Die Predigt des Paulus gegen Heiden ist meist maßvoller als die gegen «Ketzer» und Juden. Nicht nur einmal spielt er die Heiden gegen die Juden aus (S. 124). Wiederholt wendet er sich ostentativ «den Heiden zu». Wie er denn selbst «der Heiden Apostel» sein will, die Heiden «Miterben» nennt, «den Heiden das Heil» verheißt, auch die (heidnische!) Obrigkeit preist, die «von Gott» sei, «Gottes Ordnung» repräsentiere und «das Schwert nicht umsonst» trage (das seinen eignen Kopf doch abschlug – und immerhin dreimal traf ihn, trotz seines Bürgerrechts, die römische Strafe des Peitschens. Und siebenmal sperrte man ihn ein).17
Freilich kann auch Paulus schon kein gutes Haar an den Heiden lassen; sieht er sie «wandeln in der Eitelkeit ihres Sinnes, verfinstert im Verstande», in «Unwissenheit», «Stumpfheit»,
«Verstockung», in «Ausübung jeglicher Unlauterkeit», «jeder Ungerechtigkeit, Bosheit, Habsucht, Schlechtigkeit, voll Neid und Mord», sie sind, sagt Paulus, «nach Gottes Recht des Todes
würdig»! Auch hat «Götzendienst» – ganz in der Tradition des ihm so verhaßten Judentums – Unzucht und Habgier zur Folge, «Götzendiener» nennt er wiederholt in einem Atemzug
mit Räubern. Doch schimpft er sie auch Lästerer, Unzüchtige, Trunkenbolde, Ohrenbläser, Verleumder, Gottesverächter. Und so warnt er vor ihren Festen, untersagt die Teilnahme am
Kult ihrer «Götzen», ihrer sakramentalen Mähler, an «der Teufel Gemeinschaft», «der Teufel Kelch», dem «Tisch der Teufel» – starke Worte. Und ihre Philosophen? «Da sie sich für weise
hielten, sind sie zu Narren geworden.»18 Doch auch sonst lodert im Neuen Testament schon der Haß
auf das Heidentum. Ohne Zögern setzt der 1. Petrusbrief den altgläubigen Lebenswandel gleich mit «Trunkenheit, Fresserei, Sauferei und greulichem Götzendienst». Die Offenbarung des Johannes
schmäht Babylon – ein Name, der für Rom und römische Herrschaft steht – «Behausung der Teufel», «Gefängnis aller unreinen Geister».
Sie stellt die «Götzendiener» sogar neben die Mörder, neben «die Ungläubigen und Frevler und Totschläger», die «Unzüchtigen und Zauberer … und alle Lügner, deren Teil wird
sein in dem Pfuhl, der mit Feuer und Schwefel brennt». Denn Heidentum, «das Tier», gehört dorthin, «wo der Satan wohnt», des «Satans Thron ist». Also soll der Christ die Heiden weiden
«mit einem eisernen Stabe, und wie eines Töpfers Gefäß soll er sie zerschmeißen». Alle frühchristlichen Schriftsteller, selbst, betont E. C. Dewick, die liberalsten, übernehmen «diese kompromißlose Feindschaft»19.