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Balkaner
[h=1]Abschied von Serbien[/h]Die serbische Regierung findet sich allmählich mit dem Verlust der Region Kosovos ab. Die vor rund einem Jahr errichteten Straßenblockaden werden entfernt. Die im Kosovo lebende serbische Minderheit fühlt sich allerdings von Belgrad im Stich gelassen. von Hubert Beyerle, Mitrovica
Ein meterhoher Haufen aus Sand, Geröll und Betonbrocken versperrt die Durchfahrt über die Ibar-Brücke in Mitrovica im Norden des Kosovo. Nur wenige Fußgänger überqueren die Brücke, bepackt mit Plastiktüten vom Einkauf. Davor stehen ein altes Militärzelt und miefige Wachhäuschen. In der Hitze stehen die von der Bevölkerung Brückenwächter genannten Männer aber lieber draußen und passen auf ihre Barrikade auf - die den überwiegend serbisch besiedelten Norden von den Kosovo-Albanern trennt.
Serben stehen an der letzten serbischen Barrikade im Nordkosovo unweit von Mitrovica
Die meisten dieser Steinhaufen hat die internationale SchutztruppeKfor in den vergangenen Monaten schon entfernt. Der Posten in der geteilten Stadt Mitrovica ist eines der letzten Überbleibsel des serbischen Aufruhrs, der vor einigen Monaten das Kosovo erschütterte. "Ich mache hier nur meinen Job", sagt einer der Brückenwächter auf die Frage nach seiner Mission.
Der Ärger um die Straßenblockaden hatte vor einem Jahr begonnen, als die Kosovo-Regierung in Pristina in einer Überraschungsaktion Kontrollstellen an der Grenze zum eigentlichen Serbien errichtete. Die Straßenblockaden der Serben vor Ort waren die Protestreaktion darauf - doch mittlerweile wirken sie eher hilflos. Die Serben im Kosovo fühlen sich zunehmend alleingelassen - vor allem von der politischen Elite in Belgrad, für die sie lange genehm waren als Instrument im Machtpoker mit der Kosovo-Regierung und der EU.
Karte vom Kosovo
Gut geht es derzeit nur dem serbisch-albanischen Schmugglermilieu, das sich in der fast polizeifreien Zone eingerichtet hat. In den vergangenen Tagen haben Kfor-Einheiten an kleineren Straßen Sperren errichtet, um die Zufahrt von Lkw über die Berge zu verhindern, auf denen sie die neuen kosovarischen Zollstationen an den beiden Hauptstraßen umfahren. Die Anwohner demonstrierten auch dagegen, allerdings friedlich. "Wir haben uns versammelt, um der internationalen Gemeinschaft, Belgrad und Pristina die Botschaft zu senden, dass wir nicht aufgegeben haben", sagte Radenko Nedeljkovic, serbischer Politiker im Nordkosovo, auf einer Kundgebung.
Im Nordkosovo nördlich des Flusses Ibar leben rund 40.000 Serben, die sich bislang weigern, mit irgendeiner Kosovo-Behörde zusammenzuarbeiten. So sieht man hier keine kosovarischen Autokennzeichen. Stattdessen gibt es alte serbische oder - die häufigere Variante - gar keine. Seit in Belgrad eine nationalistische Regierung an der Macht ist, droht es sogar noch einsamer zu werden um die Kosovo-Serben. Schon unter der Präsidentschaft des Pro-Europäers Boris Tadic hatten sich die verbliebenen rund 130.000 Serben im Kosovo und die Staatsführung in Belgrad entfremdet. Doch der neuen Regierung, die nicht ständig ihre Glaubwürdigkeit in der Kosovo-Frage betonen muss, könnte es noch leichter fallen, im Stillen Zugeständnisse an die albanische Seite zu mache Viel wird derzeit über Verhandlungen zwischen Serbien und dem Kosovo spekuliert: "Die internationale Gemeinschaft drängt die wichtigsten Vertreter der Albaner zu einer Koalition, um mit Serbien über das Nordkosovo zu verhandeln", sagt Agron Demi, Direktor des Thinktanks GAP in Pristina. Im Norden herrschte bis zuletzt die Hoffnung, dass das Kosovo geteilt wird. Im vergangenen Jahr hatte Ivica Dacic, damals noch serbischer Innenminister, die Teilungsidee wieder aufleben lassen. Inzwischen ist der Sozialist Dacic Ministerpräsident, aber der Glaube an die Durchsetzungskraft des im Kosovo geborenen ehemaligen Milosevic-Gefolgsmanns ist gering. "Ach, Dacic hat doch keine Chance", tönt es in einem verrauchten und dunklen Café in Nord-Mitrovica.Der Rest der Serben lebt verstreut in verschiedenen isolierten Gemeinden im Rest des Kosovo. Diese haben sich inzwischen arrangiert mit den Behörden des Landes. Sie fahren Autos mit kosovarischen Kennzeichen, und ihre serbischen Bürgermeister wurden im Rahmen der kosovarischen Gemeindestruktur gewählt. Doch auch im Süden ist die Frustration unter den Serben groß. Auch hier gibt es Proteste gegen Diskriminierung. "Laut Gesetz ist das Kosovo zweisprachig, faktisch kommt man mit Serbisch nicht weit", sagt Bojan Teofilovic vom serbischen Zentrum für Frieden und Toleranz in Gracanica. "Laut Gesetz sind zehn Prozent der Stellen in der Verwaltung für Serben reserviert. Faktisch sind es nur 0,5 Prozent. Viele Politiker sehen unsere Situation durch eine rosarote Brille."
