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Nachrichten aus Europa

Wissenschaft warnt vor Angriff auf Demokratie und akademische Freiheit
Gruppe der wissenschaftlichen Chefberater der EU-Kommission veröffentlicht Kommentar in Fachjournal "Nature", Forschungsrat präsentiert Offenen Brief zu EU-Forschungsbudget

Desinformation und eine zunehmend gespaltene Gesellschaft bedrohen Europas Demokratien. Die Wissenschaft könne in dieser Lage eine wichtige stabilisierende Rolle spielen, schreibt die Gruppe der wissenschaftlichen Chefberater der EU-Kommission (GCSA) in einem Kommentar im Fachjournal Nature. Ausgerechnet diese Stütze sehen die Beraterinnen und Berater allerdings selbst gefährdet. Forschende würden immer häufiger angefeindet, die akademische Freiheit werde immer öfter attackiert. Das sollte alle nachdenklich stimmen, heißt es in dem Beitrag.

Ein funktionierendes Wissenschaftssystem in all seinen Facetten sei nicht etwa eine Art Anhängsel einer liberalen Demokratie, sondern gewissermaßen einer ihrer Grundpfeiler, argumentiert die siebenköpfige Gruppe, zu der u.a. der Wirtschafts- und Politikwissenschafter Martin Kahanec von der Central European University (CEU) in Wien zählt. Sehe man sich an, dass es aktuell in Teilen der Politik das Bestreben gibt, einzelne Forschende oder wissenschaftliche Fachbereiche über andere zu stellen bzw. diese gegeneinander auszuspielen, sei das keine gute Entwicklung. Ein "Teile und herrsche"-Ansatz in Bezug auf die Wissenschaft werde zum Teil auch aus taktischen Gründen und aus der Furcht um Fördermittel sogar in der Forschungsgemeinde selbst akzeptiert, so das Gremium.

"Demokratische Infrastruktur"
Wenn aber wissenschaftliche Expertise untergraben wird, dürfe man nicht vergessen, dass sie eine nicht unerhebliche Rolle dabei spielt, den Wahrheitsgehalt von Informationen sicherzustellen und damit zur demokratischen Urteilsbildung beizutragen. Demokratische Gesellschaften sind ständig mit komplexen, sich dynamisch verändernden Fragestellungen konfrontiert und Forschungseinrichtungen könnten beim Manövrieren durch diese Herausforderungen helfen. Unterdessen werde jedoch die "Legitimität von Expertise in Europa zunehmend in Frage gestellt" sowie demokratischen Institutionen vielfach die Glaubwürdigkeit abgesprochen, erklären die Expertinnen und Experten.

 
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