[h1]Bosnien-Modell Vukosavlje [/h1]
[h2]Nicht alle Bosnier wählten nach ethnischen Kriterien [/h2]
In Bosnien-Herzegowina haben die nationalen Parteien bei den Kommunalwahlen am Sonntag den Sieg davongetragen. Da die drei Millionen wahlberechtigten Bosniaken, Kroaten und Serben mehrheitlich innerhalb ihrer großen ethnischen Parteien geblieben sind, kamen die Wahlen einer Volkszählung gleich.
Aber es gibt auch Hoffnungsvolles zu vermelden. In einigen Gemeinden der Föderation (jener Landesteil, in dem vorwiegend Bosniaken und Kroaten leben) haben unabhängige Kandidaten gewonnen, die mit viel Eigeninitiative und wenig Geld wahlkämpften. Und auch neue Parteien haben sich durchgesetzt. In Bosanski Petrovac hat "Unsere Partei" des Filmemachers und Oscar-Preisträgers Danis Tanovic das Rennen um den Bürgersessel gemacht. Tanoviæ hat die Partei erst vor einem halben Jahr gegründet. In Bosanski Petrovac, das im Westen der Föderation liegt, lebten vor Beginn des Krieges mehrheitlich bosnische Serben (75 Prozent). Heute leben etwa zur Hälfte Bosniaken, zur Hälfte Serben in der Stadt. Offenbar haben aber die meisten Bürger die nationale Rhetorik satt.
Multiethnische Partei
Auch in der Republika Srpska (dem zweiten, mehrheitlich von Serben bewohnten Teil Bosnien-Herzegowinas, kurz RS genannt) gibt es eine Gemeinde, in der die Wähler ihren Unmut gegen die großen Parteien zeigten. In Vukosavlje bekam die sozialdemokratische, multiethnische SDP die Mehrheit. Die Partei des Premiers der RS, Milorad Dodik, die serbischen Unabhängigen Sozialdemokraten (SNSD) und die Serbische Demokratische Partei (SDS) von Mladen Bosic hatten hier nichts zu melden.
Aber auch in anderen Gemeinden votierten einige Bosnier nicht nach ethnischen Kriterien. In der Stadt Doboj etwa gewann der Bürgermeisterkandidat der serbischen SDS, Obren Petrovic, die Wahlen mithilfe der bosniakischen Wähler. Auch in der ostbosnischen Stadt Foèa stellten die großen bosniakischen Parteien keinen Kandidaten, sodass sich die bosniakischen Wähler mehrheitlich für einen serbischen Bürgermeister entscheiden mussten.
Insgesamt stellt die serbische SNSD von Dodik den Bürgermeister in 41 Gemeinden von Bosnien-Herzegowina, die bosniakische (muslimische) Partei der demokratischen Aktion (SDA) von Sulejman Tihic führt in 36 Gemeinden. Die Kroatische Demokratische Gemeinschaft (HDZ-BIH) von Dragan Covic wird in 16 Gemeinden die Leitung übernehmen, während die multiethnische Sozialdemokratische Partei (SPD) von Zlatko Lagumdzija in neun Gemeinden den Posten des Bürgermeisters gewann.
Die Serbische Demokratische Partei (SDS), die von Radovan Karadzic gegründet wurde, ist mit 15 Bürgermeistern vertreten. Der große Verlierer ist die Partei für Bosnien-Herzegowina (SBiH) des Vorsitzenden des bosnischen Staatspräsidiums, Haris Silajdzic. Sie kann nur in vier Gemeinden den Bürgermeister stellen. (Erdin Kadunivc aus Sarajewo/DER STANDARD, Printausgabe, 8.10.2008)