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Eurovision Song Contest 2026

Anti-Israel-Proteste beim Song Contest: Es ist das alte, hässliche Lied
Die zwanghaften "Israelhasser" begreifen nicht, dass ein Ausschluss des Landes vom ESC vor allem Netanjahu genützt hätte – und sie zur antisemitischen Gewalt beitragen

Schriftsteller Richard Schuberth geht in seinem Gastkommentar auf die Boykottaufrufe gegen Israel beim Eurovision Song Contest ein.

Wir schreiben das Jahr 2024. Der Song des Sängers Fahree (feat. Ilkin Dovlatov), den der aserbeidschanische Sender İctimai Televiziya für den World Cup des schlechten musikalischen Geschmacks, auch Eurovision Song Contest genannt, nominiert hatte, kam nicht über das Halbfinale hinaus. Die Teilnahme des Landes am Kaspischen Meer entkräftet den noch immer kursierenden Vorwurf, Israels Präsenz bei einem europäischen beziehungsweise nach Europa benannten Popwettbewerb sei Beweis seiner Zugehörigkeit zum westlichen Kulturkreis und bestätige das Bild vom orientfremden "weißen" Kolonisator. Auch Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Jordanien und Ägypten sind Mitglieder der Europäischen Rundfunkunion (EBU) und könnten beim Songcontest mitmachen, was sie aus einem bestimmten Grund aber unterlassen.

Ihnen haben sich dieses Jahr Spanien, Island, Irland, die Niederlande und Slowenien angeschlossen. Aserbeidschan indes ist wieder mit dabei. Jenes Land, dessen Armee im September 2023 etwa 100.000 Armenier aus Bergkarabach, die gesamte seit Jahrtausenden dort ansässige armenische Bevölkerung, vertrieben hatte. Wer die einmütige Ökumene der Israelboykottierer auf ihre völlige Gleichgültigkeit gegenüber dieser ethnischen Säuberung hinweist, für den hat sie einen griffigen Begriff im Ärmel: Whataboutism. Leider reicht es nicht, zu erkennen, dass die Floskel vor allem auf ihre eigene pathische Israelfixierung zutrifft. Und dass sie mit ihren Boykottforderungen die Politik Benjamin Netanjahus unterstützt.

"Einmal mehr zeigt sich die Notwendigkeit eines Safe-Spaces für Jüdinnen und Juden, und sei es nur ein Staat."
Seit Jahren versucht dessen Regierung, den öffentlich-rechtlichen Sender KAN, welcher die israelischen ESC-Teilnehmer:innen auswählt, seiner Unabhängigkeit zu berauben. Die nötige Mehrheit zur Änderung des Rundfunkgesetzes, das finanzielle Einflussnahme und Privatisierung unterbindet, konnte in der Knesset bislang nicht erreicht werden. Mit einem Bann Israels vom ESC fiele man einem der stabilen Garanten israelischer Demokratie – von Kommunikationsminister Shlomo Karhi als Werkzeug eines angeblichen Deep State diffamiert – in den Rücken.

 
Timna Brauer: "Wenn die Palästinenser die Waffen niederlegen, gäbe es Frieden"
Die Sängerin über ihren unverhofften ESC-Auftritt 1986 im Schatten der Waldheim-Affäre und warum sie den Boykott israelischer Künstler für Antisemitismus hält

Vor 40 Jahren trat Timna Brauer für Österreich beim Eurovision Song Contest in Bergen an, ohne sich beworben zu haben. Seither arbeitet sie als Jazz- und Weltmusik-Sängerin und ist mit zahlreichen Projekten an der Schnittstelle von Musik und Friedensarbeit aktiv, auch mit palästinensischen und persischen Künstlern. Heute führt sie zudem die Arik-Brauer-Villa in Wien, arbeitet an einem Album namens Jodel-Etüden und verfolgt den ESC 2026 in Wien mit gemischten Gefühlen. Als Jüdin, die zwei Jahre freiwillig in der israelischen Armee diente, hat sie zur aktuellen Lage klare Worte.

STANDARD: Sie sind in einer außergewöhnlichen Künstlerfamilie aufgewachsen. Wie war das als Kind?

Brauer: Man weiß es nicht, als Kind. Man glaubt, alle Väter malen den ganzen Tag, singen und tanzen. Erst später merkt man, dass das etwas Besonderes ist. Bei uns wurde immer musiziert, gesungen, gemalt. Die Schöpfung war irgendwie immer vorhanden.

STANDARD: 1986 haben Sie Österreich beim Eurovision Song Contest mit Die Zeit ist einsam vertreten, geschrieben von Peter Janda und Peter Cornelius. Wie kam es dazu?

