Ich bin immer beeindruckt, wie du aus jeder geplanten Pipeline sofort eine Weltmacht machst. Nur zur Erinnerung: Zwischen "Projekt auf Papier" und geopolitischer Realität liegen in dieser Region ungefähr 20 Jahre, drei Kriege und fünf Vetospieler.Jetzt steigt die Türkei zu mächtiger Energie-Drehscheibe auf
Es sind gleich mehrere neue Pipeline-Projekte geplant, die den Nahen Osten stärker mit der Türkei und Europa verbinden sollen:
Besonders der türkische Mittelmeerhafen Ceyhan könnte dadurch erheblich an Bedeutung gewinnen. Schon heute ist er Endpunkt wichtiger Öl- und Gasleitungen aus Aserbaidschan, dem Irak und Zentralasien.
- Ausbau der Irak-Türkei-Pipeline von Kirkuk nach Ceyhan
- neue Leitungen von Basra Richtung Mittelmeer
- mögliche Reaktivierung der Kirkuk-Baniyas-Pipeline über Syrien
- langfristig sogar eine Katar-Türkei-Gaspipeline
Hinzu kommt die bestehende Infrastruktur:
Damit verfügt die Türkei über ein breites Netz, das Europa künftig stärker mit Energie aus dem Nahen Osten verbinden könnte.
- die TANAP-Pipeline (Transanatolische Pipeline)
- die TurkStream, eine Erdgaspipeline, die russisches Gas durch das Schwarze Meer direkt in die Türkei transportiert
- die Iran-Türkei-Gasleitung
- LNG-Terminals an Mittelmeer und Marmarameer
LNG-Offensive: Ankara baut seine Machtbasis aus
Parallel treibt Ankara den Ausbau seiner LNG-Infrastruktur voran. Laut Medienberichten hat die Türkei ihre Wiederverdampfungskapazitäten – also die Fähigkeit, importiertes Flüssiggas (LNG) wieder in Erdgas umzuwandeln – in den vergangenen Jahren verfünffacht und liegt inzwischen europaweit auf Rang zwei hinter Spanien.
Die Türkei kann ein Transitland sein, ja, aber sie ist abhängig von Russland, Iran, Irak, Aserbaidschan, EU‑Regeln und US‑Sanktionen. Wer abhängig ist, ist kein Energieriese, sondern ein Zwischenhändler.
Und Ceyhan wird erst dann zur Supermacht, wenn all diese Staaten plötzlich harmonisch zusammenarbeiten. Viel Glück damit.