Maradona
Der Goldjunge
Selten dämliche Logik. Wenn sich ein Volk benachteiligt fühlt, ist es doch völlig normal, dass auch zwischen den politischen Führern der beiden Völker ein Kompromiss ausgehandelt wird.Es ist bezeichnend, dass du von einem "historischen Kompromiss zwischen unseren Völkern" sprichst. Damit bestätigst du genau meine Kritik. Es war ein exklusiver Deal zwischen den Belgrader und Zagreber Eliten, der über die Köpfe der Menschen in Bosnien und Herzegowina hinweg beschlossen wurde. Ein Pakt, der die gewachsenen Strukturen Bosniens zerschlägt und die slawischen Muslime politisch komplett ignoriert, ist kein Fundament für Frieden, sondern ein Brandbeschleuniger.
Außerdem: Welches „Bosnien-Herzegowina“ meinst du überhaupt? Ein eigenständiges BiH gab es damals nicht. Das Königreich Jugoslawien war in mehrere Banovinen gegliedert, die überwiegend nach Flüssen benannt waren und deren Grenzen gerade nicht nach ethnischen Kriterien gezogen wurden. Wieder einmal erfindest du dir die historischen Gegebenheiten so, wie sie dir gerade passen.
Königreich Jugoslawien 1939 VOR DER GRÜNDUNG DER EIGENSTÄNDIGEN Banschaft Kroatien.
Erst meckerst du, Ivo, gefühlt jahrelang hier im Forum darüber, wie sehr die Kroaten benachteiligt worden seien und wie dringend sie mehr Autonomie und Selbstverwaltung bräuchten. Dann wird den Kroaten mit einem historischen Kompromiss weit entgegengekommen – und jetzt passt es dir plötzlich wieder nicht. Jetzt ist es auf einmal „antiserbisch“ bzw. „antimuslimisch“. Hahahahahahahaha.
Passt dir überhaupt irgendetwas? Nein. Es geht dir offensichtlich längst nicht mehr um eine sachliche historische Bewertung, sondern darum, aus deinem krankhaften antiserbischen Wahn heraus alles schlechtzureden – selbst dann, wenn es von serbischer Seite ein Entgegenkommen und ein positiver Kompromiss war.
Was hast du eigentlich immer mit deinem „Weltkrieg bla bla bla“? Die Banovina Kroatien von 1939 hatte überhaupt nichts mit einem späteren Weltkriegsszenario zu tun. Sie war der Versuch, den jugoslawischen Staat innenpolitisch zu stabilisieren und aus den bestehenden Spannungen zwischen den Völkern ein funktionierendes Staatsgebilde zu machen.Belgrad hat die Banovina 1939 nicht aus Großzügigkeit akzeptiert, sondern aus nackter Angst vor dem drohenden Zweiten Weltkrieg und dem inneren Zerfall. Dass dabei serbisch oder muslimisch besiedelte Gebiete an die Banovina fielen, war kein Akt des Verzichts, sondern das Resultat einer hastigen, rein mathematischen Grenzziehung nach den Bezirken von 1931, die die reale ethnische Gemengelage vor Ort völlig missachtete.
Und dein territorialer Vergleich hinkt gewaltig. Das Kroatien unter Tito mag die bosnischen Teile der Banovina nicht mehr gehabt haben, aber es beinhaltete dafür Istrien, Rijeka und Zadar. Gebiete, die 1939 noch zu Italien gehörten.
1939 konnte niemand ernsthaft absehen, dass die Krise zu einem Weltkrieg solchen Ausmaßes führen würde und dass Hitler innerhalb weniger Jahre große Teile Europas erobern würde. Einen Krieg in Europa hielten viele durchaus für möglich – insbesondere im Zusammenhang mit den deutschen Gebietsrevisionen gegenüber Polen und den Folgen des Ersten Weltkriegs. Aber die spätere Entwicklung, wie wir sie heute kennen, war keineswegs vorhersehbar.
Also erspare dir bitte deine ständigen Weltkriegs-Ausführungen. Damit machst du dich mittlerweile förmlich lächerlich.
Titos Konzept basierte auf der Anerkennung von sechs gleichberechtigten Republiken und dem Erhalt der historischen Grenzen Bosniens.
Tito führte eine antiserbische Hegemonie, das weiß jeder, ähnlich wie Kroaten es Aleksandar vorwerfen. Beide waren Diktatoren. Tito sogar mehr als Aleksandar.
Und noch einmal: Welcher „Kosten Dritter“?Das Abkommen von 1939 hingegen war der Versuch zweier Hegemonialmächte, sich Beute auf Kosten Dritter aufzuteilen. Genau diese imperiale Logik hat das Misstrauen gesät, das 1941 so schrecklich explodiert ist.
Es gab damals in den betreffenden Gebieten im Wesentlichen zwei anerkannte ethnonationale Lager. Eine eigenständige bosniakische Nation im heutigen Sinne gab es damals noch nicht. Die slawischen Muslime hatten sich unter der Herrschaft des Osmanischen Reiches zwar zu einer gesellschaftlich und kulturell eigenständigen Gemeinschaft entwickelt, aber daraus kann man nicht einfach rückwirkend eine bereits vollständig ausgeprägte eigene Nation machen.
Auch unter den muslimischen Slawen gab es unterschiedliche nationale Selbstverständnisse: Einige verstanden sich als ethnische Serben, andere identifizierten sich schlicht als „Muslimani“, während sich ein kleinerer Teil als Kroaten betrachtete. Gerade diese Uneinheitlichkeit gehört zum historischen Befund der Zeit von 1878 bis 1939.
Das ist keine „Volksverhetzung“, sondern eine Beschreibung des damaligen historischen Entwicklungsstandes und der unterschiedlichen nationalen Identifikationen unter den muslimischen Slawen.
PS: Istrien war zu dieser Zeit von Italien besetzt bzw. annektiert und hat mit der hier diskutierten Frage überhaupt nichts zu tun.