second...
Ich höre zum ersten mal, dass Russland mit einem Atomkrieg droht??
Die tun das nicht direkt (das würde zu eklatant aussehen), sondern indirekt, nämlich über ihre TV-treuen Leute wie Dmitry Kiselyov.
http://einarschlereth.blogspot.de/2014/03/das-russische-staatsfernsehen-sagt-man.html
https://news.pn/de/politics/99393
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Helmut Schmidt sagt
Die Ukraine ist keine Nation! Stimmt das überhaupt?
Mittwoch, 21.05.2014, 08:52 · von FOCUS-Online-Autor
Harald Wiederschein
dpa Für eine einige, unabhängige Ukraine: Demonstranten auf dem Maidan in Kiew.
Es gibt keine ukrainische Nation – behauptet Altbundeskanzler Helmut Schmidt. Nicht nur mit Blick auf die aktuelle Realität, auch historisch betrachtet ist das falsch. Er vertritt damit dieselbe These wie russische Propagandisten, die mit dieser Begründung die Ukraine zerstören wollen.
Die Politik des Westens basiere auf einem großen Irrtum, äußerte Helmut Schmidt vergangenen Samstag in einem
Interview mit der "Bild"-Zeitung: „dass es ein Volk der Ukrainer gäbe, eine nationale Identität.“ In Wahrheit, führte er weiter aus, gebe es die
Krim, die Ost- und die West-Ukraine. Und während die Krim sowieso nur ein „Geschenk“ Chruschtschows an die Ukraine gewesen sei, würde die West-Ukraine größtenteils aus ehemaligen polnischen Gebieten bestehen, allesamt römisch-katholisch, sagte er in der "Bild". Hingegen liege die Ost-Ukraine, überwiegend russisch-orthodox, auf dem Gebiet der Kiewer Rus, dem einstigen Kerngebiet Russlands.
„In ihrem Kern ist diese Aussage blanker Unsinn“, urteilt Ulf Brunnbauer, Direktor des Instituts für Ost- und Südosteuropaforschung in Regensburg (IOS). Selbstverständlich existiere eine ukrainische Nation, was auch Umfragen im ganzen Land immer wieder bestätigt hätten. Bei der letzten Volkszählung im Jahr 2001 hätten 78 Prozent der Bevölkerung „Ukrainer“ bei der Frage nach ihrer Nationalität angegeben. „Darauf kommt es an“, betont der Experte. Denn eine Nation definiere sich nicht durch Merkmale wie eine gemeinsame ethnische Herkunft oder eine einheitliche Religion. Vielmehr sei sie ein Bewusstseinszustand der Bürger, die sich ihr als zugehörig betrachteten.
Der Nationalstaat erwacht im 19. Jahrhundert
Entstanden ist das ukrainische Nationalbewusstsein übrigens nicht erst in den letzten Jahren oder Jahrzehnten. 1991 hatte die Ukraine ja ihre staatliche Unabhängigkeit erlangt, als das sowjetische Imperium zerbrach. „Die ukrainische Nation hat sich im 19. Jahrhundert herausgebildet wie andere Nationen in Europa auch“, erläutert Gertrud Pickhan, Historikerin am Osteuropa-Institut der Freien Universität Berlin. Im Westen der Region, der damals zum Habsburgerreich gehört habe, sei es sogar zu einer nationalen Massenbewegung gekommen. Aber auch im zum Zarenreich gehörigen Osten habe es derartige Bestrebungen gegeben. Die russische Seite habe massiv versucht, sie zu unterdrücken.
Die nationalen Bestrebungen gipfelten im Juni 1917, als die Ukraine erstmals ein unabhängiger Staat wurde. „Damals erfolgte eine weitreichende nationale Mobilisierung, die auch die Bevölkerungsmehrheit der Bauern mit einschloss“, erläutert Pickhan. Doch die staatliche Unabhängigkeit war nur von kurzer Dauer. Nach dem Polnisch-Sowjetischen Krieg teilten sich im Jahr 1921 Polen, Rumänien und die Tschechoslowakei den Westen des Landes auf. Der Osten hingegen wurde ein Jahr später Teil der neu gegründeten Sowjetunion.
Die Ukraine war nicht später dran als andere Nationen
„Vor dem 19. Jahrhundert kann man nirgendwo von Nationen sprechen“, betont Pickhan. In der Ukraine habe sich nicht später als in den übrigen europäischen Ländern ein Nationalbewusstsein herausgebildet. Auch in Russland selbst sei das nicht anders gewesen. Bis dahin sei das Riesenreich nämlich ein Vielvölker-Imperium und kein Nationalstaat gewesen. Erst recht habe es sich einst bei der mittelalterlichen Kiewer Rus um ein multiethnisches - von Ostslawen, Wikingern, Balten und anderen ethnischen Gruppen geprägtes - Gebilde gehandelt, von dem keine Kontinuitätslinie zum heutigen Russland führe.
Video: Reichster Ukrainer ergreift Partei für Kiew
Thomson Reuters Aufruf zum Protest: Reichster Ukrainer ergreift Partei für Kiew
Umstrittene These von Helmut Schmidt
Russische Propaganda
dpa/Maurizio Gambarini Umstrittene Äußerungen zum Ukraine-Konflikt: Altbundeskanzler Helmut Schmidt
In einem Punkt mag Helmut Schmidt zumindest implizit Recht haben: In der Ukraine gibt es tatsächlich große regionale Unterschiede. Das hat auch und nicht zuletzt mit der Geschichte des Landes zu tun. „Beispielsweise wirkt sich die Tatsache, dass der Westteil des Landes bis zum Ersten Weltkrieg zum Habsburgerreich gehörte, während über den Osten der russische Zar herrschte, bis heute aus“, sagt Ulf Brunnbauer, Direktor des IOS in Regensburg. Doch ähnliches sei auch in anderen Ländern der Fall, ohne dass dies ihre Einheit und Existenzberechtigung in Frage stellen würde. Beispielsweise in Rumänien, wo ebenfalls ein Teil zum Habsburgerreich gehört hätte und der Rest nicht.
Im Detail wird das Statement des Altbundeskanzlers dann allerdings schon wieder falsch. „Die Westukraine ist keineswegs durchgängig römisch-katholisch, vielmehr sind dort Römisch-Katholische eine kleine Minderheit“, betont Brunnbauer. Auch dort gebe es viele orthodoxe Christen, und viele Gläubige gehörten der Griechisch-katholischen Kirche an. Die konfessionelle Vielfalt in der Ukraine sei sehr groß und lasse sich nicht in ein strenges Ost-West-Schema unterteilen. Viele Ukrainer seien ohnehin konfessionslos.
Legitimation, um die Ukraine zu zerstören
„Mit seiner gesamten Aussage folgt Schmidt russischen Propagandisten, die behaupten, die Ukraine sei keine eigene Nation, sondern ein Teil Russlands“, sagt Brunnbauer. Ziel dieser Propaganda sei, eine Legitimation dafür zu bekommen, die Ukraine zu zerstören. Doch entscheidend sei die aktuelle Realität. Die Mehrzahl der Ukrainer ziehe es vor, in ihrem eigenen Staat zu leben. Selbst im Russland besonders nahestehenden Osten seien die prorussischen Separatisten in der Minderheit.