Vom 11. September zum Iran: Warum Trump heute Bushs Krieg führt
Mit dem Versprechen „diese endlosen Kriege zu beenden“ schaffte es Trump ins Weiße Haus, jetzt kommt er aus dem Iran-Krieg nicht heraus. Der 11. September hat auch ihn eingeholt
Er könne es gar nicht glauben, dass er die Twin Towers nicht mehr von seinem Fenster aus sehen könne: Viel mehr hatte Donald Trump zur Tragödie des 11. September nicht zu sagen. Er saß als Immobilienmogul in seinem Trump Tower in Manhattan, und als George Bush wenige Wochen danach in den Afghanistan-Feldzug zog und sich eineinhalb Jahre später in das Irak-Abenteuer stürzte, da applaudierte ihm Trump noch.
„All diese sinnlosen Kriege beenden“
Als der Irak bald darauf in Terror und Bürgerkrieg versank - und die US-Armee mit ihm, verwandelte sich Trump in einen Kriegsgegner. Das Versprechen „all diese sinnlosen Kriege“ endlich zu beenden, war seine wichtigste Trumpfkarte auf dem Weg ins Weiße Haus 2016. Seine Wähler hatten genug davon, in all diesen Kriegen verheizt zu werden, wollten nichts mehr wissen vom großartigen „Nation Building“, irgendwo am anderen Ende der Welt, aus dem zuletzt eh nichts wurde.
Bushs fatale Kehrtwende - und die langfristigen Folgen
Heute steckt Trump selbst in einem dieser sinnlosen Kriege am anderen Ende der Welt fest, findet keinen Weg heraus aus dem Konflikt mit dem Iran, so wie George Bush einst aus dem Irak. Mit dem Angriff auf den Iran ist er in die ideologische Falle getappt, die George Bush einst stellte, als er drei Monate nach dem 11. September auf einmal den Iran zum Teil der „Achse des Bösen“ erklärte, zusammen mit dem Irak und Nordkorea.
Als sich die Staubwolken des World Trade Centers in Manhattan gelegt hatten, war klar, dass Amerika in den Angriff gehen musste - allerdings nicht gegen den Iran. Der hatte nämlich als schiitischer Gottesstaat mit den Al Qaida und Osama bin Laden nichts zu tun, betrachtete sich vielmehr als strategischer Gegner dieses sunnitischen Terrors. Also meldeten sich hochrangige Vertreter des damals eher gemäßigten iranischen Regimes - Präsident Mohammad Khatami wollte die Aussöhnung mit dem Westen - in Washington und boten ganz konkret Hilfe in Afghanistan an. Das Land am Hindukusch war für Teheran ohnehin eine Art politischer Hinterhof, man hatte dort verbündete Machthaber - und die würden jetzt die USA dabei unterstützen, das Taliban-Regime zu stürzen. Washington nahm das Angebot an. Wenige Wochen später schüttelte US-Außenminister Colin Powell die Hand seines iranischen Kollegen Kamal Kharrazi.
Mit dem Versprechen „diese endlosen Kriege zu beenden“ schaffte es Trump ins Weiße Haus, jetzt kommt er aus dem Iran-Krieg nicht heraus. Der 11. September hat auch ihn eingeholt
kurier.at