Aktuelles
  • Herzlich Willkommen im Balkanforum
    Sind Sie neu hier? Dann werden Sie Mitglied in unserer Community.
    Bitte hier registrieren

Die Stadt Wien

Hitze, Hitzetote, Klimaschutz: Was Wien jetzt tun muss
Klimaforscher Marc Olefs über hitzebedingte Todesfälle, politische Versäumnisse und warum er trotz allem optimistisch in die Zukunft blickt.
Das Thermometer kratzt an der 40-Grad-Marke. In den Freibädern wird jeder Schattenplatz zur Mangelware und Wiesen verfärben sich gelb-braun. Gleichzeitig steigt die Zahl der hitze-assoziierten Todesfälle. Trotzdem verschwindet die Debatte über den Klimawandel oft genauso schnell wieder, wie die Temperaturen sinken. Klimaforscher Marc Olefs spricht über politische Fehlentscheidungen, Wiens Rolle im Kampf gegen die Klimakrise und warum er trotz allem optimistisch in die Zukunft blickt.

Nach jeder Hitzewelle ist der Klimawandel plötzlich wieder Thema. Vergessen wir ihn zu schnell?

Marc Olefs: Während extremer Wetterereignisse wie einer Hitzewelle oder Starkregen rückt der menschengemachte Klimawandel wieder stärker ins Bewusstsein der Menschen. Erfahrungsgemäß nimmt diese Aufmerksamkeit aber schnell wieder ab, sobald die unmittelbare Betroffenheit vorbei ist.


 
Hitze in der Stadt? Ein Fahrverbot für Verbrenner-Autos hilft!
Der Verkehr heizt den urbanen Raum zusätzlich stark auf. Einschränkungen könnte für schnelle Abkühlung sorgen. So kämen viele Menschen auch einmal aus ihrer Komfortzone – mit den Öffis gibt es ja gute Alternativen

Während der ersten Hitzewelle Anfang Juli stand ich in Wien an einer Ampel und spürte unangenehm die heiße Luft. Da schob sich ein viel zu groß geratenes Auto direkt neben mich. Die Motorhaube glühte förmlich. Ein Audi Q7, 2.200 Kilogramm schwer, um eine Person zu bewegen. "Raus mit dir aus der Stadt!" schoss es mir durch den Kopf.

Nicht genug, dass die Autos mit Verbrennermotor durch die Nutzung fossiler Rohstoffe den Klimawandel anheizen. In diesen Tagen ist ihre Abwärme geradezu absurd, eine besondere Form der Rücksichtslosigkeit. Bis zu zehn Grad kann es in großen Städten heißer werden als am Land!

Doch es scheint das Gegenteil der Fall: In diesen dramatischen Tagen werden die Autos kopflos weiter genutzt. Wahrscheinlich fühlt sich eine Fahrerin oder ein Fahrer im klimatisierten Gefährt besonders wohl.

 
Große Baustelle
Neue Wege für das Wiener Wasser
Wien hat eines der ältesten städtischen Wasserversorgungsnetze der Welt. Es deckt einen Bedarf von durchschnittlich 400 Millionen Litern täglich. Aber mit der Größe der Stadt wächst ihr Durst. Um die Versorgung langfristig zu sichern, baut die Stadt Förderung, Speicherkapazitäten und Leitungsnetz aus. In Wien entstehen eine fünfte Hauptleitung und ein neues Wasserwerk, die weitaus größte Baustelle findet sich aber an der „alten“ I. Hochquellenleitung in Niederösterreich.

Der Verbrauch der Stadt wird nach wie vor zum größten Teil über die I. und II. Hochquellenleitung aus dem steirisch-niederösterreichischen Grenzgebiet gedeckt, dazu kommen Grundwasserbrunnen in und um Wien. Das Wasser aus 70 Quellfassungen und 30 Brunnen wird in 31 Speichern gesammelt – 29 in und zwei außerhalb der Stadtgrenze. Von dort verteilen es mehr als 3.000 Kilometer Rohrleitungen auf Haushalte und kommerzielle Verbraucher.

Der Bedarf der Stadt liegt im Regelfall bei 400 Millionen Liter (400.000 Kubikmeter) pro Tag und 130 Liter pro Person, was weitgehend dem österreichischen Durchschnitt entspricht. Während Hitzewellen wie der aktuellen steigt er dementsprechend.

Aktuell deutlich erhöhter Verbrauch
Laut der für das Wiener Wasser zuständigen Magistratsabteilung (MA) 31 lag der Verbrauch am Montag bei 500.000 Kubikmetern. Während der ersten Hitzewelle im Juni hatte der Spitzenverbrauchswert 600.000 Kubikmeter erreicht, so die MA 31 in einer Presseaussendung am Mittwoch. Bis 2050, wenn Wien dann nach Schätzungen rund 2,3 Millionen Einwohner zählen wird, dürfte der Regelverbrauch pro Tag auf mindestens 450.000 Kubikmeter steigen.

