Proteste gegen LGBTQ+-Razzien: Türkische Polizei nimmt 150 Menschen fest
Die Demonstranten hatten sich versammelt, um gegen die jüngsten Maßnahmen der Behörden gegen LGBTQ+-Gruppen zu protestieren
Istanbul – Die türkische Polizei hat bei einer Demonstration in Istanbul im Zusammenhang mit LGBTQ+ mindestens 150 Menschen festgenommen. Die Demonstranten hatten sich vor dem Caglayan-Gerichtsgebäude versammelt, um gegen die jüngsten Maßnahmen der Behörden gegen LGBTQ+-Gruppen zu protestieren, wie Augenzeugen am Dienstag berichteten. Die Polizei hinderte die Gruppe daran, eine Erklärung zu verlesen. Die Demonstranten riefen Parolen wie "Es lebe das Leben trotz des Hasses", während die Einsatzkräfte einschritten.
Die Festnahmen sind der jüngste Höhepunkt einer landesweiten Kampagne gegen die LGBTQ+-Gemeinschaft. Unter dem Namen "Meine Familie ist sicher" gingen die Behörden in mehreren Provinzen gegen solche Organisationen vor. Nach Angaben der Regierung soll die Initiative Kinder und Familienwerte schützen. Justizminister Akin Gurlek teilte am Sonntag mit, dass sich die Ermittlungen gegen 162 Verdächtige, neun Vereine und 13 Unternehmen in 15 Provinzen richteten. Am Montag ordnete ein Gericht in der westtürkischen Provinz Izmir für 16 Personen Untersuchungshaft an. Am Wochenende waren zudem mindestens 26 Menschen in Istanbul und 21 in Ankara festgenommen sowie Büros von LGBTQ+-Vereinen durchsucht worden.
Websites gesperrt
Neben den Festnahmen sperrten die Behörden den Zugang zu Websites und Kanälen in den sozialen Medien von Organisationen und unabhängigen Medien, darunter das X-Konto der türkischen Sektion von Amnesty International. Der Menschenrechtskommissar des Europarats, Michael O'Flaherty, zeigte sich am Dienstag besorgt über die Festnahmen, Razzien und Online-Einschränkungen. Verweise auf "Familienwerte" oder den "Schutz von Kindern" könnten Einschränkungen der Menschenrechte nicht rechtfertigen. O'Flaherty forderte die Freilassung aller Personen, die wegen ihres Einsatzes für die Menschenrechte oder die Zivilgesellschaft festgehalten würden.
Die Demonstranten hatten sich versammelt, um gegen die jüngsten Maßnahmen der Behörden gegen LGBTQ+-Gruppen zu protestieren
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