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Europas Ernten brechen ein – Hitze und Dürre treffen Bauern mit voller Wucht
Europas Landwirtschaft steckt mitten in einer schweren Erntekrise. Mehrere Hitzewellen, kaum Regen und ausgetrocknete Böden treffen inzwischen fast den gesamten Kontinent, und französische Bauern sprechen offen von einer beispiellosen Lage. In Frankreich brach die Zucchiniernte um 25 Prozent ein, bei Salat fehlen 35 Prozent, bei Erbsen 40 Prozent und bei Brokkoli sogar 60 Prozent. Bei Artischocken reicht der Verlust je nach Region von 50 Prozent bis zum Totalausfall. Mehr als 1.300 Gemüsebauern aus der Bretagne fordern deshalb sofortige Hilfe. Temperaturen von regelmäßig über 30 Grad, teilweise 35 Grad, stoppten das Wachstum vieler Pflanzen, während heißer Wind den Böden zusätzlich Wasser entzog. Normalerweise kann ein weniger betroffenes Anbaugebiet die Verluste eines anderen auffangen.

In diesem Jahr funktioniert selbst das nicht mehr, weil nahezu alle wichtigen französischen Produktionsgebiete gleichzeitig getroffen wurden. Besonders hart trifft es auch den Mais. Frankreich, Europas größter Getreideproduzent, erwartet rund 9 Millionen Tonnen und damit 35 Prozent weniger als 2025. Eine derart kleine Maisernte gab es dort seit 1980 nicht mehr. Ein Teil des Rückgangs hängt mit dem Wechsel vieler Bauern zu Sonnenblumen zusammen, doch die Hitze traf den Mais ausgerechnet während empfindlicher Wachstumsphasen. Auch in den Ställen beginnt die Rechnung. Milchkühe geraten bereits ab etwa 25 Grad unter Hitzestress, zahlreiche Betriebe melden zehn bis 15 Prozent weniger Milch. Gleichzeitig fehlt Futter für den Winter, weil die Heuernte rund 30 Prozent unter dem langjährigen Durchschnitt liegt. Selbst bei Eiern fehlen inzwischen gewaltige Mengen: Durch massenhaft verendete Tiere während der Juni-Hitze produziert Frankreich täglich etwa eine Million Eier weniger. Italien kämpft mit einer Dürre, die rund 60 Prozent seiner landwirtschaftlichen Flächen erfasst hat. Mais, Reis, Soja, Gemüse und Obst brechen ein, die Milchproduktion sank um 20 Prozent und der Schaden liegt bereits über 3 Milliarden Euro.

In der Po-Ebene, wo rund 80 Prozent des italienischen Reises wachsen, bewässern Bauern ihre Felder erstmals nur noch einmal pro Woche, um überhaupt durch die Saison zu kommen. Spanien sieht ähnliche Zahlen. In Kastilien und León fiel die Getreideernte um 35 Prozent, in der Region Madrid um 49 Prozent und in Andalusien um 24 Prozent. Die spanischen Winzer rechnen für dieses Jahr mit 20 Prozent weniger Wein. Frankreich reagiert inzwischen mit 145 Millionen Euro Soforthilfe und verspricht weitere Unterstützung im Haushalt 2027. Wie tief die Folgen der Trockenheit inzwischen reichen, zeigt Rumänien. Dort führte der niedrige Wasserstand der Donau dazu, dass erstmals seit Inbetriebnahme des einzigen Atomkraftwerks des Landes beide Reaktoren gleichzeitig stillstanden. Was auf Europas Feldern beginnt, endet damit längst nicht mehr beim Gemüsepreis. Die Hitze trifft Lebensmittel, Tierhaltung und inzwischen sogar die Energieversorgung, und dieser Sommer zeigt, wie wenig Reserven bleiben, wenn mehrere Regionen gleichzeitig austrocknen.

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Von Google bis Tiktok: Wo die EU bei Techkonzernen durchgreift
Die EU hat mächtige Werkzeuge gegen Online-Plattformen in der Hand – zum Missfallen der USA. DER STANDARD gibt einen Überblick über die wichtigsten Verfahren und Strafen

Die Europäische Union zieht gegenüber Digitalkonzernen die Zügel an. Mit dem Digital Markets Act (DMA) und dem Digital Services Act (DSA) hat sie neue gesetzliche Grundlagen in der Hand, um durchgreifen zu können. Der DMA soll den Einfluss großer Plattformen beschränken und so für faire Marktbedingungen sorgen. Der DSA zielt darauf ab, die Inhalte auf Plattformen zu regulieren. DER STANDARD gibt einen Überblick über die wichtigsten Verfahren der vergangenen Jahre. Wichtige Anmerkung: Die Strafen sind nicht rechtskräftig.

