Der Vergleich zwischen Juden und Muslimen hinkt von Anfang an. Die Juden in Europa verhielten sich eigentlich immer betont unauffällig und waren sich der Tatsache bewußt, daß sie eine Minderheit darstellten (und daß Minderheitenschutz noch nicht so richtig erfunden war). Sie waren mehr oder weniger geduldet und immer mal wieder Objekt von Anfeindungen, wenn etwas unrund lief. Sie pflegten ihre Kultur und ihre Eigenheiten, sie versteckten sich in der Regel nicht, aber sie traten auch nicht offensiv auf. In etwa so, wie es auch die ersten "Gastarbeiter" aus der Türkei taten.
Inzwischen hat sich vieles verändert. Zum einen natürlich die Gesellschaft im "Westen". Religion hat nach dem Krieg stark an Bedeutung und Einfluß verloren und religiöse Toleranz war Programm. Zum anderen die Bevölkerung. Migration in den heute üblichen Dimensionen war weitgehend unbekannt, wenn man einmal von den Auswanderern in die "neue Welt" absieht, die sich aber in der Regel nicht in eine vorhandene Gesellschaft integrierten, sondern eher eine neue Gesellschaft gründeten. Und auch den islamischen Gesellschaften. War der Islam früher mehr oder weniger selbstverständliches Beiwerk, der eine Nebenrolle gespielt hat, während ein Monarch (ersatzweise auch ein Diktator, General oder "Präsident") alle Fäden fest in der Hand hielt und bestimmte, wo es lang ging, spielt er nun scheinbar eine Hauptrolle, da er immer mehr als Legitimation für gewaltsame Umstürze und Umsturzversuche dient. Die Religion wurde zweckentfremdet und zur Waffe instrumentalisiert. Zwar ist das Judentum für Israel ebenfalls indentitätsstiftend und auch dort gibt es natürlich Fanatiker, aber eine derartige Vergewaltigung hat es nicht erfahren. NAtürlich muß man dabei aber auch immer im Auge behalten, daß es auf der Welt wesentlich mehr Muslime gibt, als Juden.