Trump verhängt neue Strafzölle gegen Brasilien – Bolsonaro bleibt der Schatten im Hintergrund
Donald Trump greift erneut zu Strafzöllen gegen Brasilien. Ab kommender Woche erhebt seine Regierung 25 Prozent auf tausende brasilianische Produkte. Öl, Erdgas, Kaffee, Rindfleisch, Orangen und Flugzeugteile bleiben zwar ausgenommen, Ethanol dagegen wird zusätzlich belastet. Offiziell begründet Washington den Schritt mit unlauteren Handelspraktiken, Korruption, unzureichendem Schutz geistigen Eigentums und Benachteiligungen amerikanischer Unternehmen. Dabei exportieren die Vereinigten Staaten seit Jahren mehr nach Brasilien, als sie von dort einführen. Trotzdem wirft Washington der Regierung in Brasília vor, eigene Industrien abzuschirmen und amerikanische Firmen wie Visa oder Apple beim digitalen Zahlungsverkehr zu benachteiligen. Selbst Brasiliens Kampf gegen die Abholzung des Regenwaldes taucht erneut als Vorwurf auf, obwohl die Zerstörung der Wälder zuletzt deutlich zurückging.
Der Streit hat jedoch längst eine politische Ebene erreicht. Bereits im vergangenen Jahr setzte Trump Strafzölle ein, um den früheren Präsidenten Jair Bolsonaro zu unterstützen, der inzwischen wegen seines Versuchs, nach der verlorenen Wahl 2022 an der Macht zu bleiben, zu einer jahrzehntelangen Haftstrafe verurteilt wurde. Damals nahm Trump viele der wichtigsten brasilianischen Exportgüter wieder von den Zöllen aus. Kurz nach dem Urteil gegen Bolsonaro verschwanden die meisten Maßnahmen erneut. Im Februar erklärte der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten Trumps damalige Notstandsregelung für rechtswidrig. Jetzt nutzt seine Regierung ein anderes Handelsgesetz, um dieselben Zölle erneut einzuführen. Brasilien kündigte umgehend Gegenmaßnahmen an und will den Streit vor die Welthandelsorganisation bringen.
Die Entscheidung trifft das Land mitten im Präsidentschaftswahlkampf. Präsident Luiz Inácio Lula da Silva bewirbt sich um eine weitere Amtszeit. Sein Gegner ist Flávio Bolsonaro, der Sohn des früheren Präsidenten. Während Lula Trump vorwirft, Brasiliens Souveränität anzugreifen, versucht Flávio Bolsonaro inzwischen Abstand zu den Strafzöllen zu gewinnen. Noch vor wenigen Wochen hatte er in Washington um Unterstützung für seine politische Bewegung geworben. Jetzt bittet er die amerikanische Regierung, mit den neuen Zöllen wenigstens bis nach der Wahl zu warten.