Die meisten Krimtataren kehrten 1985 - 1989, unter Gorbatschow, auf der Krim zurück - als sich die Ukraine noch nicht von der Sowjetunion losgesagt hat und noch kein Staat war.
Stimmt gar nicht. Bei der Volkszählung aus 1989 wurden auf der Krim nur etwa 20.000 Krimtataren gezählt, während 200.000 nach 1989 zurückgekehrt sind.
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Unter Putin wurden die Krim Tataren übrigends reabilitiert. Und es wird erwartet das sie auf die Krim zurückkeren.
Die Tataren wurden bereits 1967 rehabilitiert, doch sie durften nicht zurücklehren. Erst nach der Unabhängigkeit der Ukraine kehrten sie in Massen zurück.
Bezüglich der aktuellen Rückkehr von der du sprichst:
04.05.14
Ukraine
Krimtataren durchbrechen russischen Kontrollposten
Spektakulärer Zwischenfall an der russisch-ukrainischen Grenze: Quasi als menschlicher Schutzwall haben Tausende Krimtataren die Einreise ihres verbannten Anführers auf die Halbinsel erzwungen.
Foto: REUTERS Konfrontation: Krimtataren erzwingen ein Treffen mit ihrem Anführer
Gegen den Widerstand russischer Sicherheitskräfte: Mehrere Tausend Krimtataren haben am Samstag ein Treffen mit ihrem Anführer Mustafa Dschemilew erzwungen. Zwischen den Muslimen und der Polizei kam es zu einem Handgemenge an einem Kontrollposten in Armjansk an der Demarkationslinie zur Ukraine, auf deren gegenüber liegenden Seite Dschemilew auf sie wartete.
Die mit Autos angereisten Tataren durchbrachen schließlich trotz Warnschüssen der rund 50 Sicherheitskräfte die Absperrungen und begrüßten ihren Anführer mit ukrainischen Flaggen.
Am Freitag war Dschemilew,
dem das Betreten russischen Bodens für fünf Jahre untersagt ist, am Besteigen eines Flugzeug gehindert worden, das ihn über Moskau auf die Krim bringen sollte. Nachdem er unverrichteter Dinge nach Kiew zurückkehren musste, wollte ihn die Medschlis genannte Versammlung der Tataren am Samstagmorgen in Armjansk empfangen.
Dschemilew reiste auf dem Landweg dorthin, durfte die Demarkationslinie aber ebenso wenig passieren wie seine Anhänger, woraufhin diese randalierten. Der prorussische selbsternannte Krim-Gouverneur Sergej Aksjonow bezeichnete dies später als bewusste "Provokation" Dschemilews.
Von den rund zwei Millionen Bewohnern der Schwarzmeer-Halbinsel, die mehrheitlich russische Wurzeln haben, gehören schätzungsweise 300.000 dem muslimischen Turkvolk der Tataren an. Unter Diktator Josef Stalin wurden sie einst als "Nazi-Kollaborateure" verfolgt und zwangsumgesiedelt.
Erst zum Ende der Sowjetunion durften sie in ihre Heimat zurückkehren. Die Angliederung der Krim an Russland hatten die Tataren aufgrund ihrer historischen Erfahrung vehement abgelehnt. Das Referendum über die Loslösung der Halbinsel von der Ukraine Mitte März boykottierten die meisten von ihnen.
In Moskau werden die Krimtataren als Risikopotenzial gesehen. Mit muslimischen Ethnien führt Russland schon in den Teilrepubliken Tschetschenien und Dagestan einen jahrelangen Krieg, der auch zu Terroranschlägen in Moskau und anderen russischen Metropolen führte.
AFP/dpa/omi
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Dschemilew: "Krimtataren fühlen sich wie zu Breschnews Zeiten"

Bild: (c) REUTERS (STRINGER)
Der Führer der Krimtataren, Mustafa Dschemilew, will trotz Einreiseverbots auf die Krim reisen. Er befürchtet große Ausschreitungen nächste Woche.
