"Sie hatten Angst, ihre Geschichte öffentlich zu machen"
Genauso ungern wird die arabische Öffentlichkeit an den nationalsozialistischen Massenmord erinnert. Schulbücher, Filme und Fernsehsendungen skizzieren das Leid der Araber im Zuge der jüdischen Einwanderung nach Palästina und der
israelischen Staatsgründung in allen Facetten - der Holocaust als Vorgeschichte wird dabei entweder relativiert oder nur als Randaspekt erwähnt. Saudi-Arabien und Libanon haben sogar das Tagebuch der Anne Frank offiziell verboten, weil es die zionistische Ideologie propagiere und Juden als Opfer darstelle.
Dieses gesellschaftliche Klima und der andauernde
Nahost-Konflikt haben dazu beigetragen, dass viele Araber und Iraner, die Juden während des Zweiten Weltkriegs retteten, in Vergessenheit geraten sind. "Viele Araber und ihre Nachfahren hatten Angst, ihre Geschichten öffentlich zu machen. Und die Juden haben sich nicht genug darum bemüht, die Leistungen der Araber zu würdigen", sagt Robert Satloff, ein Nahost-Historiker, der ein Standardwerk über die Auswirkungen des Holocaust auf die arabische Welt geschrieben hat.
Die Gedenkstätte
Jad Vaschem bestreitet, dass sie arabische oder iranische Judenretter diskriminiert. Irina Steinfeld, Leiterin der Abteilung "Gerechter unter den Völkern" verweist darauf, dass unter den fast 25.000 Geehrten auch etwa 60 Muslime seien - Tataren, Albaner, Bosnier und Türken. "Es hat nie den Versuch gegeben, jemandem den Titel zu verweigern, weil er Muslim ist", versichert Steinfeld. Insgesamt drei Gremien mit jeweils zehn Mitgliedern entscheiden darüber, wer als Gerechter unter den Völkern gelten darf. Für die Aufnahme in die Liste braucht es eine Zweidrittelmehrheit.