Der Waffenstillstand hält nicht. Die Lüge schon.
Weniger als 24 Stunden. So lange hat dieser Waffenstillstand gehalten, bevor die Straße von Hormus wieder geschlossen war.
Iranisches Staatsfernsehen bestätigte die Schließung am Mittwochabend. Als Reaktion auf israelische Angriffe im Libanon. Das Weiße Haus bestritt es. Pressesprecherin Karoline Leavitt sagte, Trump sei privat mitgeteilt worden, die Straße sei geöffnet. Die öffentlich kursierenden Berichte seien falsch. Die halboffizielle Nachrichtenagentur Tasnim, die der Revolutionsgarde nahestehen soll, berichtete gleichzeitig, Iran prüfe einen vollständigen Ausstieg aus dem Waffenstillstand. Irans Streitkräfte identifizierten bereits Ziele. Sollten die USA ihren wilden Hund in der Region nicht zügeln können, würde Iran ihnen dabei ausnahmsweise helfen – mit Gewalt.
Zwei Wirklichkeiten. Eine Straße. Geschlossen.
Was dazwischen passiert war, lässt sich nicht wegdiskutieren. Israel hatte am Mittwochnachmittag während der Rushhour Beirut angegriffen. Fünf Stadtteile gleichzeitig, ohne Vorwarnung. Mehr als 180 Menschen starben, Hunderte wurden verletzt. Es war der tödlichste Tag im aktuellen Israel-Hisbollah-Krieg. Ganze Gebäude wurden zerstört, Straßen mit Trümmern bedeckt, Krankenhäuser riefen zur Blutspende auf. Rettungskräfte suchten noch Stunden nach dem Angriff nach Überlebenden. UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte die Angriffe in ungewöhnlich scharfer Sprache. Die Angriffe stellten eine ernste Gefahr für den Waffenstillstand dar, sagte sein Sprecher Stéphane Dujarric. Er rief alle Parteien zur sofortigen Einstellung der Feindseligkeiten auf.
Drei Journalisten starben an diesem Tag.
Mohammed Wishah, Korrespondent von Al Jazeera, wurde in einem Drohnenangriff in Gaza getötet. Die israelische Armee bezeichnete ihn als Hamas-Mitglied und veröffentlichte dazu einen Tweet aus dem Jahr 2024. Israel stuft ihn dadurch als Hamas-Mitglied ein und verweist auf Bildmaterial mit Waffenbezug. Solche Aufnahmen sind jedoch nicht eindeutig, da Journalisten in Kriegsgebieten auch Kämpfer begleiten. Unabhängig überprüfbare Belege gibt es bislang nicht. In Libanon starben Ghada Dayekh, Moderatorin bei Sawt Al-Farah, und Suzan Khalil, Reporterin bei Al-Manar TV und Al-Nour Radio, alles Hisbollah-nahe Medien.
Leavitt stand am Mittwoch vor der Presse und verteidigte Trumps Drohung, eine ganze Zivilisation sterben zu lassen. Es sei eine sehr starke Drohung gewesen, die dazu geführt habe, dass das iranische Regime in die Knie gegangen sei. Jeden Hinweis auf eine moralische Überlegenheit Irans nannte sie beleidigend. Sie sagte das mit dem Gesicht einer Frau, der nichts davon etwas ausmacht.
Weniger als 24 Stunden. So lange hat dieser Waffenstillstand gehalten, bevor die Straße von Hormus wieder geschlossen war.
kaizen-blog.org