Unter demselben Regen – Als Nordkoreas Fußballerinnen eine vergessene Grenze für einen Abend durchbrachen
Es regnete an diesem Abend, und der Regen machte keinen Unterschied. Er fiel auf den Rasen, auf dem geschubst und getreten und geflucht wurde, und er fiel auf die Tribünen, wo alte Menschen unter durchsichtigen Mänteln saßen und in beiden Händen die Fahnen beider Mannschaften hielten. Vielleicht war das der erste stille Satz dieses Abends. Der Himmel kennt die Grenze nicht, die Menschen unter ihm gezogen haben. Während unten ein Halbfinale der Asiatischen Frauen-Champions-League lief, suchten oben Menschen nach etwas, das auf keinem Spielplan stand.
Acht Jahre lang hatte niemand aus Nordkorea den Boden des Südens betreten. Man muss sich klarmachen, was diese Zahl bedeutet, denn sie ist mehr als eine Zahl. Zwischen beiden Staaten gibt es keine Leitung, durch die ein Wort fließen könnte, keinen Brief, der ankommt, keinen gemeinsamen Morgen. Als der Naegohyang Women’s Football Club ankam, war es, als betrete jemand einen Raum, dessen Tür man längst zugemauert geglaubt hatte. Die Grenze zwischen Nord und Süd ist eine der bestbewachten der Welt, aber das ist nur ihre äußere Wahrheit. Ihre innere Wahrheit ist, dass sie nicht durch Land verläuft, sondern durch Menschen. Durch Familien, durch Erinnerungen, durch das, was Mütter ihren Kindern noch erzählen konnten und was Enkel schon nicht mehr verstehen.
Es regnete an diesem Abend, und der Regen machte keinen Unterschied. Er fiel auf den Rasen, auf dem geschubst und getreten und geflucht wurde, und er fiel auf die Tribünen, wo alte Menschen unter durchsichtigen Mänteln saßen und in beiden Händen die Fahnen beider Mannschaften hielten.
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