Brauer: Ich bin die einzige Ausnahme auf der Welt, glaube ich: Ich habe mich nicht beworben. Der damalige ORF-Unterhaltungschef Peter Hofbauer, der heute das Metropol leitet, war damals im ORF für die Unterhaltung zuständig. Er hatte mich 1985 auf der Konzerthausbühne mit meinem Vater singen gesehen und rief mich an. Ich war damals Studentin in Paris. Ich habe gar nicht sofort begeistert „Ja" gesagt, sondern gefragt: „Sind Sie sicher, dass Sie mich meinen?" Ich war ja musikalisch ganz woanders, Jazz-Sängerin. Ich habe mir Bedenkzeit genommen. Dann habe ich das Angebot natürlich angenommen, denn als angehende Künstlerin ist das eine unglaubliche Chance. Diese drei Minuten vor fast einer halben Milliarde Zuschauer vergisst man nicht.

 
Wer hinter den anti-israelischen Protesten gegen den ESC steckt
Seit Wochen wird gegen den Song Contest und die Teilnahme Israels mobilisiert. Welche Personen und Motive dahinterstehen

Am Samstag war in der Wiener Innenstadt bereits zu erahnen, wie aufgeheizt die Stimmung im Vorfeld des Eurovision Song Contest (ESC) werden dürfte. Bei einem öffentlichen Auftritt anlässlich des Europatags wurden Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (Neos) von einer kleineren Gruppe von "Palästina"-Aktivistinnen und -Aktivisten ausgebuht und beschimpft. "Free, free Palestine" rief die Aktivistin Viktoria Eibensteiner, dazu die Frage, warum die Politik schweige, wenn "Kinder sterben". Eibensteiner ist Content Creatorin und ehemalige TikTok-Managerin von moment.at, dem Onlinemedium des gewerkschaftsnahen Momentum-Instituts. An ihrer Seite: der Influencer und Youtuber Rafael Eisler, der mit Eibensteiner seit Längerem bei antiisraelischen Protesten präsent ist – vor allem im Netz.

Vorwurf der Selbstdarstellung
Eisler begleitet in alarmistisch inszenierten Videos auch die sogenannte Gaza-Hilfsflotte "Sumud Flotilla", die er aktiv unterstützt. Der Schiffskonvoi stach vor wenigen Wochen in See, wurde jedoch von der israelischen Marine in internationalen Gewässern gestoppt; zwei Aktivisten wurden zur Befragung mitgenommen und dann abgeschoben.

 
Es hätte einen besseren Weg gegeben, um beim ESC für Palästina einzutreten
Anti-israelische Proteste beim Song Contest in Wien sind legitim, solange sie nicht die Rechte anderer verletzen. Problematischer ist der Boykott von fünf Staaten

Großveranstaltungen bieten politisch engagierten Gruppen stets eine gute Gelegenheit, für ihre Anliegen Aufmerksamkeit zu generieren. Deshalb sind Demonstrationen und Proteste bei Konferenzen und manchen Kulturereignissen üblich und müssen von einer demokratischen Gesellschaft akzeptiert werden.

Nach zweieinhalb Jahren ständiger antiisraelischer Protesten auf Europas Straßen ist es auch keine Überraschung, dass die Pro-Palästina-Bewegung die Teilnahme eines israelischen Sängers am Eurovision Song Contest in Wien mit Märschen, Reden und Plakaten begleitet. Es ist richtig, dass Österreich diesen Demonstranten Raum bietet, ihre Meinungen lautstark zu äußern, egal ob man sie teilt. Dass der Verkehr dadurch gelegentlich behindert wird, ist Teil der Versammlungsfreiheit.

Problematisch werden Protestaktionen erst, wenn sie die Rechte anderer beschneiden. Dass der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig und Außenministerin Beate Meinl-Reisinger am Europatag von antiisraelischen Demonstranten niedergebrüllt und niedergepfiffen wurden, ist eine Form verbaler Gewalt, die auch der Sache der Palästinenser keinen guten Dienst leistet. Ludwig hat darauf souverän und im Sinne einer toleranten Gesellschaft reagiert.