Großprojekt Neusiedl am Steinfeld
Mit der Strategie „Wiener Wasser 2050“ reagiert die Stadt auf zunehmenden Verbrauch auch als Folge des Klimawandels. Die Speicherkapazitäten sollen deutlich steigen, vor allem über den in Bau befindlichen Trinkwasserbehälter Neusiedl am Steinfeld im südlichen Niederösterreich.

 
Klo-Debatte
Eine junge Wienerin klagt die Stadt wegen Diskriminierung bei Toiletten
Frauen müssen in 29 öffentlichen Klos bezahlen, für Männer sind Pissoirs gratis – die Begründung finden die Grünen "bizarr". Eine Wienerin geht jetzt vor Gericht

"Ich war mit einem Freund im Stadtpark und wir mussten beide auf die Toilette. Er konnte kostenlos urinieren, ich musste 50 Cent bezahlen", erzählt Melanie Gradik. Eine Szene, die wohl vielen Wienerinnen bekannt ist. "Ich dachte mir: Wie ist das möglich?", sagt sie im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP weiter. Also verklagt die 27-Jährige die Stadt Wien.

Schon länger sorgen die öffentlichen Toiletten in Wien für Kritik: In einigen Bedürfnisanstalten können Männer kostenlos Pissoirs benutzen, während für die Klokabinen 50 Cent gezahlt werden müssen. Damit zahlen zwar nicht ausschließlich Frauen, faktisch trifft die Gebühr aber vor allem jene, die auf eine geschlossene Kabine angewiesen sind. Für Gradik und ihre Anwältin Petra Laback verstoße das gegen das Antidiskriminierungsgesetz.

Also klagt sie die Stadtverwaltung auf Schadenersatz wegen Diskriminierung, nachdem eine Schlichtung scheiterte. "Entweder wir alle zahlen 50 Cent oder niemand", sagt Gradik.

20 kostenpflichtige Klos mit gratis Pissoirs
Ein Blick auf die Zahlen: In Wien ist die MA 48 derzeit für 168 öffentliche Toilettenanlagen zuständig. Davon sind 139 kostenlos, für 29 WC-Anlagen muss ein Entgelt von 50 Cent bezahlt werden – allerdings nur für die Kabinen. Die Stadt begründet die Gebühr mit dem erhöhten Aufwand an stark frequentierten Orten: Während der Betreuungszeit ist dort Reinigungspersonal anwesend.

 
Weniger Zuzug, mehr Jobs: Warum sich der Wiener Arbeitsmarkt stabilisiert
Wien hat zwar hohe Arbeitslosenzahlen – seit Monaten sinkt aber die Zahl der Arbeitssuchenden und die Beschäftigung wächst. Woran das liegt und welche Baustellen es noch zu beseitigen gilt.
Die Situation am Arbeitsmarkt ist nicht rosig. Die am Dienstag vom AMS veröffentlichten Zahlen zeigen österreichweit einen Anstieg um knapp 2,3 Prozent auf rund 376.000 Arbeitslose.

In Wien zeichnet sich dennoch ein leicht positiver Trend ab, weswegen sich ein genauerer Blick auf die Bundeshauptstadt lohnt.

Grundsätzlich gilt nach wie vor, dass Wien mit 11,7 Prozent die mit Abstand höchste Arbeitslosenquote hat (siehe auch Grafik). Aber dafür ist in Wien nun schon seit sieben Monaten in Folge, also seit inklusive Februar, die Zahl der Arbeitssuchenden zurückgegangen. Im Österreichschnitt gab es hingegen jeweils Zuwächse.

Das habe mehrere Gründe, heißt es dazu beim Wiener AMS. Einer davon sei, dass es weniger Zuzug gäbe – sowohl aus dem Ausland als auch aus den Bundesländern, wodurch das Arbeitskräftepotenzial nicht mehr so stark steigt.

 
Hitze in Wien: Expertin fordert radikale Änderungen der Stadtplanung
Ein bisschen grüner reicht ihr nicht: Landschaftsarchitektin Lilli Lička setzt sich für ein Umdenken ein und kämpft für einen unverbauten Westbahnpark.
Die Initiative „westbahnpark.live“ sammelte Tausende Unterschriften, organisierte Veranstaltungen, forderte Beteiligung ein. Ihr Ziel: einen unbebauten Park hinter dem Westbahnhof durchzusetzen. Landschaftsarchitektin Lilli Lička ist eine der Gründerinnen und nach wie vor in der Bewegung aktiv.

