Anti-Israel-Proteste beim Song Contest: Es ist das alte, hässliche Lied
Die zwanghaften "Israelhasser" begreifen nicht, dass ein Ausschluss des Landes vom ESC vor allem Netanjahu genützt hätte – und sie zur antisemitischen Gewalt beitragen
Schriftsteller Richard Schuberth geht in seinem Gastkommentar auf die Boykottaufrufe gegen Israel beim Eurovision Song Contest ein.
Wir schreiben das Jahr 2024. Der Song des Sängers Fahree (feat. Ilkin Dovlatov), den der aserbeidschanische Sender İctimai Televiziya für den World Cup des schlechten musikalischen Geschmacks, auch Eurovision Song Contest genannt, nominiert hatte, kam nicht über das Halbfinale hinaus. Die Teilnahme des Landes am Kaspischen Meer entkräftet den noch immer kursierenden Vorwurf, Israels Präsenz bei einem europäischen beziehungsweise nach Europa benannten Popwettbewerb sei Beweis seiner Zugehörigkeit zum westlichen Kulturkreis und bestätige das Bild vom orientfremden "weißen" Kolonisator. Auch Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Jordanien und Ägypten sind Mitglieder der Europäischen Rundfunkunion (EBU) und könnten beim Songcontest mitmachen, was sie aus einem bestimmten Grund aber unterlassen.
Ihnen haben sich dieses Jahr Spanien, Island, Irland, die Niederlande und Slowenien angeschlossen. Aserbeidschan indes ist wieder mit dabei. Jenes Land, dessen Armee im September 2023 etwa 100.000 Armenier aus Bergkarabach, die gesamte seit Jahrtausenden dort ansässige armenische Bevölkerung, vertrieben hatte. Wer die einmütige Ökumene der Israelboykottierer auf ihre völlige Gleichgültigkeit gegenüber dieser ethnischen Säuberung hinweist, für den hat sie einen griffigen Begriff im Ärmel: Whataboutism. Leider reicht es nicht, zu erkennen, dass die Floskel vor allem auf ihre eigene pathische Israelfixierung zutrifft. Und dass sie mit ihren Boykottforderungen die Politik Benjamin Netanjahus unterstützt.
"Einmal mehr zeigt sich die Notwendigkeit eines Safe-Spaces für Jüdinnen und Juden, und sei es nur ein Staat."
Seit Jahren versucht dessen Regierung, den öffentlich-rechtlichen Sender KAN, welcher die israelischen ESC-Teilnehmer:innen auswählt, seiner Unabhängigkeit zu berauben. Die nötige Mehrheit zur Änderung des Rundfunkgesetzes, das finanzielle Einflussnahme und Privatisierung unterbindet, konnte in der Knesset bislang nicht erreicht werden. Mit einem Bann Israels vom ESC fiele man einem der stabilen Garanten israelischer Demokratie – von Kommunikationsminister Shlomo Karhi als Werkzeug eines angeblichen Deep State diffamiert – in den Rücken.
www.derstandard.at
Die zwanghaften "Israelhasser" begreifen nicht, dass ein Ausschluss des Landes vom ESC vor allem Netanjahu genützt hätte – und sie zur antisemitischen Gewalt beitragen
Schriftsteller Richard Schuberth geht in seinem Gastkommentar auf die Boykottaufrufe gegen Israel beim Eurovision Song Contest ein.
Wir schreiben das Jahr 2024. Der Song des Sängers Fahree (feat. Ilkin Dovlatov), den der aserbeidschanische Sender İctimai Televiziya für den World Cup des schlechten musikalischen Geschmacks, auch Eurovision Song Contest genannt, nominiert hatte, kam nicht über das Halbfinale hinaus. Die Teilnahme des Landes am Kaspischen Meer entkräftet den noch immer kursierenden Vorwurf, Israels Präsenz bei einem europäischen beziehungsweise nach Europa benannten Popwettbewerb sei Beweis seiner Zugehörigkeit zum westlichen Kulturkreis und bestätige das Bild vom orientfremden "weißen" Kolonisator. Auch Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Jordanien und Ägypten sind Mitglieder der Europäischen Rundfunkunion (EBU) und könnten beim Songcontest mitmachen, was sie aus einem bestimmten Grund aber unterlassen.
Ihnen haben sich dieses Jahr Spanien, Island, Irland, die Niederlande und Slowenien angeschlossen. Aserbeidschan indes ist wieder mit dabei. Jenes Land, dessen Armee im September 2023 etwa 100.000 Armenier aus Bergkarabach, die gesamte seit Jahrtausenden dort ansässige armenische Bevölkerung, vertrieben hatte. Wer die einmütige Ökumene der Israelboykottierer auf ihre völlige Gleichgültigkeit gegenüber dieser ethnischen Säuberung hinweist, für den hat sie einen griffigen Begriff im Ärmel: Whataboutism. Leider reicht es nicht, zu erkennen, dass die Floskel vor allem auf ihre eigene pathische Israelfixierung zutrifft. Und dass sie mit ihren Boykottforderungen die Politik Benjamin Netanjahus unterstützt.
"Einmal mehr zeigt sich die Notwendigkeit eines Safe-Spaces für Jüdinnen und Juden, und sei es nur ein Staat."
Seit Jahren versucht dessen Regierung, den öffentlich-rechtlichen Sender KAN, welcher die israelischen ESC-Teilnehmer:innen auswählt, seiner Unabhängigkeit zu berauben. Die nötige Mehrheit zur Änderung des Rundfunkgesetzes, das finanzielle Einflussnahme und Privatisierung unterbindet, konnte in der Knesset bislang nicht erreicht werden. Mit einem Bann Israels vom ESC fiele man einem der stabilen Garanten israelischer Demokratie – von Kommunikationsminister Shlomo Karhi als Werkzeug eines angeblichen Deep State diffamiert – in den Rücken.
Anti-Israel-Proteste beim Song Contest: Es ist das alte, hässliche Lied
Die zwanghaften "Israelhasser" begreifen nicht, dass ein Ausschluss des Landes vom ESC vor allem Netanjahu genützt hätte – und sie zur antisemitischen Gewalt beitragen