1. Tiktok
Gegen Tiktok laufen derzeit gleich mehrere Verfahren der EU-Kommission. Eines davon erinnert stark an die Vorwürfe, die aktuell in den USA diskutiert werden: Anfang Februar 2026 kam die EU-Kommission in einer vorläufigen Prüfung zum Ergebnis, dass das süchtig-machende Design von Tiktok gegen den DSA verstoßen könnte. Zudem läuft eine Prüfung, ob Tiktok gegen Vorgaben des Jugendschutzes verstoßen hat. Bis dato gibt es auf EU-Ebene keine Geldbuße.

2. Google
Erst Ende Juli verhängte die EU-Kommission gegen Google eine Geldbuße in der Höhe von 890 Millionen Euro wegen Verstößen gegen den DMA. Die europäische Behörde wirft dem Unternehmen unter anderem vor, bei der Google-Suche eigene Dienste bevorzugt zu haben. Der DMA legt fest, dass "Gatekeeper" wie Google ihre eigenen Dienste im Such-Ranking nicht besserstellen dürfen. Das Ranking muss fair und diskriminierungsfrei gestaltet sein.

3. AliExpress
Ende Juli setzte es eine Strafe in der Höhe von 550 Millionen Euro gegen die chinesische Handelsplattform Aliexpress, und zwar auf Grundlage des DSA. Es geht um den Vorwurf, dass Aliexpress nicht genug unternimmt, um den Verkauf von illegalen, gefährlichen oder gefälschten Produkten zu verhindern. Die Kommission hatte den Konzern dazu aufgerufen, auf diese Probleme zu reagieren, dies sei aber nicht in ausreichendem Maße erfolgt.

4. X
Gegen X verhängte die EU-Kommission bereits im Dezember 2025 eine Geldbuße in der Höhe von 120 Millionen Euro – sehr zum Missfallen von Eigentümer Elon Musk. Die EU-Behörde wirft dem Unternehmen mehrere Verstöße gegen den DSA vor, konkret "die irreführende Gestaltung seines 'blauen Häkchens', die mangelnde Transparenz seines Werbespeichers und das Versäumnis, Forschern Zugang zu öffentlichen Daten zu gewähren". Die Strafe sorgte für grobe Verstimmungen zwischen der Trump-Regierung und der EU-Kommission.

5. Apple und Meta
Im April 2025 gab es eine Strafe in der Höhe von 500 Millionen Euro gegen Apple und eine Strafe von 200 Millionen Euro gegen Meta. Beiden Unternehmen wurde ein Verstoß gegen den DMA vorgeworfen, weil sie ihre Marktmacht missbraucht haben sollen. Apple soll verhindert haben, dass App-Entwickler ihre Nutzer auf alternative Angebote außerhalb des App Store hinweisen können. Bei Meta ging es um das "Consent or Pay"-Modell. Nutzer mussten zahlen, damit ihre persönlichen Daten nicht verwendet werden. (Jakob Pflügl, 18.8.2026)

 
Gasspeicher der EU füllen sich nur schleppend
Die Europäische Kommission sieht trotz eines schleppenden Aufbaus der Erdgasreserven vor dem Winter keine unmittelbare Gefahr für die Versorgungssicherheit in der EU. Die Speicher in der Staatengemeinschaft seien derzeit zu 62 Prozent gefüllt, teilte Kommissionssprecherin Eva Hrncirova heute mit.

Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres lag der Füllstand der EU-weiten Speicher nach Daten des Verbands Gas Infrastructure Europe noch bei 74 Prozent.

Die EU-Länder haben Schwierigkeiten, ausreichend Vorräte für die kalte Jahreszeit anzulegen. Grund dafür sind die hohen Erdgaspreise infolge des Krieges der USA und Israels gegen den Iran, die Unternehmen vom Kauf des Brennstoffs abhalten.

In Deutschland sind die Speicher zu knapp über 50 Prozent gefüllt, was etwa 123,4 Terawattstunden (TWh) entspricht. Das deutsche Wirtschaftsministerium und der Präsident der dortigen Bundesnetzagentur, Klaus Müller, hatten zuletzt die Gashändler eindringlich aufgefordert, ihrer Verantwortung für die Wintervorsorge nachzukommen.

 
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