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Künstliche Intelligenz

Big Tech schwächt EU-Klimaregeln für Rechenzentren ab
Die EU will mehr Rechenzentren – und trotzdem klimaneutral werden. Doch die Tech-Lobby hat andere Pläne

Die EU will bekanntlich mehr KI-Unternehmen anlocken und mehr Rechenleistung auf den Kontinent holen. Aus Sorge, digital von den USA und China abhängig zu bleiben, spricht man in Brüssel gern von "digitaler Souveränität". Gleichzeitig gibt es da noch, fast schon vergessen, den Green Deal. Also das Versprechen, bis 2050 der erste klimaneutrale Kontinent zu werden. Nettonull und KI-Boom, passt das zusammen?

Grundsätzlich muss das kein Widerspruch sein. Rechenzentren, die ausschließlich mit erneuerbarer Energie laufen, können durchaus CO₂-frei sein. Nur ist Grünstrom in Europa auch so schon knapp, und wenn die Energiewende gelingen soll, braucht es massiv mehr davon.

Einerseits um Kohle- und Gasstrom aus dem Netz zu drängen, andererseits wegen neuer Stromverbraucher wie E-Autos oder Wärmepumpen. Kommen jetzt noch reihenweise Rechenzentren dazu, wird die Rechnung eng. Zumindest, solange der Ausbau von Wind- und Solarenergie, Netzen und Speichern nicht deutlich schneller vorankommt.

KI oder Klima
Genau das hat kürzlich auch die European Data Centre Association (EDCA) festgestellt – der Lobbyverband, in dem Hyperscaler wie Amazon und Microsoft neben kleineren Rechenzentrum-Betreibern organisiert sind. Laut einem Bericht von Politico sagte Verbandschef Lex Coors sinngemäß, Brüssel müsse sich entscheiden: entweder volle Kraft für den KI-Ausbau und damit digitale Souveränität – oder strikte Klimaziele. Beides gleichzeitig sei kaum zu haben.

 
Upsi! Das kann die KI ja doch nicht!
Zuerst werden Menschen gekündigt. Dann bemerken Unternehmen, dass die KI ihre Jobs nicht beherrscht. Das Vorgehen ist vielsagend

Es gibt ja mittlerweile diesen Begriff vom "Rauswurf-Bumerang". Ein Unternehmen kündigt im großen Stil Personal, weil es stattdessen KI einsetzen will: Dann stellt sich heraus, dass die KI nicht gut genug dafür ist. Also müssen wieder Menschen angeheuert werden.

Zuletzt machte Ford damit Schlagzeilen, dass es "350 veteran engineers", also erfahrene Fachleute, erneut anstellen musste. Ihre Arbeit bewirkt, dass Ford wieder weniger fehlerhafte Autos ausliefert. Das Ganze sagt viel darüber aus, wie schnell Anwendungen der künstlichen Intelligenz überschätzt werden.

Doch dieser Rauswurf-Bumerang ist nicht nur Folge des KI-Hypes an sich. Nein, das tieferliegende Problem ist die heutige Managementkultur: Sie hält permanent Ausschau danach, wo man im großen Stil Menschen kündigen könnte. Und ihr dient der KI-Hype als Ausrede, Personal abzubauen.

Wiederholt vorgekommen
Es gibt mittlerweile eigene Social-Media-Videos, die sich darüber lustig machen, wie CEOs Leute zurückholen müssen. Das ist eben wiederholt vorgekommen. Die Ford-Führungsriege jubelt jetzt über gesunkene Kosten. "Wir sehen, dass unsere Rückrufkosten sinken", sagt CEO Jim Farley zu Bloomberg. Man könnte es aber auch umdrehen und sagen: Das Management hat diese Kosten verursacht, in der Art und Weise wie sie KI einführten.

 
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