Wozu es die SPÖ braucht
Wer arbeitet, soll sich etwas aufbauen können. Wer viel besitzt, soll mehr zum Gemeinwesen beitragen. Und wer auf Hilfe angewiesen ist, muss sich auf den Staat verlassen können – Ein Plädoyer
"Warum sollte man die Grazer SPÖ wählen?" Diese Frage stellte ich vor Ort zahlreichen Menschen in- und außerhalb der Partei drei Monate vor der Gemeinderatswahl. Die Antwort war meist ein langes Schweigen. Das Ergebnis am 28. Juni: 5,6 Prozent, Klubstatus weg, über die Hälfte der eigenen Wähler zur KPÖ.
Dieses Schweigen ist das Problem der ganzen Partei. Auf die größere Frage, warum man überhaupt SPÖ wählen sollte, bekommt man keine wirkliche Antwort mehr. Anspruch und Wirklichkeit klaffen mittlerweile einfach zu weit auseinander. Arbeiterpartei sind wir schon seit Jahrzehnten keine mehr. Bei der Nationalratswahl 2024 wählten nur rund 20 Prozent der Arbeiter die SPÖ, etwa 50 Prozent die FPÖ. Bei den Erwerbstätigen insgesamt lag die SPÖ laut Foresight-Analyse bei 18 Prozent, die FPÖ bei 36 und die ÖVP bei 20 Prozent. Und noch etwas sagt die Wahlanalyse: 180.000 SPÖ-Wähler von 2019 blieben zu Hause, nur 65.000 gingen zur FPÖ. Wir verlieren nach rechts, nach links und aufs Sofa. In der jüngsten OGM-Umfrage liegen wir hinter den Grünen.
Ein ehemaliger Minister ätzt: "Schreib, die SPÖ wird nur noch von jenen gebraucht, die von ihr leben: Funktionäre und Gewerkschafter. Die kriegen alle mehr, als sie in der Privatwirtschaft kriegen würden."
Laut ÖGB-Offenlegung lagen Anfang 2026 16 der 29 Vorstandsmitglieder bei mehr als 7.000 Euro netto im Monat, gedeckelt sind die Einkommen aber eh bei schwachen 10.531,08 Euro netto pro Monat. Da ist der Einkauf machbar – auch ohne Lebensmittelmehrwertsteuersenkung. Oder schauen wir ins rote Judenburg, eine Weltstadt im Murtal mit 9.600 Einwohnern. Die drei Vorstände der gewiss europaweit bekannten Stadtwerke Judenburg bezogen 2024 zusammen mehr als eine Million Euro brutto, wie der steirische Landesrechnungshof feststellte. Wenn man so etwas kritisiert, gilt das gleich als gewerkschafts- oder parteifeindlich. Diskussion unerwünscht.
www.derstandard.at
Wer arbeitet, soll sich etwas aufbauen können. Wer viel besitzt, soll mehr zum Gemeinwesen beitragen. Und wer auf Hilfe angewiesen ist, muss sich auf den Staat verlassen können – Ein Plädoyer
"Warum sollte man die Grazer SPÖ wählen?" Diese Frage stellte ich vor Ort zahlreichen Menschen in- und außerhalb der Partei drei Monate vor der Gemeinderatswahl. Die Antwort war meist ein langes Schweigen. Das Ergebnis am 28. Juni: 5,6 Prozent, Klubstatus weg, über die Hälfte der eigenen Wähler zur KPÖ.
Dieses Schweigen ist das Problem der ganzen Partei. Auf die größere Frage, warum man überhaupt SPÖ wählen sollte, bekommt man keine wirkliche Antwort mehr. Anspruch und Wirklichkeit klaffen mittlerweile einfach zu weit auseinander. Arbeiterpartei sind wir schon seit Jahrzehnten keine mehr. Bei der Nationalratswahl 2024 wählten nur rund 20 Prozent der Arbeiter die SPÖ, etwa 50 Prozent die FPÖ. Bei den Erwerbstätigen insgesamt lag die SPÖ laut Foresight-Analyse bei 18 Prozent, die FPÖ bei 36 und die ÖVP bei 20 Prozent. Und noch etwas sagt die Wahlanalyse: 180.000 SPÖ-Wähler von 2019 blieben zu Hause, nur 65.000 gingen zur FPÖ. Wir verlieren nach rechts, nach links und aufs Sofa. In der jüngsten OGM-Umfrage liegen wir hinter den Grünen.
Ein ehemaliger Minister ätzt: "Schreib, die SPÖ wird nur noch von jenen gebraucht, die von ihr leben: Funktionäre und Gewerkschafter. Die kriegen alle mehr, als sie in der Privatwirtschaft kriegen würden."
Laut ÖGB-Offenlegung lagen Anfang 2026 16 der 29 Vorstandsmitglieder bei mehr als 7.000 Euro netto im Monat, gedeckelt sind die Einkommen aber eh bei schwachen 10.531,08 Euro netto pro Monat. Da ist der Einkauf machbar – auch ohne Lebensmittelmehrwertsteuersenkung. Oder schauen wir ins rote Judenburg, eine Weltstadt im Murtal mit 9.600 Einwohnern. Die drei Vorstände der gewiss europaweit bekannten Stadtwerke Judenburg bezogen 2024 zusammen mehr als eine Million Euro brutto, wie der steirische Landesrechnungshof feststellte. Wenn man so etwas kritisiert, gilt das gleich als gewerkschafts- oder parteifeindlich. Diskussion unerwünscht.
Wozu es die SPÖ braucht
Wer arbeitet, soll sich etwas aufbauen können. Wer viel besitzt, soll mehr zum Gemeinwesen beitragen. Und wer auf Hilfe angewiesen ist, muss sich auf den Staat verlassen können – Ein Plädoyer