 
Zehn weiter
Favoriten überzeugten im ersten Semifinale
Ein kunterbuntes erstes Semifinale hat die ersten zehn Acts hervorgebracht, die auch am Samstag im Finale des Song Contest zu sehen sein werden. Die großen Favoriten haben wenig überraschend die erste Hürde genommen – Abschied nehmen heißt es aber unter anderen für Boy George, der als Gast von Sängerin Senhit für San Marino dabei war.
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Israel und Serbien weiter
Trotz der Kontroversen und Boykotte wegen der Teilnahme Israels blieben Buhstürme wie jene für die Kandidatinnen des Landes in den Vorjahren heuer bei Noam Bettans Auftritt aus. Eine Person aus dem Publikum, die sich in der Nähe eines Mikrofons befand, äußerte zu Beginn und während des Auftritts des israelischen Künstlers lautstark ihre Meinung und war deshalb auch in der Live-TV-Übertragung zu hören. Die Person wurde später, nach weiterem Störverhalten und mehrmaligem Auffordern, das zu unterlassen, aus der Halle gebracht. Bettans dreisprachiger Popsong „Michelle“ ist gefällig und eingängig, der Einzug ins Finale war dementsprechend auch eine fixe Bank.
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Betörende Kroatinnen, litauischer Silbermann
Die Gesänge der fünfköpfigen kroatischen Frauenformation Lelek waren betörend genug, ihren Song „Andromeda“ ins Finale zu hieven. Passend zum Songtitel wurde der Auftritt von dichtem Nebel begleitet, wie überhaupt die Gesamtstimmung in Richtung Fantasy-Atmosphäre driftete und man sich aussuchen durfte, ob man eher Waldelfen oder Hexen belauschen durfte.

Das erste Semifinale zum Nachsehen
 
Warum Proteste gegen Israels ESC-Teilnahme nachvollziehbar sind
Es gibt gute Gründe für Proteste gegen Israels Präsenz beim Song Contest. Sie geraten in der lauten Aufregung darüber, dass man sich angeblich auf die falsche Art empört, in den Hintergrund

Bei den Debatten über die Grenzen des legitimen Protests gegen Israels Politik und seine Teilnahme am Eurovision Song Contest, wo am Dienstag ein Mann des Saales verwiesen wurde, gerät oft das Wesentliche aus den Augen: ein Genozidvorwurf, der von zahlreichen NGOs, Fachleuten und der UN-Kommission für Menschenrechte erhoben und derzeit vom Internationalen Gerichtshof geprüft wird. Absichtlich herbeigeführter Hunger durch Zurückhalten von Lebensmitteln und Hilfsgütern. Zugang zu Wasser als Waffe gegen die Bevölkerung.

Die Liste der Menschenrechtsverletzungen, die Israel etwa von unabhängigen NGOs vorgeworfen werden, ist lang. Und die genannten Beispiele handeln nur von Gaza: Hinzu kommen immer weiter eskalierende Siedlergewalt im von Israel besetzten Westjordanland. Ein Gesetz zur Wiedereinführung der Todesstrafe, de facto nur für Palästinenser. Massive Angriffe auf den Libanon, wo Israels Verteidigungsminister offen zugibt, im Süden das Gaza-Modell in einer "Pufferzone" umsetzen zu wollen: eine Strategie der Demolierung und Vertreibung, die weit über die Bekämpfung der mit dem Iran verbündeten Hisbollah-Miliz hinausgeht. In Zeiten, wo übrigens offiziell "Waffenruhe" gilt.

 
Neue Kontroverse rund um den ESC: Der israelische Sender KAN steht nach einem Kommentar über die traditionellen Gesichtstätowierungen der kroatischen Gruppe Lelek massiv in der Kritik.
Mit der Aussage, die Künstlerinnen hätten es mit den „Henna-Tätowierungen übertrieben“, sorgte der Sender für Empörung. Die Gruppe Lelek reagierte scharf und erklärte, dass damit ihre Kultur sowie die Geschichte katholischer Frauen verspottet werde.
Die Sängerinnen betonten, dass die Tätowierungen nicht bloß ein Styling-Element seien, sondern historische und kulturelle Bedeutung tragen und auch mit Leid, Unterdrückung und weiblicher Stärke verbunden sind.
Der Vorfall sorgt besonders deshalb für Diskussionen, weil Israel international ohnehin bereits stark unter Beobachtung und Kritik steht. Viele Menschen werfen israelischen Institutionen und Medien aktuell mangelnde Sensibilität und fehlenden Respekt im Umgang mit anderen Kulturen und menschlichem Leid vor. Dass nun auch beim Eurovision Song Contest kulturelle Symbole öffentlich ins Lächerliche gezogen werden, verschärft die Debatte zusätzlich.

Sie haben keine Berechtigung Anhänge anzusehen. Anhänge sind ausgeblendet.
 

Anhänge

    Sie haben keine Berechtigung Anhänge anzusehen. Anhänge sind ausgeblendet.
da sieht man wieder die doppelmoral des westen,das völkerrecht ist nur einseitig und in eigener interesse anwendbar.

russland wird ausgeschlossen und israel,das nachweislich ein genozid in gaza verübt und völkerrechtswidrig palästina,iran,libanon und syrien angreift ist dabei.



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