𝐖𝐞𝐫 𝐢𝐬𝐭 𝐡𝐢𝐞𝐫 𝐝𝐢𝐞 „𝐋𝐮̈𝐠𝐞𝐧𝐩𝐫𝐞𝐬𝐬𝐞“?
Unter meinen letzten Beiträgen taucht immer wieder derselbe Vorwurf auf:
ARD und ZDF seien angeblich „Lügenpresse“. Dabei erklärte ich nur, wo unsere Nachrichten her kommen und wie diese Redaktionen funktionieren. Aber gut. Zurück zum Vorwurf.
Also schauen wir uns kurz die Realität an.
Für die ARD arbeiten rund 23.000 festangestellte Menschen.
Beim ZDF kommen etwa 3.900 Festangestellte dazu – plus mehrere Tausend freie Journalistinnen und Journalisten.
Allein an der Tagesschau sind über 200 Personen an Recherche, Produktion und Prüfung beteiligt.
Zusammen bedeutet das:
Zehntausende Medienschaffende, kontrolliert durch Rundfunkräte, Öffentlichkeit, Konkurrenzmedien, Gerichte und Presserat.
Und jetzt die Gegenperspektive:
Portale wie NIUS arbeiten mit einer Redaktion von ungefähr 30 bis 40 Mitarbeitenden.
Geprägt wird das Projekt unter anderem von Julian Reichelt,
mit bekannten Namen aus früheren Boulevard-Redaktionen wie
Ralf Schuler, Julius Böhm, Alexander Möhnle, Louis Hagen, Jan Aleksander Karon,
Judith Sevinç Basad oder Anabel Schunke.
Finanziert wird das Projekt maßgeblich durch den Unternehmer Frank Gotthardt.
Wirtschaftlich schrieb das Unternehmen in der Anfangsphase Millionenverluste –
ein Hinweis darauf, dass hier weniger ein klassischer Medienmarkt
als vielmehr politische Wirkung im Mittelpunkt steht.
Medienbeobachter und Aufsichtsbehörden werfen solchen Portalen zudem immer wieder vor,
verkürzte Darstellungen, irreführende Zuschnitte von Aussagen oder nachweislich falsche Behauptungen zu verbreiten,
die ein bestimmtes politisches Bild verstärken sollen.
Der entscheidende Unterschied liegt dabei nicht darin, dass Fehler passieren,
sondern dass solche Verzerrungen gezielt in Kauf genommen oder bewusst erzeugt werden,
ohne sie anschließend transparent zu korrigieren.
Um den Begriff „Lügenpresse“ ernst zu nehmen, müsste man glauben,
dass Zehntausende Journalistinnen und Journalisten
über Jahre hinweg gemeinsam systematisch lügen –
während gleichzeitig kleine, politisch klar verortete Teams
als Einzige die Wahrheit kennen.
Viele, die „Lügenpresse“ rufen, gehen noch weiter
und behaupten zusätzlich, der öffentlich-rechtliche Rundfunk sei staatlich gelenkt
oder folge einer von oben vorgegebenen Linie.
Doch genau dagegen sprechen Struktur und Kontrolle des Systems:
föderale Sender, unterschiedliche Redaktionen, öffentliche Aufsichtsgremien,
Gerichte, Konkurrenzmedien und ständige Kritik aus allen politischen Richtungen.
Ein zentral gesteuertes Wahrheitsmonopol würde unter dieser dauerhaften Beobachtung
kaum über Jahre hinweg unentdeckt funktionieren.
Und NIUS steht nicht allein.
Ähnliche Angebote im selben Meinungsspektrum sind zum Beispiel
Tichys Einblick, Apollo News, Achgut, Junge Freiheit oder Reitschuster –
allesamt deutlich kleinere Redaktionen als der öffentlich-rechtliche Rundfunk,
aber mit klarer politischer Positionierung.