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Japan News

Erdbeben erschüttert Norden Japans
Erst in der vergangenen Woche hat sich ein schweres Seebeben ereignet. Weitere könnten folgen. Bisher wurde keine Tsunami-Warnung ausgegeben.
Eine Woche nach einem Seebeben der Stärke 7,7 im Pazifik vor der Küste Japans hat ein starkes Erdbeben die nordjapanische Insel Hokkaido erschüttert. Das Beben der Stärke 6,2 ereignete sich der japanischen Wetterbehörde (JMA) zufolge am Montag um 5.23 Uhr (Ortszeit, Sonntag, 22.23 Uhr MESZ) im Süden Hokkaidos in einer Tiefe von 83 Kilometern. Es wurde keine Tsunami-Warnung ausgegeben.

Der US-Erdbebenwarte USGS zufolge ist mit geringen Sachschäden und niedriger Gefahr für Menschenleben zu rechnen, da die Region rund 200 Kilometer östlich von Sapporo nur dünn besiedelt ist. Jedoch sei „in Gebieten, die starke Erschütterungen erlebt haben, die Gefahr von herabfallenden Felsen und Erdrutschen gestiegen“, sagte ein JMA-Beamter vor Journalisten.

Erdbebenrisiko bleibt hoch
Die JMA warnte außerdem, dass in der kommenden Woche ein hohes Risiko weiterer Erdbeben ähnlicher Stärke in der Region bestünde. Nur wenige Stunden zuvor hatte sich im Meer einige hundert Kilometer südlich von Hokkaido ein Erdbeben der Stärke 5,0 ereignet.

 
Bären greifen Städte an – Japan reagiert mit Abschuss und Militär
Während die Goldene Woche beginnt, eine der wichtigsten Reisezeiten des Landes, schlagen Behörden in mehreren Regionen Alarm. In den Präfekturen Aomori, Iwate und Fukushima wird vor einer stark gestiegenen Gefahr durch Bären gewarnt. Experten sprechen von einer unruhigen Saison, die Tiere sind aktiv, die Begegnungen mit Menschen nehmen zu.

Die Vorfälle häufen sich. Am 20 April wird in Iwate die Leiche einer Frau gefunden, vermutlich Opfer eines Angriffs. Am 27 April greift ein Bär in Hokkaido einen Jäger an, verletzt ihn schwer im Gesicht. Zwei Tage später wird eine Frau in einem Wohngebiet in Toyama attackiert und lebensgefährlich verletzt, der erste Fall dieser Art dort seit 26 Jahren. Am selben Tag taucht ein Tier in Sendai auf der Straße auf und ein Zugführer meldet einen Bären direkt an den Gleisen. Am 30 April folgt die nächste Attacke in Toyama, erneut schwere Verletzungen.

Die Dimension lässt sich inzwischen in Zahlen ablesen. Über 130.000 Sichtungen und Vorfälle sind landesweit erfasst. Während der Goldenen Woche haben sich die Angriffe seit 2019 verneunfacht. 2025 wird zum schlimmsten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. 13 Tote, mehr als 100 Verletzte, über 235 dokumentierte Angriffe und mehr als 20.000 Sichtungen. Auffällig ist, dass sich die Tiere nicht nur verteidigen, sondern gezielt angreifen, auch in Wohngebieten.

 
Japan verteuert den Zugang – Visa werden nach 48 Jahren plötzlich bis zu fünfmal teurer
Japan hebt zum 1. Juli seine Visagebühren an – und zwar in einem Ausmaß, das das Land seit fast einem halben Jahrhundert nicht mehr gesehen hat. Die Regierung beschloss die erste Anpassung seit 48 Jahren und begründet den Schritt mit höheren Verwaltungskosten und einer wachsenden Zahl ausländischer Staatsangehöriger im Land. Für eine einfache Einreise steigt die Gebühr von bisher 3.000 auf 15.000 Yen. Das entspricht ungefähr einem Sprung von rund 18 auf etwa 92 Euro. Mehrfachvisa steigen von 6.000 auf 30.000 Yen – also von etwa 37 auf rund 184 Euro. Die neuen Gebühren gelten für alle Anträge, die ab dem 1. Juli eingereicht werden.

Außenminister Toshimitsu Motegi erklärte, die bisherigen Sätze seien seit 1978 praktisch unverändert geblieben. In dieser Zeit hätten Inflation, Wechselkurse und gestiegene Verwaltungsaufgaben die Ausgangslage grundlegend verändert. Die Regierung rechnet nach eigenen Angaben trotzdem nicht mit spürbaren Folgen für den Einreisetourismus. Die Entscheidung steht nicht allein. Erst im vergangenen Monat wurde ein Gesetz beschlossen, das den Behörden deutlich mehr Spielraum bei Visa- und Aufenthaltsgebühren gibt. Künftig können Gebühren in bestimmten Bereichen um ein Vielfaches steigen. Die Obergrenze für Änderungen des Aufenthaltsstatus oder Verlängerungen wurde massiv angehoben. Auch Verfahren rund um den dauerhaften Aufenthalt sollen deutlich teurer werden. Für einzelne Schritte liegen bereits Pläne vor, die Kosten bis spätestens Ende März 2027 weiter zu erhöhen.