08.05.2014 | 18:27 | DUYGU ÖZKAN (Die Presse)
Wien. Mustafa Dschemilew ist fest entschlossen: Nächsten Sonntag, am 18. Mai, will er auf der Krim sein. Seit der Alt-Präsident der Krimtataren Mitte April aus der Halbinsel ausgereist ist – und seit der Annexion durch Russland –, darf er seine Heimat nicht mehr betreten. Nächsten Sonntag aber findet auf der Krim eine Gedenkveranstaltung statt, die ohne ihn kaum stattfinden könne: An diesem Tag vor genau 70 Jahren ließ Stalin die Krimtataren nach Sibirien deportieren. „Hat man so eine Dummheit schon erlebt?“, fragt Dschemilew mit Blick auf sein Einreiseverbot. „So lange haben wir gekämpft, damit wir wieder auf die Krim dürfen, und nun das.“
Dass Dschemilew in die Krim einreisen darf, glaubt er indessen selbst nicht – er wolle allerdings nichts unversucht lassen. Notfalls werde er eine Gedenkfeier an der Grenze abhalten. Unabhängig davon werden mehrere zehntausend Menschen auf der Krim der Deportation gedenken, so Dschemilew. Er fürchte großflächige Ausschreitungen zwischen den Tataren und russischen Krim-Bewohnern. Beide Seiten könnten provozieren, sagt der 70-Jährige zur „Presse“.
Kein fruchtbares Gespräch mit Putin
Dschemilew – seine Familie wurde ebenfalls deportiert – wuchs in der usbekischen Verbannung auf. Er trat gegen das Sowjetregime auf und verbrachte dafür 15 Jahre in Haft. Er war es auch, der die Rückkehr der Krimtataren auf die Halbinsel federführend organisierte. „Heute fühlen sich die Krimtataren wie zu Breschnews Zeiten“, sagt der Aktivist. Wie zu Sowjetzeiten unter Führung Leonid Breschnews würde auch heute auf der annektierten Krim die Selbstorganisation der Tataren nicht anerkannt. Erst kürzlich drohte Russland damit, ihre Nationalversammlung (Medschlis) schließen zu wollen. Dschemilew stand lange Jahre der Medschlis vor.
Von seinem Treffen mit dem russischen Präsidenten, Wladimir Putin, könne Dschemilew indessen nichts Greifbares berichten. Putin habe seine bereits bekannten Positionen dargelegt: Zum einen, dass in der Ukraine Faschisten am Werk, zum anderen, dass die ethnischen Russen in Gefahr seien. Beide Behauptungen seien Lügen. Putin habe ihm zwar versichert, dass den Krimtataren unter russischer Führung in allen Belangen geholfen werde, er selbst habe ihm aber geantwortet, dass die einzige Hilfe „der Rückzug seiner Soldaten von der Krim“ sei.
Für Dschemilew ist die derzeitige Kiewer Regierung die demokratischste seit Erlangen der Unabhängigkeit. Das Krim-Referendum erkenne er, wie auch die internationale Staatengemeinschaft, nicht an – zumal 99 Prozent der Krimtataren die Teilnahme boykottiert hätten.
Gegen Auswanderung in die Türkei
Auch den russischen Pass würden die Krimtataren ablehnen. Dabei lautet die Moskauer Lesart, dass von den rund 280.000 Krimtataren lediglich 3000 den russischen Pass abgelehnt hätten. „Diejenigen, die den russischen Pass angenommen haben, kann man an einer Hand abzählen“, sagt Dschemilew dazu. Und weiter: „Wir haben uns so gewöhnt an die Lügen der Russen, dass wir nichts mehr ernst nehmen können.“ Die doppelte Staatsbürgerschaft würden beide Länder nicht erlauben.
Seit der Annexion dürften rund 8000 Bewohner die Halbinsel verlassen haben, die meisten davon Krimtataren. Während viele in den Westen der Ukraine geflüchtet sind, hat Ankara der turksprachigen Ethnie ebenfalls „die Türen geöffnet“, wie Dschemilew sagt. Er sei aber gegen eine Auswanderung in die Türkei. Man könne sich viel zu schnell an das Leben dort gewöhnen und nicht mehr auf die Krim zurückkehren. „Unser Ziel ist es, auf eigenem Boden zu bleiben.“ Von der Kiewer Regierung werde er zwar unterstützt, aber deren Möglichkeiten seien auch beschränkt.
Ob nun gegen Dschemilew tatsächlich ein fünfjähriges Einreiseverbot besteht, wie ihm an der Grenze mitgeteilt wurde, wisse er selbst nicht. Ein anderes Mal habe man ihm gesagt, dass er bis Ende dieses Jahres nicht einreisen dürfe. Offiziell dementiert Russland ein Einreiseverbot.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2014)