Rechtsextreme Machtübernahme: Wie konnte das (wieder) geschehen?
In ein, zwei Jahren könnten wir uns die Frage stellen, warum wir wieder in eine autoritäre Herrschaft gekippt sind
Dieser Tage sagte eine gescheite alte Freundin, eine aufgeklärte Konservative, prominent in Kultur, Politik und Journalismus verankert, zu mir: "Wir werden’s noch erleben, dass der Kickl Kanzler wird." Wir waren uns einig, dass die jetzige Koalition aus ÖVP, SPÖ und Neos, die als letzte Chance der Demokratie vor einer Machtergreifung der autoritären Kickl-FPÖ gilt, eben diese Chance gerade vernudelt.
Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur des führenden deutschen Intelligenzblattes, der Zeit, schreibt in seinem jüngsten, großen Leitartikel, "die Koalition, die sich als die letzte Kugel der Demokratie sieht", sei im Begriff, gegen die klar rechtsextremistische AfD das Spiel zu verlieren.
Eisiger Realismus
Der Historiker und Bestsellerautor Götz Aly, der sein Lebenswerk der Erforschung des Nationalsozialismus gewidmet hat, legt nun ein Opus Magnum vor, mit dem Titel Wie konnte das geschehen?. Auf mehr als 800 Seiten stellt er mit unzähligen Fakten und brillanter Analyse dar, wie Deutschland zuerst in eine diktatorische Herrschaft und dann in ein Menschheitsverbrechen kippen konnte. Ein Kapitel heißt: "Was geschah, kann wieder geschehen." Nicht in der massenmörderischen Form, aber als der perfide, geplante Umbau der Demokratie in eine autoritäre und diktatorische Herrschaft – durchaus mit Einverständnis eines sehr großen Teiles der Bevölkerung.
In ein, zwei Jahren könnten wir uns die Frage stellen, warum wir wieder in eine autoritäre Herrschaft gekippt sind
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