Die Regierung verweist dabei auf eine Entwicklung, die in Japan seit Jahren sichtbar ist. Ende 2025 lebten nach offiziellen Angaben rund 4,13 Millionen ausländische Staatsangehörige im Land – mehr als jemals zuvor. Die zusätzlichen Einnahmen sollen in Verwaltung, Sprachförderung und Programme für den Umgang mit der wachsenden Zahl ausländischer Einwohner fließen. Gleichzeitig sollen Maßnahmen gegen unerlaubten Aufenthalt ausgebaut werden. In Tokio wird zusätzlich darauf verwiesen, dass vergleichbare Gebühren in Ländern wie den USA oder Deutschland bereits heute deutlich höher liegen. Für Besucher und Antragsteller ändert das wenig: Wer ab Juli nach Japan kommt, zahlt deutlich mehr als noch vor wenigen Wochen.
 
Neues Ziel für Russlands Spione
Als Folge der Invasion der Ukraine haben westliche Regierungen 2022 zahlreiche russische Akteurinnen und Akteure ausgewiesen und sanktioniert. Laut einem Bericht der „New York Times“ soll eine Gruppe von Kreml-Spionen seitdem ihre Aktivitäten nach Japan verlagert haben und aus dem Tokioer Büro einer Fluggesellschaft operieren. Die japanische Regierung bestätigte am Montag Aufholbedarf bei der Spionageabwehr.

Angaben des ukrainischen Präsidentenbüros zufolge enthält ein Großteil der in der Ukraine eingesetzten russischen Marschflugkörper, Raketen und Drohnen auch Komponenten von japanischen Herstellern. Kiew warnte die japanische Regierung laut „New York Times“ bereits mehrmals in diplomatischen Schreiben vor dem Schmuggel japanischer Bauteile nach Russland.

Laut Recherchen der US-Zeitung steckt hinter dem indirekten Export japanischer Technologien, die sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden können, ein System: Eine russische Militärgeheimdiensteinheit, die „20. Direktion“, arbeite mitten in Tokio daran, die westlichen Sanktionen zu umgehen und die für den Krieg gegen die Ukraine benötigten Teile nach Russland zu bekommen.

 
Japan schließt Einfuhr von Atomwaffen nicht mehr aus
Fast sechzig Jahre lang galt in Japan ein Versprechen, das nach Hiroshima und Nagasaki kaum jemand infrage stellte. Keine eigenen Atomwaffen, kein Besitz und keine Einfuhr. Jetzt beginnt genau dieses letzte Tabu zu wanken. Verteidigungsminister Shinjirō Koizumi fordert eine offene Debatte darüber, ob amerikanische Atomwaffen künftig wieder auf japanischem Boden stationiert werden könnten. Die Regierung will ihre Sicherheitsstrategie bis Jahresende komplett überarbeiten.

Premierministerin Sanae Takaichi treibt den Kurswechsel seit Längerem voran. Schon vor ihrem Amtsantritt erklärte sie, ein Land könne sich nicht auf den amerikanischen Atomschirm verlassen und gleichzeitig jede Stationierung amerikanischer Atomwaffen ausschließen. Nach ihrer Auffassung passt das nicht mehr zur heutigen Sicherheitslage in Ostasien. Der Schritt kommt nicht aus dem Nichts. Im April gab Tokio bereits ein weiteres Grundprinzip der Nachkriegszeit auf und erlaubte erstmals wieder den Export tödlicher Waffen. Gleichzeitig arbeitet die Regierung am Aufbau eines zentralen Geheimdienstes – etwas, das es in dieser Form seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs nicht mehr gegeben hat.

Als Vorbilder nennt Tokio inzwischen Frankreich und Finnland. Beide Länder haben ihre Abschreckung zuletzt deutlich ausgebaut oder bestehende Beschränkungen aufgehoben. Für die Gegner dieser Pläne ist das ein gefährlicher Weg. Sie erinnern daran, dass Japan bis heute das einzige Land der Welt ist, das Atombombenangriffe erlebt hat. Dass ausgerechnet dort nun wieder über amerikanische Atomwaffen diskutiert wird, wäre noch vor wenigen Jahren politisch kaum vorstellbar gewesen. Heute liegt genau das auf dem Tisch.

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