KURIER: Der diesjährige Sommer war der heißeste der Messgeschichte. Er hat gezeigt, wie notwendig freie, gut bepflanzte Flächen in Städten sind. Wie weit ist Wien an solche Temperaturen angepasst?

Lilli Lička: Die Stadt sagt immer: Wien ist grün und wird immer grüner. Das ist eigenartig, weil die Stadt gleichzeitig immer weiter bebaut wird. Wien hat mehr als 50 Prozent Grünfläche. Die ist sehr ungleich verteilt. Das muss in einer europäischen Stadt auch so sein: Im Zentrum ist sie dicht bebaut, nach außen wird sie lockerer. Wenn wir uns anschauen, wie das grüne Netz aussieht, ist es sehr, sehr lückenhaft. Seine Durchgängigkeit ist aber entscheidend.

Warum ist das so wichtig?

Damit ich mich zum Beispiel im Baumschatten bis zur nächsten Abkühlung bewegen kann. Und es ist für die Biodiversität essenziell. Natürlich ist dieses Netz auch für das allgemeine Empfinden und Wohlbefinden wichtig. Das heißt, Wiens grünes Netz ist nicht engmaschig genug.

 
Heißes Wasser aus der Wiener Tiefe: Der Schatz von Aderklaa
Am Rande der Seestadt Aspern wird in mehr als drei Kilometer Tiefe gebohrt. Das Ziel: Ein urzeitlicher heißer Wasserkreislauf, der in zwei Jahren 25.000 Wiener Haushalte mit Wärme versorgen soll

Das Auffälligste an diesem Projekt ist seine Unauffälligkeit. "Seit der Bohrturm weg ist, sieht man nicht mehr so viel", sagt Linda Kirchberger fast entschuldigend, während STANDARD-Fotograf Christian Fischer den Hals nach einem guten Motiv reckt. Viel ist tatsächlich nicht zu sehen: ein betoniertes gerades Feld, aus dessen Mitte nebeneinander drei Gebilde ragen, die ein wenig aussehen wie überdimensionierte Hydranten. Wir stehen in einem Container, am Rande dieses Betonfeldes, am ehemaligen Flugfeld Aspern. Näher dürfen wir nicht ran, es besteht Explosionsgefahr.

Denn das, was hier gerade passiert, ist geradezu spektakulär. Hier, am Rande des Stadtentwicklungsgebiets Seestadt Aspern, wird tief gebohrt, teilweise tiefer als der Großglockner hoch ist – nach heißem, urzeitlichen Wasser, das ab dem Winter 2028/29 25.000 Haushalte mit Fernwärme versorgen soll. Es ist ein Projekt der Wien Energie, in Kooperation mit der OMV, und es soll bis 2040, wenn die Stadt Wien klimaneutral sein will, für 200.000 Haushalte saubere, nachhaltige und erneuerbare Wärme-Energie bereitstellen.

 
Was der Wahlerfolg der Linken in Berlin für Wien bedeutet
Für Städte wird Wohnpolitik immer wahlentscheidender - auch in Österreich. Auch in Wien verschärft sich die Debatte, aber mit anderer Ausgangslage.
Am Sonntag hat man im Wiener Rathaus genau auf die Ergebnisse der Wahlen in Berlin geschaut: Dort hat sich in die Linke mit 25,7 Prozent ganz klar auf Platz 1 gesetzt.

Das liegt am entscheidenden Wahlmotiv. Laut der Forschungsgruppe Wahlen sehen 53 Prozent den Wohnungsmarkt und die hohen Mieten als drängendstes Problem an. Dahinter folgen Verkehr (23 Prozent) und Kriminalität (19 Prozent).

Dass linke Parteien mit forscher Wohnungspolitik reüssieren können, ist kein rein deutsches Phänomen. 2023 konnte etwa die KPÖ Plus unter Kay-Michael Dankl mit dem Wahlkampfthema „leistbares Wohnen“ einen historischen Erfolg bei den Landtagswahlen in Salzburg für sich verbuchen.

Die Lehre aus Graz
Ein noch aktuelleres Beispiel ist Graz, dort stellt die KPÖ mit Elke Kahr erneut die Bürgermeisterin. Das Erfolgsrezept: Wohnpolitik gepaart mit Kümmer-Politik. Wem etwa das Geld für die Reparatur der Waschmaschine fehlt, kann sich etwa der Hilfe aus dem KPÖ-Sozialfonds sicher sein.

Andere Ausgangslage in Wien
Wien ist aber anders als all diese Städte und gleichzeitig auch wieder nicht. Gleich ist: Auch in der österreichischen Bundeshauptstadt wird das Thema Wohnen für die Wählerinnen und Wähler immer wichtiger. Es kommt nicht von ungefähr, dass SPÖ, FPÖ, Grüne und KPÖ verstärkt in diesem Bereich punkten wollen.


 
Zurück
Oben