Ein meterhoher Haufen aus Sand, Geröll und Betonbrocken versperrt die Durchfahrt über die Ibar-Brücke in Mitrovica im Norden des Kosovo. Nur wenige Fußgänger überqueren die Brücke, bepackt mit Plastiktüten vom Einkauf. Davor stehen ein altes Militärzelt und miefige Wachhäuschen. In der Hitze stehen die von der Bevölkerung Brückenwächter genannten Männer aber lieber draußen und passen auf ihre Barrikade auf - die den überwiegend serbisch besiedelten Norden von den Kosovo-Albanern trennt.
Die meisten dieser Steinhaufen hat die internationale SchutztruppeKfor in den vergangenen Monaten schon entfernt. Der Posten in der geteilten Stadt Mitrovica ist eines der letzten Überbleibsel des serbischen Aufruhrs, der vor einigen Monaten das Kosovo erschütterte. "Ich mache hier nur meinen Job", sagt einer der Brückenwächter auf die Frage nach seiner Mission.
Der Ärger um die Straßenblockaden hatte vor einem Jahr begonnen, als die Kosovo-Regierung in Pristina in einer Überraschungsaktion Kontrollstellen an der Grenze zum eigentlichen Serbien errichtete. Die Straßenblockaden der Serben vor Ort waren die Protestreaktion darauf - doch mittlerweile wirken sie eher hilflos. Die Serben im Kosovo fühlen sich zunehmend alleingelassen - vor allem von der politischen Elite in Belgrad, für die sie lange genehm waren als Instrument im Machtpoker mit der Kosovo-Regierung und der EU.
Gut geht es derzeit nur dem serbisch-albanischen Schmugglermilieu, das sich in der fast polizeifreien Zone eingerichtet hat. In den vergangenen Tagen haben Kfor-Einheiten an kleineren Straßen Sperren errichtet, um die Zufahrt von Lkw über die Berge zu verhindern, auf denen sie die neuen kosovarischen Zollstationen an den beiden Hauptstraßen umfahren. Die Anwohner demonstrierten auch dagegen, allerdings friedlich. "Wir haben uns versammelt, um der internationalen Gemeinschaft, Belgrad und Pristina die Botschaft zu senden, dass wir nicht aufgegeben haben", sagte Radenko Nedeljkovic, serbischer Politiker im Nordkosovo, auf einer Kundgebung.
Im Nordkosovo nördlich des Flusses Ibar leben rund 40.000 Serben, die sich bislang weigern, mit irgendeiner Kosovo-Behörde zusammenzuarbeiten. So sieht man hier keine kosovarischen Autokennzeichen. Stattdessen gibt es alte serbische oder - die häufigere Variante - gar keine. Seit in Belgrad eine nationalistische Regierung an der Macht ist, droht es sogar noch einsamer zu werden um die Kosovo-Serben. Schon unter der Präsidentschaft des Pro-Europäers Boris Tadic hatten sich die verbliebenen rund 130.000 Serben im Kosovo und die Staatsführung in Belgrad entfremdet. Doch der neuen Regierung, die nicht ständig ihre Glaubwürdigkeit in der Kosovo-Frage betonen muss, könnte es noch leichter fallen, im Stillen Zugeständnisse an die albanische Seite zu mache Viel wird derzeit über Verhandlungen zwischen Serbien und dem Kosovo spekuliert: "Die internationale Gemeinschaft drängt die wichtigsten Vertreter der Albaner zu einer Koalition, um mit Serbien über das Nordkosovo zu verhandeln", sagt Agron Demi, Direktor des Thinktanks GAP in Pristina. Im Norden herrschte bis zuletzt die Hoffnung, dass das Kosovo geteilt wird. Im vergangenen Jahr hatte Ivica Dacic, damals noch serbischer Innenminister, die Teilungsidee wieder aufleben lassen. Inzwischen ist der Sozialist Dacic Ministerpräsident, aber der Glaube an die Durchsetzungskraft des im Kosovo geborenen ehemaligen Milosevic-Gefolgsmanns ist gering. "Ach, Dacic hat doch keine Chance", tönt es in einem verrauchten und dunklen Café in Nord-Mitrovica.Der Rest der Serben lebt verstreut in verschiedenen isolierten Gemeinden im Rest des Kosovo. Diese haben sich inzwischen arrangiert mit den Behörden des Landes. Sie fahren Autos mit kosovarischen Kennzeichen, und ihre serbischen Bürgermeister wurden im Rahmen der kosovarischen Gemeindestruktur gewählt. Doch auch im Süden ist die Frustration unter den Serben groß. Auch hier gibt es Proteste gegen Diskriminierung. "Laut Gesetz ist das Kosovo zweisprachig, faktisch kommt man mit Serbisch nicht weit", sagt Bojan Teofilovic vom serbischen Zentrum für Frieden und Toleranz in Gracanica. "Laut Gesetz sind zehn Prozent der Stellen in der Verwaltung für Serben reserviert. Faktisch sind es nur 0,5 Prozent. Viele Politiker sehen unsere Situation durch eine rosarote Brille."
