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Künstliche Intelligenz

KI-Unternehmen kaufen alte Bücher tonnenweise auf – weil sie den eigenen Systemen nicht mehr trauen
London (KB) – Ausgerechnet im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz werden alte Papierbücher plötzlich zur begehrten Ware. Unternehmen, die neue KI-Modelle entwickeln, kaufen derzeit weltweit gebrauchte Bücher in riesigen Mengen auf. Der Grund ist ungewöhnlich einfach. Bücher, die vor 2022 gedruckt wurden, enthalten garantiert keine Texte, die bereits von einer anderen KI geschrieben wurden. Genau das macht sie für die Entwicklung neuer Systeme plötzlich wertvoller als ein großer Teil des heutigen Internets. Nach Angaben der Buchdatenbank ISBNdb bestellen einzelne Kunden zwischen 1.000 und einer Million Bücher auf einmal. Alte Druckwerke gelten als saubere Datenquelle. Im Internet hingegen wächst der Anteil automatisch erzeugter Inhalte rasant. Werden KI-Systeme immer wieder mit Texten anderer KI-Systeme trainiert, droht ein sogenannter Modellkollaps. Die Programme übernehmen Fehler, verstärken sie gegenseitig und liefern mit der Zeit schlechtere Ergebnisse.

Hinzu kommt ein weiteres Problem. Autoren, die ihre Werke vor dem Training von KI schützen wollen, bauen inzwischen bewusst Inhalte ein, die Modelle verwirren oder falsche Antworten fördern sollen. Alte Bücher kennen solche Manipulationen nicht. Genau deshalb steigt ihre Nachfrage. Der Boom verändert inzwischen auch den Antiquariatsmarkt. Buchhändler berichten, dass sie statt einiger Dutzend Exemplare plötzlich Hunderte Bücher pro Woche verkaufen. Die Käufer achten weder auf Themen noch auf Preise. Entscheidend ist nur, dass die Bücher eine ISBN besitzen und möglichst vor dem großen KI-Boom erschienen sind. Besonders umstritten ist, was anschließend mit vielen dieser Bücher geschieht. Für das Einscannen werden die Buchrücken abgeschnitten, die Seiten einzeln digitalisiert und die gedruckten Exemplare anschließend vernichtet. Ein US-Bundesrichter erklärte dieses Vorgehen zuletzt für zulässig, weil die digitalen Kopien das Unternehmen nicht verlassen und die Originale zerstört werden. Kritiker sehen dennoch einen kulturellen Verlust. Gerade seltene und kleine Auflagen verschwinden damit für immer aus den Regalen – nicht weil sie niemand mehr lesen will, sondern weil Maschinen sie lesen sollen.
 
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