Man muss Recep Tayyip Erdogan einfach für seine unermüdliche Fürsorge um die türkische Justiz bewundern. Es ist schließlich ein reiner, absolut fantastischer Zufall, dass die unabhängigen Ermittler immer genau dann massive Korruption wittern, wenn ein Politiker der Opposition eine Wahl mit satten 60 Prozent der Stimmen gewinnt.
Es ist mathematisch auch völlig logisch, wer 2024 bei den Kommunalwahlen die meisten Bürgermeisterämter holt, hat danach einfach statistisch gesehen viel mehr Gelegenheiten, sich strafbar zu machen. Da greift die AKP-Regierung doch nur präventiv ein, um die Opposition vor sich selbst zu schützen. Ein lupenreiner Service am Wähler.
Es ist beruhigend zu wissen, dass die türkische Justiz vollkommen frei von politischer Einflussnahme arbeitet. Sie ist so unabhängig, dass sie die Wahlergebnisse von Mersin oder Istanbul quasi gar nicht kennt, wenn sie die Razzien plant. Dass am Ende fast nur noch AKP-Politiker in den Rathäusern sitzen, ist eben das natürliche Ergebnis strafrechtlicher Evolution.
Das Babo ud mutmaßlicher Kriegsverbrecher Erdogan hat das Konzept der Demokratie einfach perfektioniert. Man lässt das Volk zwar wählen, aber wenn das Ergebnis nicht passt, tauscht man die Gewählten hinterher einfach diskret gegen Gefängnisinsassen aus. Das spart auf Dauer lästige Wahlkämpfe und schont das Staatsbudget.
Wer in der Türkei Karriere machen will, muss eben flexibel sein. Früher führte der Weg ins Spitzenamt über Erfolge in Großstädten, heute führt der direkte Weg ins Herz der Opposition über eine solide Anklage wegen "Unregelmäßigkeiten bei Ausschreibungen". İmamoglu hat es vorgemacht, Secer zieht jetzt nach. Ein echtes Gütesiegel für erfolgreiche Kommunalpolitik.
