Der Tiefpunkt
Es gibt Momente, in denen die Maske fällt und die Fratze dahinter sichtbar wird. Momente, in denen selbst die geschickteste PR-Maschinerie nicht mehr verbergen kann, was längst offensichtlich ist: dass der moderne Fußball seine Seele verkauft hat, dass seine Funktionäre zu Hofnarren von Despoten geworden sind, dass das schöne Spiel zur hässlichen Bühne für Kriegsverbrecher mutiert ist. Was sich gestern im Oval Office abspielte, war kein diplomatischer Fauxpas. Es war die Bankrotterklärung eines Sports, der einst Menschen vereinte und heute vor Massenmördern buckelt. Donald Trump zieht ein Foto aus seiner Schublade, zeigt es der Weltöffentlichkeit wie ein Kind seine Sammelkarten: Vladimir Putin, der Mann, der ukrainische Städte in Schutt und Asche legt, der Kinder unter Trümmern begräbt, der systematisch die Zivilbevölkerung eines souveränen Staates terrorisiert. „Er möchte sehr gerne hier sein“, verkündet Trump mit einem Grinsen, während FIFA-Präsident Gianni Infantino daneben steht wie ein Komplize, der beim Verbrechen ertappt wurde, aber zu feige ist, um zu fliehen.
Infantino, dieser Schweizer Apparatschik, der sich gerne als Reformer inszeniert, steht stumm daneben, während ein amerikanischer Präsident Kriegsverbrecher Putin die Bühne bietet. Kein Widerspruch, kein Unbehagen, nicht einmal der Versuch einer diplomatischen Distanzierung. Stattdessen das übliche FIFA-Lächeln, jenes eingefrorene Grinsen, das wir schon aus Katar kennen, wo Gastarbeiter für Stadien starben, das wir aus Russland kennen, wo Oppositionelle verschwanden, während der Ball rollte.
Die Rechnung der Schande
Während Infantino schweigt, sterben Menschen. Nicht irgendwo, nicht abstrakt, sondern konkret, messbar, dokumentiert. Über 10.000 ukrainische Zivilisten wurden seit Beginn der russischen Invasion getötet. Zehntausende verletzt. Millionen vertrieben. Städte ausradiert. Kulturstätten vernichtet. Und die FIFA? Spendet eine Million Dollar – weniger als Infantinos Jahresgehalt – und nennt es humanitäre Hilfe. Eine Million Dollar, während ukrainische Fußballvereine ihre Existenz verlieren, während Stadien zu Ruinen werden, während Spieler an der Front sterben, statt auf dem Rasen zu stehen. Serhii Palkin von Schachtar Donezk hat es auf den Punkt gebracht: Die FIFA hat den ukrainischen Fußball von Anfang an ignoriert. Schlimmer noch: Sie hat ihn verraten. Während russische Bomben auf ukrainische Städte fallen, während eine US-Waffenfabrik in der Ukraine von russischen Raketen getroffen wird – Trump ließ beiläufig durchblicken, dass Putins Wunsch nach einer WM-Teilnahme keineswegs unrealistisch sei – und Insider teilten uns heute, wenn auch unbestätigt, mit, dass selbst die FIFA bereits über entsprechende Vorbereitungen nachdenkt.
Es gibt Momente, in denen die Maske fällt und die Fratze dahinter sichtbar wird. Momente, in denen selbst die geschickteste PR-Maschinerie nicht mehr verbergen kann, was längst offensichtlich ist: dass der moderne Fußball seine Seele verkauft hat, dass seine Funktionäre zu Hofnarren von Despoten...
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