Und wenn du Länder vergleichst, Dayko. Bei uns im Fernsehen kannst du vom Genozid reden. Ich meine damit auch Politiker, Historiker... An den Tscherkessen, an den Tschetschenen. Brauchst du Belege? Und mit Verlaub, ich glaube nicht, dass du im türkischen Fernsehen einfach so ohne größere Probleme vom Genozid an den Armeniern sprechen kannst. Und Fernsehen ist die Plattform für breitesten Diskurs, der den größten Teil einer Gesellschaft erreicht. Bei uns verfilmt man Dinge wie "Leben und Schicksal". Bei uns präsentiert man dem Fernsehpublikum Wajdas "Katyn". Wir haben keinen Paragraphen zur Beleidigung der Ehre des Russentums, wegen dem man belangt werden kann.
Ich mache weiter. Ein russischer Präsident begeht z.B. den Jahrestag eben dieses Katyn. Brauchst du Belege? Einen türkischen, der nach Srebrenica fährt, habe ich nicht in Jerewan gesehen.
Und jetzt muss ich dir mal sagen, du hast den Ländervergleich hier gestartet. Da antworte ich auch entsprechend. Sehr ungern und unwillig.
Im türkischen Fernsehen hat man heutzutage wenig Spielraum, wir leben im Ausnahmezustand.
Noch vor 3 Jahren konnte man über die Opferzahlen der Armenier diskutieren, stundenlang. Der Beweis hierfür: Tarihin Arka Sayfası(Habertürk) stundenlange Programme am Samstagabend bis früh in den Morgen. Murat Bardakçı, der Moderator hatte über die Zahlen ein Buch veröffentlicht.
Bei uns wird man verhaftet, Putin hat andere, noch konsequentere Methoden um Oppositionelle aus dem Weg zu raeumen.
Warum dieser Vergleich mit Srebrenica? Auch aus dem Balkan habe ich Vorfahren, auch sie sind nicht freiwillig nach Anatolien ausgewandert.
In der heutigen Türkei gibt es ein dickes Bevölkerungsanteil, die vertrieben wurden und in Anatolien eine Zuflucht gefunden haben. Wer von denen könnte sich von internationalen Beschlüssen beeindrücken lassen solange ihre Vergangenheit ignoriert wird.
feel free, Lilith
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Beide Regierungen sind nicht einwandfrei und beide sind kein Musterbeispiel in Punkto Menschenrecht.
Beide Länder setzen aber auf verschiedene Prinzipien um ethnische Minderheiten im Zaum zu halten.
Wobei die Russen, bei den Tscherkessen ihre eigenen Strukturen gebrochen haben, indem sie das Siedlungsgebiet in 3 Provinzen/Republiken unterteilt haben, um eine Tscherkessische Einheit zu verhindern. Das ist ziemlich untypisch, aber die Tscherkessen waren wohl eine extrem starke Bedrohung und ich glaube man hatte schlichtweg Angst vor den Tscherkessen, dafür spricht auch, dass die Russen selbst nach 1864 vom Osmanischen Reich gefordert haben Tscherkessen nicht militärisch zu nutzen.
Daran haben sich die Osmanen und Türken natürlich nicht gehalten![]()
Russland setzt nicht auf Assimilierung, das kann man so festhalten, für die ist es selbstverständlich neben Russe aauch was "anderes" zu sein. Die Tscherkessischen Sprachen sind in Russland nicht ausgestorben und gelten auch als Amtsprachen in den entsprechenden Regionen. Anders könnte Russland so ein Riesengebiet gar nicht halten. Aber der Genozid hat nun mal auch seine Spuren hinterlassen in Sotchi und in der Republik Adigeja sind Tscherkessen in der eigenen Heimat eine Minderheit von ca. 0,6%. Ich glaube auch dass erst seit Kurzem wieder Tscherkessen höhere Ämter in der Republik bekommen, vorher wurden sie doch schlichtweg übergangen.
In den Kabardino-Balkarien und in Karatschai-Tscherkessien ist die Position der Tscherkessen deutlich stärker.
Die Türkei setzt auf Assimilierung, Tscherkessen und Türken haben schon eine enge Beziehung, aber Fakt ist, dass man ca. 4 Millionen Tscherkessen in der Türkei hat von denen kaum einer Tscherkessisch spricht und auch die eigene Kultur nicht kennt.
Die Tscherkessen waren schon immer türkeitreu, aber auch sie durften in der Türkei für lange Zeit weder Sprache noch Kultur ausleben und auch keine Kulturzentren bilden. Das ist inzwischen vorbei. Aber die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen.
Aber diese Phase gab es nun mal in der Türkei.
Auch wenn man inzwischen viel lockerer ist in der Türkei.
Selbst die Diasporatscherkessen in Syrien und Jordanien haben ihre Kultur mehr gepflegt.
Der Weg von einem multiethnischen Reich zu einem Nationalstaat, und das in einer Flaeche, die dreimal so klein ist.