2008 trat ich dann also meinen Wehrdienst an und verlängerte ihn auf 23 Monate. Im Frühjahr 2011 sollte ich dann im Rahmen der ISAF nach Afghanistan. Sehr gespaltene Gedanken, erstmal vor allem Angst, die legte sich irgendwann aber wieder, kam dann aber auch wieder zurück. Ein ständiges Hin und Her. Dann ging es aber doch nach Kunduz. Ausgestattet mit einer G36 (Sturmgewehr) sowie P8 (Pistole), Einsatzkleidung und dem sonstigen "ich-flick-dich-wieder-zusammen"-Kram begann es dort dann. 6 Monate sollte es dauern. Ich "durfte" nach 3-einhalb wieder zurück nach Deutschland (Mitte Juli), weil ich am oberen Sprunggelenk angeschossen wurde. Nichts tragisches, nur konnte ich nicht laufen.
Welch eine Ironie, der Sanitäter (ich) war der einzige an dem Tag, der verwundet wurde. Heute kann ich darüber lachen. Damals fand ich es nicht so lustig.
Während des Einsatzes wurde auch ein anderer Soldat getötet, mit dem ich mich dort angefreundet hatte. Keine 30 Jahre alt. Das mit dem Einsatz habe ich hier kurz etwas ausgeführt, damit man vielleicht meine Anti-Kriegshaltung verstehen kann. Ich hatte Monate lang Angstzustände, habe wirklich darauf gewartet, daß es gleich irgendwo knallt, weil Anschläge waren/sind dort fast schon Alltag! So geht es auch vielen Soldaten nachher. Schlimm wird es, wenn es vor Ort auch so ist, weil dann gefährdet man den Einsatz und somit auch andere. Mittlerweile hat sich das bei mir so einigermaßen normalisiert. Wenn ich irgendwo einen lauten Knall oder so höre, bekomme ich dennoch kurzzeitige Panik.