Kurz und bündig. Mag sein, dass der eine oder andere nicht-serbische Kriegsverbrecher freigesprochen wurde oder verstorben ist. Die Versuche, die historische Verantwortung für die Jugoslawienkriege zu relativieren und die Rolle von Milosevic, Karadzic und Mladic reinzuwaschen, stehen im klaren Widerspruch zur internationalen Rechtsprechung. DerICTY hat in jahrzehntelangen Verfahren die zentrale Rolle der damaligen serbischen und bosnisch-serbischen Führung bei der Planung und Durchführung von systematischen ethnischen Säuberungen, Kriegsverbrechen und dem Völkermord von Srebrenica lückenlos dokumentiert. Die rechtskräftigen Verurteilungen von Karadzic und Mladic zu lebenslanger Haft wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit sind unumstößliche juristische Fakten, die sich nicht durch Propaganda umschreiben lassen. Eine nachträgliche Täter-Opfer-Umkehr verzerrt die Geschichte und stellt eine tiefe Respektlosigkeit gegenüber den Opfern der Aggression dar. Die historische Wahrheit und das Leid von Hunderttausenden Menschen lassen sich durch politische Relativierungsversuche nicht ungeschehen machen.
Die Behauptung, der ICTY sei ein rein politisches Gericht gegen Serben gewesen, ist ein bekanntes Narrativ zur Täter-Opfer-Umkehr, das den dokumentierten historischen Fakten und völkerrechtlichen Urteilen widerspricht.
Der ICTY war ein von der UN-Vollversammlung getragenes, unabhängiges Tribunal, das Verbrechen aller Konfliktparteien auf der Grundlage rechtsstaatlicher Beweise verurteilte. Serbien agierte unter Milosevic, bekannt auch als Schlächter vom Balkan, als der zentrale Aggressor, indem es den Krieg aktiv schürte, paramilitärische Einheiten finanzierte und das Ziel verfolgte, ein ethnisch homogenes Großserbien mit Gewalt zu erzwingen, was auch der Möchtegerngenozidler Vucic in Glina verkündete. Die hohe Zahl serbischer Verurteilter spiegelt schlicht das Ausmaß und die Systematik der von serbischer Seite geplanten und exekutierten ethnischen Säuberungen sowie des Völkermords in Srebrenica wider. Ein Gericht als politisch zu diffamieren, nur weil es die Hauptverantwortlichen einer Aggression zur Rechenschaft zieht, ist ein durchschauender Versuch, sich der historischen Schuld zu entziehen, kennt man ja auch von der Rehabilitation der Cetniks und das abfeiern solcher Massenmörder als Helden. Wer die Urteile des ICTY leugnet, stellt sich gegen den globalen juristischen Konsens und verhöhnt die Opfer dieses Angriffskrieges.